Wenn ich wiederkomme

Originaltitel: Quando tornerò.
Buch (gebunden)
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Sie lassen die eigene Familie zurück, um sich um fremde Menschen zu kümmern - die Frauen aus Osteuropa. Daniela ist eine von ihnen. Sie arbeitet in Mailand, rund um die Uhr, ist zuverlässig und liebevoll als Pflegerin und als Kinderfrau. Doch je mehr … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Wenn ich wiederkomme
Autor/en: Marco Balzano

ISBN: 3257071701
EAN: 9783257071702
Originaltitel: Quando tornerò.
Übersetzt von Peter Klöss
Diogenes Verlag AG

29. September 2021 - gebunden - 312 Seiten

Beschreibung

Sie lassen die eigene Familie zurück, um sich um fremde Menschen zu kümmern - die Frauen aus Osteuropa. Daniela ist eine von ihnen. Sie arbeitet in Mailand, rund um die Uhr, ist zuverlässig und liebevoll als Pflegerin und als Kinderfrau. Doch je mehr sie fremden Familien hilft, desto heftiger vermisst sie die eigenen Kinder. Als ihrem heranwachsenden Sohn etwas zustößt, muss sie eine Entscheidung treffen.


Portrait

Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist zurzeit einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. Mit seinem Roman Das Leben wartet nicht gewann er den Premio Campiello, mit Ich bleibe hier war er nominiert für den Premio Strega. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.
Bewertungen unserer Kunden
sehr berührende Geschichte
von Marita Robker-Rahe - 28.12.2021
Wenn ich wiederkomme von Marco Balzano, ist mein erstes Buch dieses Autors, aber bestimt nicht mein letztes., denn mir hat nicht nur die Thematik dieses Buches sehr gut gefallen, sondern auch sein Schreibstil und seine Empathie, sich in Personen und Situationen hineinzuversetzen. Daniela kommt aus Rumänien und möchte, dass ihre Kinder ein besseres Leben und eine Zukuft haben und deshalb entscheidet sie sich ins Ausland zu gehen und dort als Pflegekraft zu arbeiten. Ihr Mann ist arbeitslos und sie sieht hierin die einzige Möglichkeit, das Geld für die Bildung ihrer Kinder und vielleicht auch noch fü die Renovierung ihres Hauses zu verdienen. Sie weiß nicht , was auf sie zukommt und ihre Kinder, die von den Großeltern versorgt werden sollen und auch ihre Tochter, die sich um ihren kleinen Bruder kümmern soll, sind nicht erfreut darüber, dass die Mutter in der Fremde arbeiten will. In diesem Buch kommen die beiden Kinder, aber auch Daniela selbst zu Wort und so erfährt der Leser, was Familien widerfährt, die in der Fremde versuchen , das Auskommen für die Familie zu finden. Wir sind es gewohnt darüber zu sprechen, dass unseren Alten von Osteuropäern versorgt werden, machen uns aber keine Gedanken darüber, was das für die betroffenen Familien bedeutet, aber auch, welchen Kraftakt diese ungelernten Frauen manchmal vollbringen müssen, die die dementen und schwerst gestörten und in ihren Alltagsversorgungen eingeschränkten Personen versorgen müssen und dies häufig auch noch schwarz, das heisst, ohne Sozialversicherung und andere Absicherungen. Mich hat dieses Buch sehr berührt und ich finde es sehr gelungen. Die Empathie, die der Autor aufbringt, um sich in die einzelen Personen hineinzufühlen, hat mich beeindruckt. Ich freue mich schon auf weitere Bücher dieses Autors und werde bis dhin seine alten Bücher lesen.
Macht nachdenklich
von Marie aus E. - 28.12.2021
Ich wollte die Geschichte einer Migrantin aus der heutigen Zeit erzählen, einer dieser Frauen, die so vielen von uns die Last der Pflege von Körper und Geist unserer Bedürftigen abnehmen und es uns ermöglichen, ein Leben nach unserem Gusto zu führen, ohne Verzicht . So der Autor in seiner (sehr lesenswerten) Nachbetrachtung. Damit ist eigentlich schon fast alles zum Inhalt gesagt, ein klein wenig hole ich doch noch aus. Daniela und ihre Familie leben in Rumänien. Der Vater verliert seine Arbeit, die Familie hat Geldsorgen und so geht Daniela nach Italien, um alte Menschen zu pflegen und so eine gute Ausbildung für ihre Kinder sicherzustellen. Der Preis ist jedoch sehr groß. Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Danielas Sicht, einsam in der Fremde und mit keinerlei Beschränkung der Arbeitszeit. Genau genommen hat sie überhaupt kein Leben mehr, das sie auch nur ansatzweise selbst bestimmt führen kann. Aber auch ihre Kinder, die größere Tochter, die sehr früh viel Verantwortung übernehmen muss und der kleine Sohn, für beide verändert sich das Leben ebenfalls entscheidend. Diese Komplettsicht fand ich sehr wertvoll, wenn man sich etwas mehr damit auseinander setzt, werden die Ausmaße des Skandals, wie wir im mit Pflege umgehen, erst so richtig bewusst. Ein wichtiges Thema gut umgesetzt. Einzig eines fand ich etwas schade: die Figuren haben mich emotional nicht komplett erreicht, ich habe sie eher aus der Distanz betrachtet. Ich kann nicht genau benennen, woran das lag, ihr Schicksal war ergreifend, aber doch blieben sie auf Distanz. Insgesamt aber ein sehr lesenswertes Buch.
ein aktuelles Thema, aufwühlend beleuchtet
von hiclaire - 28.12.2021
Für seinen neuen Roman wählt Marco Balzano ein schon seit langem aktuelles Thema, über das ich bisher noch nichts in Romanform gelesen habe. Stellvertretend für viele osteuropäische Frauen ist es hier Daniela, die ihre Familie über Nacht verlässt, weil sie keinen anderen Ausweg sieht ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Vielleicht wäre es gerade für die Kinder leichter zu ertragen gewesen, hätten sie vorher in der Familie darüber gesprochen und die Entscheidung gemeinsam getroffen. Aber so ist es nicht gelaufen und am härtesten trifft es ihren Sohn. Nacheinander verlieren Danielas Kinder ihre Bezugspersonen, fühlen sich im Stich gelassen. Die ältere Schwester Angelica kommt besser damit zurecht als ihr zwölfjähriger Bruder Manuel, der zunehmend den Halt verliert. So oder so ähnlich läuft es auch in anderen, vergleichbaren Familien, das schimmert durch. Doch die Geschichte bleibt eng an dem Schicksal von Danielas und ihrer Kinder, aus deren jeweiliger Perspektive die drei Teile erzählt werden. Obwohl mir die Figuren nicht nah gekommen und mir auch ihre Denk- und Handlungsweisen oft fremd geblieben sind, hat mich dieses Buch tief berührt. Weil es eindringlich erzählt wird, für meinen Geschmack manchmal etwas zu eindringlich und emotional, aber in erster Linie weil es so erschreckend aktuell ist. Und weil man bzw. ich mir bisher noch kaum Gedanken gemacht habe, welches Leid dahinterstehen kann, wenn es heißt wir haben jetzt eine Polin (die Nationalität nur als Beispiel). Sicher muss es nicht immer so dramatisch laufen wie in dieser Geschichte, aber es fühlt sich durchaus authentisch an. Hat es mir gefallen? Ich fand es beklemmend. So viele negative Gefühle und Bitterkeit, gerade zwischen Mutter und Tochter, die Familie und deren Zusammenhalt zerstört, jeder von jedem enttäuscht - nicht leicht zu lesen (trotz flüssiger Erzählweise), trotzdem bin ich froh es gelesen zu haben, aus den oben genannten Gründen. Marco Balzano hat intensiv recherchiert und viele Interviews mit Betroffenen geführt, erklärt er im Nachwort. Herausgekommen ist ein eindringlicher Roman, der sich in erster Linie auf emotionaler Ebene mit der Problematik befasst und nichts beschönigt. Das Leben in der Fremde bricht auch dem Stärksten das Rückgrat heißt es an einer Stelle im Buch. Dafür gibt es sogar einen Namen - die Italienkrankheit. Und weiter im Nachwort: Den ausgewanderten Frauen gelingt es zwar meist, die wirtschaftliche Lage der Familie zu verbessern, doch der Preis, den sie auf emotionaler Ebene zahlen, ist hoch: weil das Fortgehen die eigene Identität verändert und vor allem weil es Mütter und Kinder einander entfremdet. Gut, dass diesem Thema Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Eindrücklicher Roman über ein aktuelles, hochbrisantes Thema
von meggie3 - 26.12.2021
Ich habe "Ich bleibe hier" von Marco Balzano äußerst gern gelesen, deshalb wollte ich auch seinen neuen Roman "Wenn ich wiederkomme" unbedingt lesen. Auch in diesem Roman hat mich sein Schreibstil wieder überzeugt. Es geht in dem neuen Roman von Marco Balzano um die Familie Matei in Rumänien. Der Roman gliedert sich in drei Teile, die jeweils die Sicht eines Familienmitglieds auf die Geschehnisse abbilden. Daniela Matei beschließt nach Italien zu gehen, um dort zu arbeiten und mehr Geld für ihre Familie zu verdienen, zum Beispiel zur Finanzierung der Schule ihres Sohnes Manuel. Sie verlässt ihre beiden Kinder und ihren Ehemann, ohne dass diese etwas mitbekommen. Für Daniela ist es kein einfacher Schritt und sie leidet darunter, ihre Familie nur für eine kurze Zeit im Jahr sehen und ansonsten nur per Telefon Kontakt halten zu können. Während Daniela in Italien schwer arbeitet und auf vieles verzichtet, entfremdet sie die Distanz und die gegenseitige Verständnislosigkeit von ihren Familienmitgliedern, von ihrem Mann und den beiden Kindern. Ich habe es als wirklich bewundernswert empfunden, wie Balzano es schafft, die unterschiedlichen Perspektiven der Protagonist:innen nachvollziehbar zu schildern. Sowohl das Leid von Daniela und ihre Zerrissenheit ist spürbar geworden als auch die Verzweiflung des Sohnes Manuel und auch die Gefühle von Tochter Angelica, die in eine Rolle gezwungen wurde, die sie nie wollte. Marco Balzano schreibt über ein hochaktuelles gesellschaftliches Thema auf eine besondere Weise, die mich berührt hat. Ich bin sicher, dass ich den nächsten Roman von dem Autor auch unbedigt lesen werden möchte.
