Mord, Bildung und ein Kommissar mit trockenem Humor
Petros Markaris serviert hier keinen Krimi zum schnellen Weglesen. Der Fall verbindet Mordermittlung mit Gesellschaftskritik und diese Mischung hat mir gefallen. Kostas Charitos wirkt angenehm menschlich, leicht genervt und herrlich bodenständig.Besonders spannend fand ich das Thema rund um die Athener Hochschulen. Der Konflikt zwischen Geisteswissenschaften und den stärker geförderten Technik- und Wirtschaftsfächern gibt dem Mord eine zusätzliche Ebene. Plötzlich geht es nicht mehr nur darum, wer den Mathematikprofessor getötet hat, sondern auch darum, welchen Stellenwert Bildung haben sollte. Das regt zum Nachdenken an, ohne dass Markaris mit dem Zeigefinger winkt.Der Kriminalfall selbst ist eher ruhig erzählt und verlangt etwas Geduld. Dafür gibt es Atmosphäre, trockenen Humor und Figuren, die dem Ganzen Leben einhauchen. Nicht jede Wendung hat mich vom Hocker gehauen, aber diese Erzählweise passt gut zu Charitos. Dazu kommt ordentlich Athen-Flair, sodass man beim Lesen fast das Gefühl bekommt, durch die Stadt zu schlendern. Kein hektischer Pageturner, sondern ein kluger Krimi mit gesellschaftlichem Biss, der im Kopf bleibt.