Die geteilte Familie
von Langeweile - 17.12.2021
Das Buch behandelt die Situation von Frauen, die ihre Familie verlassen, um im Ausland als Pflegekräfte zu arbeiten und dadurch die Familie finanziell zu unterstützen. Die rumänische Protagonistin Daniela verlässt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ihre Familie um in Mailand zu arbeiten. Der damals zwölfjährige Sohn Manuel und die 20-jährige Tochter Angelica ,sowie ihr Mann bleiben zurück. Die Geschichte wird im Wechsel aus der Sicht von Manuel und seiner Schwester sowie Daniela erzählt. In regelmäßigen Telefonaten beschwört sie ihren Sohn, einen guten Schulabschluss zu schaffen, um ein besseres Leben führen zu können, als sie es hat. Ihr Mann fällt in ein tiefes Loch,läßt sich gehen und ist für seine Familie keine Hilfe.Manuels einzige Unterstützung ist sein Opa, der sich liebevoll um ihn kümmert. Als dieser stirbt, bricht für den Jungen die Welt zusammen. Im zweiten Teil wird die Geschichte aus der Sicht von Daniela erzählt, die wahrlich kein leichtes Leben hat. Obwohl mich das Thema als solches sehr berührt hat, kam ich mit dem Schreibstil nicht zurecht und konnte keine wirkliche Verbindung zu den Protagonisten aufbauen. Ich bin mir bewusst, dass Danielas Schicksal kein Einzelfall ist und mir ist bekannt, dass es sehr viele Frauen in ihrer Situation gibt, die auch in unserem Land arbeiten, um ihrer Familie ein besseres Leben zu ermöglichen. Was sie dafür auf sich nehmen, darüber denkt man viel zu selten nach. Insofern hat mich das Buch etwas mehr für dieses Thema sensibilisiert und läßt mich nachdenklich zurück.
Wichtiges Thema, mäßig umgesetzt
von Anonym - 12.12.2021
Grundthema des Romans ist die Arbeitsmigration innerhalb der Europäischen Union. Daniela, Mutter zweiter Kinder, verlässt ihre Familie und ihr rumänisches Dorf um in Mailand als Pflegekraft zu arbeiten. Hierbei versucht sie nach Kräften ihre Familie mit ihrem bescheidenen Einkommen zu unterstützen. Gleichzeitig werden ihre beiden Kinder in ihrer Abwesenheit erwachsen. Der Ehemann und Familienvater verlässt ebenfalls die Familie und arbeitet weiter östlich in prekären Verhältnissen als Lastkraftfahrer und Kurier. Geschildert wird die Geschichte aus der Perspektive Danielas, ihrem Sohn Manuel und ihrer Tochter Angelika. Zunächst beginnt der Roman mit der Perspektive Manuels, der seine Probleme als Heranwachsender eindrucksvoll schildert, aber dann abrupt abbricht. Schwerpunkt des Romans bildet die Schilderung Danielas. Die Darstellung aus Sicht von Tochter Angelika bleibt ziemlich oberflächlich. Insgesamt ein Roman, der zwar wichtige Themen behandelt, aber aufgrund der Perspektivwechsel und der relativen Kürze, nicht so sehr in die Tiefe geht. Daher nur 3 Sterne.
Luxusgut Liebe
von Nanni - 10.12.2021
Inhalt: In einer Nacht- und Nebenaktion verlässt Daniela ihr rumänisches Dorf, ihren Sohn und ihre Tochter um in Italien als Altenpflegerin zu arbeiten. Sie verspricht sich, mit dem Geld, das man ihr dort bezahl, die Schulausbildung der beiden Kinder finanzieren und ihnen so ein besseres Leben ermöglichen zu können. Doch der Preis, den sie dafür zahlt, ist hoch, und die Entbehrungen schmerzhaft. Harte körperliche Arbeit und prekäre Verhältnisse zehren genauso an ihr, wie die zunehmende Entfremdung und die stillen Vorwürfe der Daheimgebliebenen. Und nicht nur Daniela kämpft. Während sie in weiter Ferne schuftet, entlädt sich zuhause ein jahrealter Konflikt in einer Katastrophe. Meine Meinung: Balzano beschreibt eindrucksvoll anhand eines Einzelschicksals die Geschichten so vieler osteuropäischer Gastarbeiter, die in reiche europäische Länder kommen und hier einen maßgeblichen Beitrag dazu leisten, das System aufrecht zu erhalten, ohne dafür jemals entsprechende Würdigung zu erfahren. Im Gegenteil: Frauen wie Daniela leiden unter katastrophalen Arbeitsbedingungen, Rassismus und Geringschätzung. Das, obwohl sie so viel aufgeben für den Traum von einem besseren Leben. Der Autor bringt diese Entbehrungen in einer dichten ruhigen Sprache auf den Punkt. Dabei zeichnet er seine Protagonisten als wunderbar ambivalente Figuren, mit guten und weniger guten Seiten. Daniela ist eine starke niemals unfehlbare Heldin, keine Heilige, eine Mutter, die sich selbst der Mutterrolle beraubt, die sich in ihren Träumen verläuft. Sie steht steilvertretend für so viele Frauen, die ihr Leben in die Hand nehmen, in der Hoffnung aus ihren begrenzten Möglichkeiten das Beste machen zu können. "Wenn ich wiederkomme" ist ein politischer Roman, der auf ein krankes System aufmerksam macht, das Frauen, Familien und ganze Länder ausblutet. Der Autor stellt nicht nur Danielas Schicksal dar, sondern auch das ihrer in Rumänien gebliebenen Kinder Manuel und Angelica, die unter der Abwesenheit ihrer Mutter leiden müssen. Die Frauen und Männer, die nach Italien oder Deutschland kommen, um hier zu arbeiten, fehlen in ihren Heimatländern nämlich an allen Ecken. "Wenn ich wiederkomme" ist also auch ein Roman, über das Schicksal nicht einer, sondern vieler Frauen, die innerhalb dieses Systems kaum gesehen und gehört werden. Nicht zuletzt handelt es sich aber um einen Roman über die Liebe, und darüber wie es ist, so arm zu sein, dass man sich diese nicht leisten kann. Fazit: Balzanos Roman ist ein absolutes Highlight für mich. Selten habe ich ein politisches Thema auf so vielen Ebenen so feinfühlig und eindrücklich umgesetzt gesehen. Das Nachwort des Autors bewegt und spricht für sich.
Zerreißprobe
von caro.booklover - 04.12.2021
Marco Balzano erzählt die Geschichte einer rumänischen Familie, deren Mutter Daniela sich entschließt, eine besser bezahlte Stelle im Ausland anzunehmen. Italien wartet mit Jobs in der häuslichen Pflege, allerdings leben die Frauen bei den pflegebedürftigen Menschen zu Hause und sind somit 24 Stunden verfügbar. Eine Situation, die häufig nicht lange zu ertragen ist. Daniela legt großen Wert auf Bildung und möchte ihren Kindern das Beste ermöglichen. Doch was passiert mit einer Familie, wenn die zentrale Figur fehlt? Wenn die Person, die die Fäden zusammengehalten hat, nicht mehr da ist? Der Roman wird aus drei verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder erzählt, wobei man jede Sichtweise sehr gut nachvollziehen kann, auch wenn sich dadurch teils konträre Empfindungen ergeben. So zum Beispiel die Meinung der Kinder zum Weggang der Mutter und wiederum deren Beweggründe für diese schwere Entscheidung. Dabei zeigt sich wie so häufig, dass mangelnde Kommunikation ein fragiles Gefüge zum Kippen bringt. Bis alles in Scherben vor einem liegt. Und dass man nicht an Dingen festhalten kann, die man vor langer Zeit losgelassen hat. Das alles beschreibt Marco Balzano in einer ganz wunderbaren, teils poetischen Sprache, die mir schon beim Vorgänger-Roman Ich bleibe hier sehr positiv aufgefallen ist. Fazit: Eine sehr lesenswerte Geschichte über eine Familie, die auf der Suche nach vermeintlicher Verbesserung an den Rand der Zerstörung gerät. Wundervolle Sprache!
Familiendrama aus drei Perspektiven
von Bücherhexle - 01.12.2021
Pflegenotstand scheint nicht nur ein deutsches Problem zu sein, auch andere europäische Länder haben damit zu kämpfen. Der norditalienische Autor Marco Balzano hat sich dieser brisanten Thematik angenommen, indem er das Schicksal rumänischer Frauen beleuchtet, die als Arbeitsmigrantinnen nach Italien gehen, um dort mitunter illegal in der häuslichen privaten Altenpflege tätig zu sein. Genau das ist das Schicksal der Protagonistin Daniela. In ihrer Heimat, einem kleinen Geisterdorf in Rumänien, fehlt ihr die Perspektive, ihr Mann hat seit Monaten keine Arbeit, trinkt gerne und kommt seinen Familienpflichten in keiner Weise nach. Eine Freundin hat ihr die Tätigkeit als Altenpflegerin in Mailand schmackhaft gemacht. Daniela möchte ihren Kindern etwas bieten können und ihnen den Aufstieg sichern, für den eine gute Schulbildung die Grundlage bildet. Gute Schulen kosten in Rumänien Geld. Daniela verlässt ihre Familie ohne Vorbereitung, ohne Erklärung, ohne Verabschiedung Im ersten Teil kommt ihr damals 12-jähriger Sohn Manuel zu Wort. Der Junge ist anfangs völlig erschüttert über die Abreise seiner Mutter. Nur langsam gewöhnt er sich an die veränderten Umstände. Zunächst übernimmt seine 20-jährige Schwester Angelica die Mutterrolle. Der Vater versagt erneut, indem er eine Arbeit als Fernfahrer annimmt und fortan nicht mehr bei seinen Kindern lebt. Als Angelica zum Studium das Dorf verlässt und Manuel einen weiteren Verlust verkraften muss, verliert dieser immer mehr den Halt. Er vermisst seine Mutter, fühlt sich einsam, kommt aus der seelischen Balance. All das findet in einem tragischen Ereignis einen Höhepunkt, der den ersten Teil des Romans beendet und Daniela zurück nach Rumänien führt. Im nächsten Teil schildert Daniela ihre Sichtweise, die naturgemäß von der Manuels abweicht. Unbestreitbar wird deutlich, dass Daniela nur das Beste für ihre Kinder will, ihr aber die Konsequenzen ihres Handelns nicht klar sind. Auch sie fühlt sich fremd in Italien, ihr Aufenthalt dort ist kein Zuckerschlecken. Die Arbeit ist hart, der Lohn gering, oft ist sie der Willkür der von ihr betreuten Senioren oder deren Angehörigen ausgeliefert. Als Leser bekommt man einen sehr guten Einblick in diese Verhältnisse. Daniela leidet unter dem Verlust ihrer Kinder, fühlt sich als Versagerin. Natürlich hat sie auch schöne Momente in der Fremde, diese sind aber nur von kurzer Dauer oder werden überlagert. Entgegen der anfänglichen Hoffnungen verlängert sich ihr Engagement in Italien Jahr um Jahr. Im dritten Teil berichtet Angelica, wie sie den Weggang der Mutter sowie die Entwicklung ihres Bruders erlebt hat. Diese letzte Perspektive rundet den Roman aus meiner Sicht wunderbar ab und liefert wichtige ergänzende Szenen. Das Thema ist hochaktuell. Frauen aus ärmeren Gegenden Europas verlassen ihre Familien, um betagte Senioren in wohlhabenderen Ländern zu pflegen und ihnen dadurch das Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Welche Auswirkungen hat das auf die Familien der Pflegenden, welchen Preis müssen sie zahlen? Der Roman zeigt Licht- und Schattenseiten dieser sozialen Entwicklungen auf, zeichnet ein glaubwürdiges Bild der Realität. Balzano beleuchtet insbesondere den Mikrokosmos Familie, indem er drei Stimmen getrennt voneinander auftreten lässt. Das schafft große Nähe und Intensität. Mir hat das gut gefallen. Das Buch macht neugierig, sich intensiver mit der Thematik der Arbeitsmigration zu beschäftigen, insbesondere dann, wenn man selbst die Verantwortung für pflegebedürftige Familienangehörige hat. Naturgemäß kennt man hierzulande nur die eine Seite der Medaille, macht sich wenig Gedanken darüber, wie die zumeist polnischen Hilfskräfte die Trennung von ihrer Familie empfinden. Der Autor lässt am Ende bewusst Fragen offen, die zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Bei all der geschilderten Dramatik kann es kein reines Happy End geben, Daniela kann die Uhr ja nicht zurückdrehen. Mit Wenn ich wiederkomme ist Balzano erneut ein sehr lesenswerter Roman gelungen, der sich spannend in einem Zug lesen lässt. Den unterschiedlichen Perspektiven wurden auch sprachlich differenzierte, aber insgesamt gut verständliche Stimmen gegeben, was deren Authentizität erhöht. Die Protagonisten sind glaubwürdig und komplex angelegt, man bekommt tiefe Einblicke in ihr Seelenleben und ihre Konflikte. Im Mittelteil sind meines Erachtens jedoch einige Nebencharaktere recht stereotyp geraten, was der Dramaturgie zu Gute kommen mag, mich aber gestört hat. Insgesamt hat mich der Roman nicht in dem Maße packen können wie sein Vorgänger Ich bleibe hier , der im letzten Jahr bei Diogenes erschienen ist. Dennoch empfehle ich auch Wenn ich wiederkomme sehr gerne allen Lesern, die sich gerne mit aktuellen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen. Von Marco Balzano kann man kaum enttäuscht sein; es ist erstaunlich, welch umfangreiche Themenpalette er fesselnd und gekonnt umsetzen kann.
Traurig aber wahr
von Alexander Bittner - 26.11.2021
Eine Mutter, die gezwungen wird, wegzugehen, um eine weit entfernte Pflegerin zu sein. Sie wurde nach Rumänien zurückgerufen, um ihrem halbwüchsigen Sohn nach einem Unfall beizustehen. Sie erzählt, was sie tun musste, um ihren Kindern eine Zukunft zu sichern. Ein Leben, in dem alte Menschen sterben, in der Illusion, bald nach Hause zu kommen, um alles dort wieder aufzunehmen, wo es aufgehört hat. Marco Balzano erzählt in seinem Roman realistisch von der Sicht derjenigen, die ihre Kinder als Waisen zurücklassen und sich im Ausland um die Eltern ihrer Kinder kümmern, die sie haben, sich aber nicht um sie kümmern können, und um die Kinder, die nicht mehr ganztags betreut werden können, weil sie Karriere machen müssen. In diesem unnatürlichen Schweigen zwischen Mutter und Kind sind die Wünsche, die Opfer, das Bedauern, die Schuldgefühle eines Lebens, das man sich anders wünscht, das man aber nicht ändern kann, denn es kommt eine Zeit, in der die einzige Möglichkeit bleibt, wegzugehen, auch wenn man es nur tut, damit man eines Tages wieder bei seinen Gefühlen sein kann. Rührend und sehr wahr. Ein Lebensstil, der so gesehen keiner ist.
Arbeitsmigration exemplarisch dargestellt
von Anonym - 24.11.2021
Das Thema Arbeitsmigration hat Marco Balzano schon in einem früheren Roman aufgegriffen. In seinem Buch " Das Leben wartet nicht" ging es um Kinder aus dem armen Süden Italiens, die Mitte des 20. Jahrhunderts ihre Heimat verlassen haben, um im reichen Norden Arbeit zu finden. In seinem neuesten Roman geht es nun um das Heer der Frauen aus Osteuropa , die als Pflegekräfte in den wohlhabenden europäischen Ländern arbeiten und dort deren Sozialsysteme vor dem Kollaps bewahren. Was das für die Frauen und deren Familien bedeutet, zeigt er uns hier exemplarisch. Daniela ist eine dieser Frauen. Sie lebt in einem kleinen Ort in Rumänien. Die Zeiten sind hart. Die Ceaucescu- Diktatur hat ein kaputtes Land hinterlassen. Ihr Mann hat seine Arbeit in der Fabrik verloren, ihr Arbeitgeber ist mittlerweile zahlungsunfähig. Da entschließt sich Daniela zur Flucht. Bei Nacht und Nebel reist sie nach Mailand , wo ihr eine Freundin einen Job als private Altenpflegerin besorgt hat. Zurück lässt sie ihren Mann und ihre beiden Kinder, den 12jährigen Manuel und die acht Jahre ältere Tochter Angelica. Der Schritt fällt ihr schwer, doch sie sieht keinen anderen Ausweg. Für ihre Kinder und deren Zukunft macht sie es; die sollen es einmal besser haben. Doch Manuel ist fassungslos. Er kann nicht verstehen, dass seine Mutter gegangen ist ohne ein Wort. Er verzeiht ihr das nicht und unterstellt ihr, dass sie sich in ein Italien ein schönes Leben machen will. Der Vater ist völlig überfordert mit der neuen Situation. Bald darauf verschwindet auch er, verdient nun sein Geld als LKW- Fahrer zwischen Polen und Russland. Angelica übernimmt die Mutterrolle für ihren jüngeren Bruder. Doch später zieht sie zum Studium in die Stadt. Manuel wechselt, dank des Geldes, das Daniela schickt, auf ein privates Gymnasium. Aber hier fühlt sich der Junge überhaupt nicht wohl. Ständig bekommt er zu spüren, dass er nicht dazugehört. Als bald darauf auch noch der Großvater stirbt, der einzige Vertraute des Heranwachsenden, verliert Manuel jeglichen Halt und er begeht eine folgenschwere Dummheit. Diesen ersten Teil der Geschichte erfährt der Leser aus der Sicht Manuels. Nun, im zweiten und umfangreichsten Abschnitt des Romans, wechselt die Perspektive. Hier ist es die Mutter, die zu Wort kommt. Sie sitzt am Bett ihres im Koma liegenden Sohnes und erzählt ihm von ihrem Leben in Italien. Am Anfang ist sie völlig überfordert mit der neuen Aufgabe. Rund um die Uhr alte Menschen betreuen und pflegen, ist ein harter Job. Noch dazu, wenn man dafür überhaupt nicht ausgebildet wurde. Sie erzählt von der Ausbeutung als illegale Arbeitskraft, von Rassismus und Einsamkeit. Vier Jahre wird Daniela in Italien bleiben, arbeitet als Altenpflegerin oder als Kindermädchen. Dabei verlässt sie nie die Sehnsucht nach daheim, nach ihren Kindern. Doch sie spürt, dass sie nach und nach die Verbindung zu ihnen verliert. Die Telefongespräche werden immer kürzer und nichtssagender. Bei ihren seltenen Besuchen bringt sie Sohn und Tochter neue Handys und schicke Markenklamotten mit, aber Einfluss hat sie keinen mehr auf sie. Im dritten Teil sehen wir Danielas Fortgehen noch aus der Perspektive der älteren Tochter. Sie kommt emotional mit dem Verlust der Mutter besser zurecht, da sie schon ein eigenständiges Leben führt und auch eine stärkere Bindung zum Vater hat. Was sie überfordert ist die Erzieherrolle bei ihrem Bruder. Doch für Angelica scheint sich Danielas Einsatz gelohnt zu haben. Sie hat ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Dass sich der Autor für drei Perspektiven entschieden hat, gibt ihm die Möglichkeit, die Problematik von allen Seiten zu beleuchten. Mit Daniela richtet er seinen Fokus auf das Schicksal dieser Frauen, die auch bei uns eine wichtige Funktion erfüllen. Unsere zunehmend alternde Gesellschaft stellt uns vor große Probleme. Wer kümmert sich um die Alten und Pflegebedürftigen? Die mittlere Generation kann selten dieser Aufgabe vollumfänglich nachkommen, Plätze in Seniorenheimen sind knapp. Auch möchten viele Ältere ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen. Da bietet sich die Hilfe in Form polnischer ( bei uns ) oder rumänischer ( in Italien) Frauen an. Dass sich bei diesen Frauen oftmals ein Burnout diagnostizieren lässt, verweist auf die hohe Belastung psychischer und physischer Art . Als " Italienkrankheit" wird diese Diagnose bezeichnet, wie Marco Balzano in seinem Nachwort schreibt. Es ist nicht nur die Arbeitsbelastung, was die Frauen seelisch krank werden lässt, sondern auch die Sehnsucht nach den Kindern und Schuldgefühle ihnen gegenüber. Das beschreibt der Autor anschaulich an Daniela, die einerseits bei ihrem kranken Sohn um Verständnis bittet, gleichzeitig aber ihm verständlich machen will, dass sie keine andere Wahl hatte. Doch was diese Situation bei den zurückgelassenen Kindern anrichtet, sieht der Leser an Manuel. Dabei hatte dieser noch Glück. Es gab eine Schwester und Großeltern, die sich kümmern konnten. Manche dieser zurückgelassenen Kinder kommen in Heime oder bleiben sich selbst überlassen. Abgerundet wird die Geschichte durch die Perspektive der älteren Tochter. Marco Balzano hat seine Figuren komplex angelegt. Man hat Verständnis für ihre Situation, aber nicht immer für ihr Verhalten. Geschildert wird dies in einer einfachen schlichten Sprache, passend zur jeweiligen Erzählstimme. Trotz des nüchternen Tons berührt einem das Gelesene. Ebenfalls angesprochen wird, was die Migration für die Region bedeutet. Ganze Ortschaften sterben aus; zurück bleiben oftmals nur die Kinder und die Alten. Perspektivlosigkeit wird mit Alkohol bekämpft. Auch schafft es eine Zwei- Klassengesellschaft. Dort, wo Vater oder Mutter im Ausland arbeiten, hat die Familie mehr Geld und kann sich schmücken mit Konsumartikeln. Marco Balzano hat für seinen neuen Roman wieder viel recherchiert, mit Betroffenen geredet. So packt er sehr viel Stoff in seine Geschichte, das geht nicht immer ohne Klischees . Doch er ist ein Autor, der mit jedem seiner Bücher ein Anliegen hat. Hier will er auf ein Schicksal aufmerksam machen, wie es das zu Tausenden gibt. Er löst damit Nachdenklichkeit und Betroffenheit aus. Ein wichtiges Buch, das sich zu lesen lohnt, auch wenn es nicht an die literarische Qualität seines letzten Romans heranreicht.
Was von der Familie übrigbleibt
von holdesschaf - 20.11.2021
Weil die Eltern arbeitslos sind und die Familie in Rumänien kaum genug zum Leben hat, verlässt Mutter Daniela eines Nachts ohne Abschied ihre Kinder und ihr Heimatdorf, um in Italien als Pflegekraft in einem Privathaushalt zu arbeiten. Das Geld, das sie sich schwer verdient, schickt sie nach Hause, damit Tochter Angelica studieren und Sohn Manuel in eine gute Schule gehen kann. Als auch der Vater im Ausland eine Arbeit findet, bleiben die beiden allein mit den Großeltern und jede Menge Verantwortung zurück. Das Verlassenwerden durch die Mutter lastet schwer, vor allem auf Manuel und die Kluft zwischen den Familienmitglieder wird immer größer. Dann passiert ein Unfall und Daniela muss entscheiden: Bleiben oder wiederkommen? Das Thema dieses Romans ist ein hochaktuelles und wichtiges. Auch in Deutschland bedienen wir uns ausländischer Arbeitskräfte, die unsere Alten und Kranken pflegen, weil es hierzulande nicht genügend Personal gibt. Zu selten machen wir uns Gedanken darüber, was mit den Familien, vor allem den Kindern der Mütter passiert, die wir beschäftigen. Wie kommen sie ohne Mutter zurecht? Macht das Geld, das die Mütter schicken ihre Abwesenheit weniger schlimm? Was möchten die Kinder? Mit all diesen Fragen und Gedanken spielt der Autor in seinem Roman und konstruiert ein Einzelschicksal, dass uns aufmerksam macht auf die Probleme, die durch die reicheren Länder in den Familien der ärmeren entstehen. Mit drei Erzählstimmen, Sohn, Mutter und Tochter, lässt er uns in die Köpfe der Betroffenen schauen. Es gelingt ihm gut, den Schreibstil an die jeweilige Person anzupassen, so dass man sich besser in sie hineinversetzen kann. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und ich finde sie auch sehr fesselnd. Was mir allerdings gefehlt hat, sind Emotionen, die mich tief im Innersten berühren, so dass mich das Schicksal trifft, ich länger darüber nachdenke und mich verantwortlich fühle oder den unbändigen Willen verspüre, etwas zu verändern. Dennoch waren vor allem die Eindrücke, die uns Daniela zur Arbeit mit alten, verwirrten und senilen Menschen vermittelt hat, wichtig, um zu zeigen, was all jene täglich leisten, die die Pflege übernehmen, weil sie häufig nur zu gerne übersehen werden. 4 Sterne
Vom Gehen und Bleiben
von Elke - 20.11.2021
In Deutschland sind Stand 2019 ca. 300.000 osteuropäische Pflegekräfte in Privathaushalten im Einsatz und betreuen dort, oft rund um die Uhr, pflegebedürftige Senioren. Eine Zahl, die wahrscheinlich in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird, da sich viele Familien die kostspielige Unterbringung von Oma oder Opa in einem Pflegeheim nicht leisten können. Ein Problem, das sich quer durch Europa zieht. Während es in Deutschland meist polnische Frauen sind, die diese Arbeit erledigen, kommt in Italien die Mehrzahl der Pflegerinnen aus Rumänien, ein Fakt, den der Mailänder Autor Marco Balzano seinem neuen Roman "Wenn ich wiederkomme" zugrunde gelegt hat. Was macht es mit einem Menschen, wenn er die Heimat verlassen muss? Und was macht es mit denen, die zurückbleiben? Das sind offenbar die elementaren Fragen, die Balzano umtreiben. War es in "Ich bleibe hier" noch die Zwangsevakuierung, der sich die Protagonistin widersetzt, so steht nun Daniela, eine rumänische Ehefrau und Mutter vor dieser Entscheidung. Soll sie bleiben und ihre Familie weiter von der Hand in den Mund leben, oder wird sie in die Fremde gehen, um ihren Kindern eine finanziell gesicherte Zukunft und somit auch eine ordentliche Ausbildung bieten zu können? Sie entscheidet sich für letzteres, nicht ahnend, welche Konsequenzen es für sie und ihre Familie nach sich ziehen wird. Von dem Vater ist keine Hilfe zu erwarten er ist kaum präsent, unzuverlässig. Fels in der Brandung ist Großvater Mihal, der sich rührend um Enkel und Enkelin kümmert. Er ist nach dem Weggang der Mutter die einzige Konstante, versucht den Kindern Stabilität zu geben, sorgt sich um sie. Doch dann stirbt er, und sein Verlust hat weitreichende Konsequenzen für die Zurückgebliebenen. Es ist eine eindrücklich geschilderte Familiengeschichte, an der uns der Autor aus den verschiedenen Perspektiven (Mutter, Tochter, Sohn) teilhaben lässt. Eine Geschichte, die mit Sicherheit so immer wieder in den Familien der Arbeitsmigranten vorkommt und auch zukünftig vorkommen wird, vor allem dann, wenn man sich die Zahl vergegenwärtigt, die 2020 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde. Man geht von knapp 500.000 Pflegebedürftigen aus, die in Privathaushalten leben. Und mit zunehmender Überalterung der Gesellschaft wird diese Zahl weiter ansteigen. Eine Tatsache, die keine Pflegeversicherung auffangen kann, aber offenbar der Politik kein Kopfzerbrechen verursacht.
Macht nachdenklich
von Sbs - 19.11.2021
Ein gutes Leben für die eigenen Kinder, das wünschen sich alle Eltern. Manche bringen dafür sehr große Opfer - nur lohnt sich das? Die Rumänin Daniela ist vom einen auf den anderen Tag verschwunden. Hinterlassen hat sie ihrem pubertierenden Sohn, der etwas älteren Tochter und dem Mann einen Brief. Sie wird nun in Italien, genauer Mailand als Pflegekraft arbeiten und Geld nach Hause schicken, um den Kindern ein bestmögliche Ausbildung zu finanzieren. Was macht das mit einer Familie? Ob in der Stadt oder auf dem Land, wer kennt nicht mindestens eine osteuropäische Pflegerin, die in dem Haushalt eines alten und/oder kranken Menschens wohnt und diesen pflegt? Es ist heute fast schon normal und die wenigsten werden sich fragen, was die Abwesenheit der Mutter, Ehefrau, etc., die nun in einem wohlhabenden Land als Pflegerin arbeitet, für die jeweilige Familie bedeutet. Dass es für die Frau ein massiver Einschnitt ist oder zumindest sein kann, dass wird ja häufig vor Ort sichtbar - zumindest, wenn man nicht die Augen vor ihren Problemen verschließt. Genau in den Fokus genommen hat der Autor dieses Phänomen mit seiner fiktiven Geschichte, die jedoch auf Schilderungen von Frauen und Familien basiert, die genau das erlebt haben - die Zerreißung der Familie, der Einsturz eines Fundamentes, welches doch mit allen Mitteln erhalten bleiben und mit Geld noch optimiert werden sollte. Dieses Buch hat mich sehr berührt und extrem nachdenklich gemacht. Die Thematik ist sehr aktuell und brisant, ich kann mir aber auch nicht vorstellen, wie es ohne dieses System funktionieren sollte. Ja, es erfordert viele Opfer, aber was, wenn die Frauen nicht die Möglichkeit haben in der häuslichen Pflege in Deutschland, Italien oder so unterzukommen? Geld benötigen sie auch so und was dann? Dass der Pflegenotstand sich in D und Co durch beispielsweise ein Verbot diese Arbeiterinnen zu engagieren noch verschärfen würde, ist logisch - eine schwierige Geschichte und ich bin froh dieses Buch gelesen zu haben, denn auch wenn es fiktiv ist, so basiert es auf Tatsachen und vor diesen sollten wir die Augen auf keinen Fall verschließen. Davon abgesehen, stellt sich auch die Frage: Was ist wirklich wichtig im Leben? Die perfekte Ausbildung? Geld? Der Schreibstil ist rund, die gewählten Erzählperspektiven sehr gut gewählt, um ein ehrliches, offenes Bild von der Familie zu erhalten. Emotionale Ungleichgewichte werden sehr deutlich, aber beispielsweise auch die Probleme, die die fehlende Mutter in der Familie verursachen kann. Die Charaktere als solche sind nicht so richtig greifbar, aber das finde ich hier weniger schlimm - im Gegenteil, ich habe so noch ein bisschen mehr das Gefühl, dass jede Familie den Platz der drei Erzähler einnehmen könnte, auch die Frau, die nur wenige Häuser weiter ihre Arbeit tut
Ein Leben in der Fremde
von maike_march - 18.11.2021
Daniela lebt mit ihrem Ehemann und ihren zwei Kindern, Manuel und Angelica, in einem kleinen Ort in Rumnänien. Sie ist arbeitslos und das Geld reicht vorne und hinten nicht. Um ihren Kindern die Chance auf ein besseres Leben und eine gute Ausbildung zu ermöglichen, macht Daniela sich in einer Nacht und Nebel Aktion auf nach Italien. In Mailand findet sie eine Anstellung als Altenpflegerin, das verdiente Geld schickt sie nach Hause. Sie arbeitet körperlich schwer und Gerät auch emotional an ihre Grenzen. Immer wieder denkt sie an das Ziel nach Hause zurück zu kehren, doch sie weiß, dass viele andere Frauen vor ihr das nicht geschafft haben. Danielas Schicksal steht stellvertretend für viele hunderte oder gar tausende Frauen aus Osteuropa, die ihr Land verlassen um als Kranken-oder Altenpflegerin in Süd-und Westeuropa zu arbeiten. Teilweise tun sie dies schwarz, teilweise auf legalem Wege über einen Vertrag oder eine seriöse Agentur. Beleuchtet wird in diesem emotionalen Roman nicht nur der Weg der Mutter, sondern auch der der Kinder die zurück gelassen wurden. Wie ergeht es ihnen, wenn die Mutter fehlt? Kann das Opfer der Mutter ihnen wirklich ein besseres Leben bescheren? Und was ist ein besseres Leben? Mit diesen und noch mehr Fragen setzt Marco Bolzano sich in diesem ergreifenden Roman auseinander. Ich persönlich konnte viele Parallelen zwischen Daniela und einer Frau aus Polen entdecken, die sehr liebevoll eine Nachbarin von mir pflegte bis diese verstarb. Es zeigt mir auf, wie realitätsnah dieser Roman ist. Die Frauen verlassen ihre Familie mit den besten Absichten und voller Hoffnung und doch gibt es letztendlich nur harte Arbeit und kein Glück oder im schlimmsten Fall eine Familie die es auseinander gerissen hat. Daher gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Sicherlich ist es kein einfaches, aber es ist ein sehr wichtiges Thema über das man sich mehr bewusst sein sollte.
Kann man die Zukunft der eigenen Kinder mit Geld kaufen?
von Rose75 - 17.11.2021
Damit ihre eigenen Kinder eine bessere Zukunft haben, verlässt Daniela, ohne Absprache, mitten in der Nacht, ihre Familie und fährt nach Italien um dort Geld als Pflegekraft zu verdienen. Ihre Kinder, Angelica und Manuel, kommen nur schwer mit der Situation zurecht. Manuel wird verhaltensauffällig, kommt in der Schule nicht mehr mit und kommt bei einem Unfall schwer zu schaden. Daniela kommt nach Hause und während sie am Bett ihres Sohnes sitzt, erzählt sie ihm von ihren Erlebnissen in Italien. Das war für mich der interessanteste Teil, weil ich in meinem Bekanntenkreis auch zwei Familien habe, denen rumänische Frauen bei der Pflege und Betreuung ihrer Angehörigen geholfen haben. In diesen Fällen waren es reifere Frauen. Mir war nicht bewusst, dass viele junge Mütter, aus finanzieller Not, ihre Familien verlassen um als Arbeitsmigranten im Westen zu arbeiten und es in Rumänien Einrichtungen für Eurowaisen und Home Alone Children gibt. Das hat mich sehr betroffen gemacht. Die Frauen, die wieder nach Hause kommen, sind oft ausgebrannt und emotional schwer belastet. Anscheinend gibt es für diesen Zustand schon einen Begriff Italienkrankheit . Die Geschichte selber ist in drei Teilen erzählt. Im ersten Teil vom Sohn, dann von der Mutter und am Schluss erzählt die Tochter von den Ereignissen in der Familie. Mich hat die Geschichte sehr berührt und ich bedanke mich beim Autor, dass er dieses Thema ins Licht rückt.
Die Italienkrankheit
von mari_liest - 13.11.2021
"ITALIENKRANKHEIT steht da. Ich checke das Wort im Internet: Damit bezeichnen Psychiater eine spezielle Form von Depression, die jene befällt, die jahrelang fern von zu Hause und den Kindern leben, um anderswo Alte, Bedürftige und Kranke zu versorgen". (S. 155) In einer Nacht-und-Nebelaktion verlässt Daniela ihre geliebte Familie in Rumänien und sucht in Mailand ihr berufliches Glück, um ihre Familie über Wasser zu halten. Sie pflegte dort ältere Menschen und verdient auch gutes Geld. Doch die Arbeit ist hart und zehrt an ihrer Psyche und ihren Kräften. Ihr Mann Filip ist seit langem arbeitslos, die Tochter Angelica möchte studieren, der Sohn Manuel geht noch zur Schule, die Großeltern werden auch nicht jünger, kümmern sich jedoch sehr gut um die Kinder. Während dieser herausfordernden Zeit verlässt auch der Vater eines Tages die Familie und lässt die Kinder zurück. Und als weiteren Schicksalsschlag muss die Familie den Tod des Großvaters ertragen, der eine sehr enge Bindung zu Manuel hatte. Das gute Verhältnis von Daniela zu ihren Kindern wird schleichend schlechter und als Manuel eines Tages einen Unfall hat und im Koma liegt, bleibt Daniela nichts anderes mehr übrig, als ihre Zelte in Mailand abzubrechen und den Weg in die Heimat einzuschlagen. So kehrt sie zurück in die triste, alte Gewohnheit mit der "Italienkrankheit" im Gepäck. Aus drei Perspektiven bekommen wir die Story präsentiert (Daniela, Manuel und Angelica) und was wir hier lesen ist eindrücklich und schlichtweg haarsträubend, ist es doch nicht nur eine fiktive Geschichte, sondern pure Realität, die in eine Geschichte verwoben wurde. Daniela wünscht sich nichts sehnlicher, als dass es ihren Kindern finanziell gut geht und sie ihre Ausbildungen abschließen. Doch ihre Absenz hat ihren Preis. Dies ist ein sehr feinfühliges, empathisches Buch und doch birgt es auch tragische Situationen in sich. Balzano schildert die Situation ungeschminkt, klar, nüchtern und doch auch leise. Und ich denke, dass allen Leser*innen klar ist, dass diese Situation nach wie vor Bestand hat. Nicht nur in Italien wurden und werden die Pflegekräfte unter harten Bedingungen und meist nicht adäquat abgegolten bzw. oft mit weniger als dem Mindestlohn abgespeist; an den Grenzen ihrer Kräfte arbeiten sie bis zur bitteren Erschöpfung. Entfremdung, Aufopferung, Ängste. Ein Bild, das sich auch in Österreich und Deutschland seit Jahren findet. Ein Klatschen der Politik über den Einsatz der Pflege, als politisches Instrument um sich persönlich auf die Schulter zu klopfen, um im Umkehrschluss, nach Ende der Wahlen, die Betroffenen, ausgebrannten, überarbeiteten, psychische fertig-gefahrenen Menschen in der Pflege wieder dumm sterben zu lassen. Hier haben wir eine Situation, in der nicht nur Betroffenen leiden, sondern auch die Patient*innen und Familien. Danke Marco Balzano für dieses tolle Buch!! Es war mir wieder eine Ehre! Eindringliche Leseempfehlung und 5/5 Sternen! Und dann empfehle ich gleich auch nochmal sein anderes Buch "Ich bleibe hier" :-)
Fast schon ein Essay!
von MB - 13.11.2021
Marco Balzano konfrontiert uns in seinem neuen Roman mit einem Teil der Wirklichkeit, den wir sehr gerne ausblenden: In den wirtschaftlich erfolgreichen, westlichen Industriestaaten schaffen Familien, in denen beide Partner für den Erfolg arbeiten, es nicht mehr, die Betreuung ihrer eigenen Kinder und die Versorgung der pflegebedürftig gewordenen Eltern zu übernehmen. Hierfür greifen wir - fast schon in einer Form modernen Sklaventums - auf Arbeitsmigrantinnen aus dem östlichen Europa und auch aus anderen Kontinenten zurück. Diese Geschichte erzählt Marco Balzano am Beispiel der zweifachen rumänischem Mutter Daniele, die in einer Nacht- und Nebelaktion ihre Heimat verlässt, um sich in Italien als Kindermädchen und Altenpflegerin zu verdingen und der zurückgelassenen Familie die so wichtige finanzielle Unterstützung zu geben. Als dann ihr Sohn Manuel nach einem Mopedunfall (Suizidversuch?) ins Koma fällt, verschärft sich für Daniela der Konflikt, weil sie weiß, dass sie auf den Vater der Kinder nicht zählen kann. Die Stärke des Romans ist, dass er ganz nahe an der Alltagswirklichkeit der Arbeitsemigrantinnen inszeniert ist und auf Psychologisierungen weitgehend verzichtet. Eher eine etwas nüchterne, als eine stark emotional aufgeladene Geschichte - fast schon ein Essay. Leseempfehlung!
Wenn ich fort bin, wird alles besser
von Reading.out.loud - 13.11.2021
Als ich die ersten Zeilen von Marco Balzanos Familiendrama Wenn ich wiederkomme gelesen habe, kamen meine Gedanken bereits ins Stocken. Du hättest eigentlich gar nicht geboren werden dürfen . Der Satz, den eine Mutter vielleicht manchmal denkt, zu schwierigen Zeiten, wenn das ganze Alltagsgerüst über einem zusammenbricht und man am liebsten den Tag unter eine Decke verkrochen verbringen will. Dieser Satz ausgesprochen jedoch, in das Gesicht eben jener Kinder, der ist unwiderruflich und so mächtig in seinen Folgen, wie der Schmetterlingsflügelschlag, der einen Orkan auslöst. Unabsehbare Konsequenzen der Macht unserer Worte, die wir in Momenten, in denen wir nicht bei uns selbst sind, hinaus in die Welt schicken und nicht mehr einzufangen vermögen. Daniela lebt in einer rumänischen Stadt am Existenzminimum zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern. Wie viele träumt sie von einem besseren Leben für ihre Kinder und schlussendlich auch sich selbst, also sucht sie das Glück in Mailand. Die Arbeit ist beschwerlich und sie vermisst ihr Leben und vor allem ihre Kinder. Als ihr Sohn einen schwerwiegenden Unfall erleidet, sieht sie sich gezwungen, der Wahrheit ins Auge zu blicken, denn Glück bedeutet nicht nur ein gewisser Wohlstand, sondern Glück bedeutet auch Zeit. Der Stil ist nahezu erschreckend leicht, was in Kontrast zur schweren Thematik steht. Das erzeugt jedoch eine gewisse objektive Gleichgültigkeit auf die subjektive Sicht auf die Dinge, die dem Leser aus allen Perspektiven entgegenschallt. Egal, wie intensiv die Gedanken sind, der Leser kratzt durch die Wechsel immer nur an der Oberfläche und so fühlte ich mich über weite Strecken versunken im Sumpf der ungehörten Gedanken und verborgenen Emotionen. Vor allem die Wechsel der Protagonisten hat mir sehr gut gefallen, dabei bleibt die Erzählsicht spannend und fesselnd. Viele wunderbare Metaphern und visuelle Momente erzeugen nahezu einen Klang in meinem Kopf, wie eine Sinfonie der Sinnlosigkeit der Situation. Die Protagonisten sind dabei gut skizziert, nicht zu komplex dargestellt und bleiben doch mysteriös. Es fühlt sich an wie eine Begegnung auf der Straße, die auf einen Kaffee reicht, einige Gespräche und die dich dann auf unbestimmte Zeit in die Nacht entlässt. Eine Empfehlung für alle, die vielschichtige Romane schätzen, die mehr über die Italienkrankheit erfahren möchten und die viel aus einer Geschichte mitnehmen können, die dich mit Fragezeichen im Kopf in den Alltag entlässt.
Zerfall
von Kaffeeelse - 12.11.2021
Marco Balzano hat sich hier an ein schwieriges Thema gewagt. Die weibliche Migration aus wirtschaftlich schwächeren Staaten in die westliche Welt. Gerade soziale Berufe/soziale Berufszweige haben viele unbesetzte Stellen. Unterbezahlte Stellen, die der landeseigenen Bevölkerung nicht zum Lebenssicherung reichen, aber für Frauen und Mädchen aus wirtschaftlich schwächeren Staaten durchaus interessant und reizvoll erscheinen. Zumindest erst einmal. Hier in diesem Buch sind es die Rumänen in Italien, aber diese stehen nur exemplarisch für diese moderne Sklaverei, denn es strömen aus den verschiedensten Ländern Frauen in die westliche Welt. Daniela verlässt wegen der chronischen Geldnot ihre rumänische Familie, bestehend aus ihrem Mann Filip und ihrer Tochter Angelica und ihrem Sohn Manuel und geht nach Italien, um dort Italiener zu pflegen und zu behüten. Doch dieses Ausreisen, dieses Wegfallen hat psychische und soziale Folgen für alle Familienangehörigen, denn alle verändern sich, finden andere Wege, müssen sie finden, driften auseinander. Ein Unfall führt wieder zusammen. Doch passiert dies wirklich? Missverständnisse weiten sich aus, werden unüberbrückbar. Marco Balzano schildert diese Folgen empathisch und treffend und auch berührend in seinem Buch Wenn ich wiederkomme in drei Teilen, drei Mitglieder der Familie kommen in diesen Teilen/in diesen Zeilen zu Wort, unterschiedlich in Klang und Sicht und leider manchmal auch etwas überzeichnet. Dabei erschafft er Figuren, die keine Schwarz-Weiß-Zeichnung aufweisen, sie sind nicht Gut oder Böse, sie sind beides. Man versteht sie, man versteht sie nicht, man hat sie gern und man verachtet sie. Ein richtig gelungener Blick, aber auch ein manchmal etwas verwirrender Blick! Ein Blick, der nicht immer gefällt, der aber recht real rüberkommt, authentisch ist.
Folgen der modernen Sklaverei
von Xirxe - 12.11.2021
Auf der ganzen Welt verlassen Frauen ihre Familien um Geld zu verdienen, damit ihre Kinder eine bessere Zukunft haben sollen. Doch um welchen Preis? Von einer dieser Frauen und ihrer Familie handelt Marco Bolzanos neues Buch, und es macht deutlich, welche Bürde auf solchen Familien lastet. Daniela aus einem kleinen Dorf in Rumänien verschwindet ohne jemandem Bescheid zu sagen buchstäblich bei Nacht und Nebel nach Italien, um sich dort wie viele ihrer Landsfrauen eine Arbeit als Pflegerin zu suchen, damit sie ihren Kindern ein Studium finanzieren kann. Nur einen Brief hinterlässt sie für den zwölfjährigen Manuel und die 20jährige Angelica und so versuchen sie sowie ihr Vater und die Großeltern, ihr Leben so gut wie möglich weiterzuleben. Erzählt wird aus den Perspektiven Danielas sowie der Kinder, und so unterschiedlich diese auch sein mögen, ist schnell klar, dass alle sehr unter der Situation zu leiden haben. Als der mittlerweile 16jährige Manuel einen schrecklichen Unfall erleidet, ist Daniela sofort an seiner Seite, voller Schuldgefühle und schlechtem Gewissen, das durch die Distanz zu ihrer nunmehr 24jährigen Tochter noch verstärkt wird. Marco Bolzano macht mit den unterschiedlichen Sichtweisen deutlich, welche Probleme durch die Entscheidung Danielas entstanden sind und was diese Arbeit in der Ferne für Alle bedeutet. Manuel, mit 12 Jahren noch ein Kind, fehlt die ihn unterstützende und liebende Mutter am meisten; als sein Großvater stirbt, der einzig verbliebene Vertraute, bricht ihm sein letzter Halt weg. Daniela hingegen, die in der Fremde in einer Art modernem Sklaventum lebt und daran fast zugrunde geht, erwartet dafür zumindest in gewisser Weise eine Form der Dankbarkeit, die ihr jedoch verwehrt wird. Zu stark ist das Gefühl der Kinder, verraten worden zu sein; zu groß der Abstand geworden in den Zeiten zwischen ihren jährlichen Besuchen; zu erdrückend das Schweigen über die Dinge, die gesagt werden müssten. Und Angelica findet sich mit 20 Jahren ungefragt in der Rolle einer Erziehungsberechtigten wieder, in der sie sich nicht sieht, die sie aber dennoch versucht auszufüllen; einer Rolle, der sich der Vater verweigert und stattdessen davor flüchtet. Es ist ein belastendes weil realistisches Szenario, das hier dargestellt wird; insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass dieser Exodus von Frauen, die ihre Familien hinter sich lassen, um ihnen eine bessere Zukunft zu bieten, noch immer alltäglich ist und vermutlich so bald kein Ende finden wird. Nicht nur in Italien - überall auf der Welt, auch bei uns.
Verschiedene Blickwinkel
von Julia Lindner - 11.11.2021
Marco Balzano schafft es irgendwie immer wieder, Themen aufzugreifen, über die ich mir bisher noch überhaupt keine Gedanken gemacht habe; sei es, weil ich keine Berührungspunkte damit hatte oder weil ich sie verdrängt habe. Die Geschichte der Pflegekräfte aus dem Osten, die ins Ausland auswandern um mit der Knochenarbeit, die bei uns niemand übernehmen möchte, ihre Familien zuhause versorgen, ist ein solches Thema. Daniela lässt eines Nachts ihre Familie und ihre rumänische Heimat hinter sich, um in Italien als Pflegerin Geld zu verdienen und damit ihre Lieben daheim zu ernähren. Was diese Entscheidung sowohl für sie als Zurücklassende als auch für ihren Sohn und ihre Tochter als Zurückgelassene bedeutet, beleuchtet der Roman in drei Teilen. Durch die wechselnde Perspektive wird die Erzählung besonders eindrücklich. Man erhält Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt aller Beteiligten, entwickelt sowohl Verständnis für Manuels jugendlichen Trotz als auch für die Hilfslosigkeit und Verlorenheit Danielas, die sich in der neuen Stadt mit schwierigen Patienten und Verständnisbarrieren auseinandersetzen muss und dafür Verständnis und Anerkennung von der Familie erhofft, die ihr verwehrt bleibt. Die Figuren bleiben für mich, obwohl die Einblicke teilweise sehr tiefgreifend sind, etwas unnahbar. Manchmal fehlen mir ein wenig die Emotionen. Und doch schafft es das Buch, eine gewisse Verbindung aufzubauen. Das Verständnis, das Daniela bei ihren Kindern sucht, findet sie zumindest bei mir. Fazit: Ein interessantes und wichtiges Thema, aus allen Blickwinkeln betrachtet.
Was hält eine Familie aus?
von Christian1977 - 11.11.2021
Daniela lebt in der rumänischen Provinz mit ihren Kindern Manuel und Angelica ein bescheidenes Leben. Als sie ihren Job verliert und auch ihr nahezu unsichtbarer Ehemann finanziell nichts beiträgt, entscheidet sie sich, nach Italien zu gehen, um dort als Altenpflegerin zu arbeiten - ohne ihre Familie darüber vorher zu informieren. Wie geht es den verlassenen Kindern nach Danielas Weggang? Was bedeutet das neue Leben für die Mutter selbst? Darüber schreibt Marco Balzano in seinem berührenden Familienroman Wenn ich wiederkomme . Die Besonderheit dieses Romans ist nicht die Dreistimmigkeit, die Balzano gewählt hat, um Manuel, Daniela und Angelica Gehör zu verschaffen. Die Wahl unterschiedlicher Perspektiven ist heutzutage ja fast schon gängige Praxis, auch wenn es Balzano ungewöhnlich gut gelingt, diese Stimmen auch tatsächlich unterschiedlich klingen zu lassen. Seine Kunst ist eindeutig die Figurenkonstruktion und der Umgang mit diesen. Daniela, Manuel und Angelica sind Figuren, die es den Leser:innen nicht leicht machen. Verbohrt, fast schon verbissen, beharren sie auf ihren Perspektiven, gestehen sich selten Fehler ein, obwohl sie zahlreiche begehen und verurteilen die jeweils anderen für ihr Verhalten. Und dennoch gelingt es Marco Balzano fast spielend leicht, dass man mit den Dreien fühlt, sich in sie hineinversetzen kann und ihnen nahezu alles verzeiht. Dafür sorgt nicht nur der einnehmende Schreibstil, sondern auch das Verständnis selbst, das Balzano seinen Charakteren empathisch entgegenbringt. Das Buch liest sich schnell, verzichtet nahezu vollständig auf literarische Spielereien, setzt auf viele Dialoge und weiß dennoch zu überzeugen. Am besten hat mir dabei der Mittelteil aus Danielas Perspektive gefallen. Hier nähert man sich der Figur schrittweise an, nach und nach erkennt auch sie selbst ihre Fehler. Balzano wechselt dazu manchmal in die ungewohnte Du -Perspektive, mit der sich Daniela direkt an ihren Sohn richtet und erzeugt eine noch höhere Identifikation bei den Leser:innen, die sich dadurch auch selbst angesprochen fühlen. Ein weiteres Plus des Romans ist das Anliegen Balzanos, den osteuropäischen Frauen eine Stimme zu geben, die ihre Heimat und die eigene Familie verlassen, um sich um Fremde zu kümmern. Auch dies gelingt ihm sehr gut, denn Wenn ich wiederkomme berührt nicht nur, sondern regt auch zum Nachdenken und zum Diskutieren an. Nicht ganz umschifft er dabei sämtliche Klischeeklippen: der demenzkranke Mann, der mal voller Wut auf Daniela reagiert, mit dem sie aber auch durchaus warme und zärtliche Momente verbringt; die vernachlässigten Anwaltskinder, die Daniela allein durch ihre geschenkte Aufmerksamkeit auf den richtigen Weg bringt; der gutaussehende Arzt, mit dem sie eine Affäre eingeht - hier passiert wenig Überraschendes, und man könnte ein wenig genervt sein, wenn man nicht schon lange diese warmen Gefühle für die Figuren hegte. Gerade durch den letzten Perspektivwechsel hin zu Angelica nimmt Balzano dem Roman zudem ein wenig Intensität. Tatsächlich fühlte ich mich Daniela und Manuel mittlerweile nämlich so nahe, dass ich lieber erfahren hätte, wie es mit ihnen weitergeht, als eine dritte Perspektive kennenzulernen, die zudem nicht viel Neues zur Romanhandlung beitragen konnte. Kleinere Kritikpunkte eines aber ansonsten überzeugenden Romans. Ich war nicht fähig, die Sehnsucht hinter deiner Wut zu begreifen. Weißt du was? Bevor ich wegfuhr, wusste ich gar nicht, was das ist: Sehnsucht , erklärt Daniela ihrem Sohn in der wohl bewegendsten Stelle des gesamten Romans. Es ist ein Gewinn, dass Marco Balzano die Sehnsüchte dieser Menschen aufzeigt: schonungslos, bewegend und mit viel Herz.
Arbeitsmigration - ein nachdenklicher Familienroman
von Circlestones Books Blog - 10.11.2021
Du verstehst deine Mutter nicht, weil sie dir erlaubt hat, eine andere Frau zu werden. (Zitat Seite 276) Inhalt Manuel wächst in Rdeni auf, einem rumänischen Dorf nahe der Grenze zu Moldawien. Er ist zwölf Jahre alt, als er eines Morgens erwacht und seine Mutter ist weg. Heimlich hat Daniela die Familie verlassen und ist jetzt auf dem Weg nach Italien, wo sie in Mailand eine Stelle als private Pflegerin angenommen hat. Zurück bleiben Manuel, seine acht Jahre ältere Schwester Angelica und sein arbeitsloser Vater. Angelica muss sich, gemeinsam mit den Großeltern, um die Familie kümmern. Daniela will mit dem Geld, das sie verdient, ihren beiden Kindern eine gute Ausbildung und damit eine bessere Zukunft finanzieren. Besonders Manuel leidet unter dieser Situation, die immer kürzer werdenden Besuche der Mutter, die doch wieder wegfährt. Dann stirbt Opa Mihai, sein einziger Halt. Es gibt Tage, da läuft es für Manuel besser, dieser eine Tag war vom Aufwachen an keiner dieser guten Tage. Thema und Genre Dieser Roman handelt von den Migrantinnen, die ihre Familien verlassen, um im Ausland als billige Arbeitskräfte tätig zu sein, meistens als Haushaltshilfen und im privaten Pflegebereich. Es geht um diese Mütter, doch vor allem geht es um das Leben der zurückgelassenen Kinder und Jugendlichen, in ihren Heimatländern Eurowaisen genannt. Charaktere Daniela will ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten und ist enttäuscht, dass vor allem Manuel ihr Opfer nicht zu schätzen weiß, er fühlt sich von ihr im Stich gelassen, verraten. Manuel würde viel lieber die Landwirtschaftsschule besuchen, als das Gymnasium, das seine Mutter mit ihrer Arbeit in Italien finanziert. Angelica studiert, muss durch den Weggang der Mutter aber die Verantwortung für den Haushalt und den jüngeren Bruder übernehmen, was sie zornig macht und überfordert. Handlung und Schreibstil Die Geschichte wird in drei Abschnitten von jeweils einer der Hauptpersonen als Ich-Erzähler, teilweise rückblickend, geschildert. Außerdem gibt es keine gemeinsamen Erinnerungen, jeder hat seine eigene und macht aus ihr, was er will. (Zitat Seite 230) Im ersten Teil beschreibt Manuel diese Jahre, beginnend mit dem Morgen, an dem seine Mutter ohne ein Wort abgereist ist. Im Leben geht es nur darum, einander nah zu sein, wie bei den Kaninchen im Stall, wenns draußen friert. (Zitat Seite 30) Das denkt der junge Manuel, wünscht sich die Mutter zurück und ist ihr absolut nicht dankbar. Im zweiten Teil erzählt Daniela, die Mutter, von ihrer Arbeit als Pflegerin und Kindermädchen, von den Menschen, die sie in Mailand betreut hat, von ihrem Alltag und den Lebensumständen während dieser Zeit. Sie ist überzeugt, das Richtige getan zu haben, als sie, zu Hause arbeitslos geworden, ins Ausland arbeiten ging. Dieser zweite Teil verbindet die vergangenen Jahre mit der Gegenwart. Im dritten Teil erzählt die Tochter Angelica die Geschichte in der Gegenwart weiter, es ist zugleich auch ihre Geschichte. In diesem letzten Abschnitt geht es auch um die Frage, ob diese Familie noch einmal zusammenfinden kann. Die Sprache ist leise, klar und einfühlsam. Fazit Die Geschichte einer Familie, die plötzlich Tausende von Kilometern voneinander entfernt ist, weil die Mutter das abgelegene rumänische Dorf verlässt, überzeugt, keine andere Wahl zu haben. Dieser Roman beleuchtet vor allem die andere Seite, was macht diese Situation mit der Familie, mit den heranwachsenden Kindern, die in der Heimat zurückbleiben. Die Intention des Autors ist es, auf die Situation aufmerksam zu machen. Diese Geschichte verurteilt nicht, aber sie wirft viele Fragen auf, die zum Nachdenken anregen.
Vom Zerbrechen einer Familie
von Hyperventilea - 10.11.2021
"Manchmal erscheint mir Liebe wie ein Luxus." Daniela ist Mutter und lebt in einfachen Verhältnissen in Rumänien. Um ihren Kindern Angelica und Manuel eine gute Ausbildung ermöglichen zu können, zieht sie nach Mailand, wo sie einen alten Mann rund um die Uhr pflegt. Ihren Verdienst schickt sie nach Hause. Doch in der alten Heimat gibt es große Probleme. Ihr Sohn Manuel, der in der Pubertät steckt, tut sich in der Schule sehr schwer. Als auch noch sein geliebter Großvater stirbt, verzweifelt er an der Situation und es kommt zu einem tragischen Unglück. Autor Marco Balzano schreibt klar und gut verständlich in der ersten Person. Er wechselt die Erzählperspektive, schildert das Geschehen zunächst aus der Sicht Manuels, dann aus Danielas und schließlich aus Angelicas. Es wird chronologisch erzählt, was aktuell passiert, aber immer wieder fließen auch Erinnerungen der Figuren in die Geschichte mit ein. Durch die unterschiedlichen Sichtweisen der Charaktere wird die Handlung im Verlauf um mehrere Aspekte erweitert. Eine Geschichte hat nie nur eine Seite, sondern stets mehrere und jeder Beteiligte wird sie anders erleben und erzählen. Das zeigt Marco Balzano mit seinem Roman sehr deutlich. Die drei Hauptfiguren werden vom Autor vor allem in Hinblick darauf, was Danielas Weggang für sie konkret heißt, dargestellt. Auch wenn der Autor in der Ich-Perspektive schreibt, werden seine Figuren recht sachlich beschrieben, sie "erreichten" mich als Leserin nicht immer emotional. Daniela ist Mutter, sie ist für ihre Kinder verantwortlich. Verantwortung bedeutet für sie vor allem, seinen Kindern ein Leben ohne materielle Entbehrungen zu ermöglichen. Die Kinder sollen eine gute Ausbildung bekommen, sich nicht "arm" fühlen müssen. Dafür arbeitet sie sehr hart, gönnt sich kaum eine Pause, ist für ihre Arbeitgeber immer verfügbar, "entwurzelt" sich und riskiert, sich von ihren Kindern zum entfremden. Sohn Manuel "kämpft" mit der Pubertät, zeigt sich emotional und impulsiv. Der Junge kommt ohne seine Mutter nur schlecht zurecht. Er verliert immer mehr Konstanten in seinem Leben, soll auf eine teure Schule gehen, obwohl er lieber die Landwirtschaftsschule besuchen würde. Er fühlt sich oft vollkommen alleine auf der Welt. Seine ältere Schwester Angelica "kapiert" nach Manuels Ansicht "die Welt", sie muss früh Verantwortung übernehmen, kommt zuverlässig ihren Pflichten nach, kümmert sich. Wie ein "Lastesel" tut sie, was getan werden muss, ohne sich zu beschweren. Doch irgendwann muss auch der stärkste Mensch einmal schwach sein dürfen. Auf Danielas Mann Filip ist wenig Verlass. Aber Opa Mihal wird zum Fels in der Brandung, er sorgt sich um die Kinder und hat viele Lebensweisheiten in petto wie "Im Gehen löst man Probleme." Angelica erinnert sich an einen Satz von ihm: "Opa hat mal gesagt, wer sich wäscht und saubere Kleider trägt, der ist nie arm. Arm ist, wer den Dingen hinterherrennt, die alle wollen." Dass osteuropäische Frauen ihre Familien verlassen, um in Italien oder anderen Ländern ältere Leute zu Hause zu pflegen oder andere körperlich anstrengende Tätigkeiten zu verrichten, ist sehr traurig, aber leider gang und gäbe. Ich habe mir bisher nie Gedanken gemacht, was das für die betroffenen Frauen und ihre Kinder wirklich bedeutet. Marco Balzano macht mit "Wenn ich wiederkomme" auf dieses Problem aufmerksam. Er erzählt umfassend, mit welchen Schwierigkeiten die Familien der Pflegerinnen konfrontiert sind und stellt dabei immer wieder die Frage, was Liebe und Glück ausmachen. Was ist ein "besseres" Leben? Braucht es materielle Sicherheit, um lieben zu können oder ist Liebe und füreinander Dasein nicht die Voraussetzung für echtes Glück? Kann man aus der Ferne lieben? Balzanos Figuren würden diese Fragen aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen sehr unterschiedlich beantworten und auch die Leserinnen und Leser werden sehr gründlich darüber nachdenken, wenn sie die komplette Geschichte gelesen haben. Fest steht aber, Danielas Entscheidung hat dramatische Folgen, kostet einen hohen Preis und verändert Identitäten. "Niemand gibt uns die Zeit zurück, die wir woanders verbracht haben." Besonders deutlich wurde mir während des Lesens wieder einmal eines. Von außen betrachtet scheint es manchmal so einfach, über andere zu urteilen. Wer nicht selbst betroffen ist, kann viel leichter werten. Wichtig ist es aber, alle Seiten zu beleuchten, Verständnis für alle Beteiligten aufzubringen und hierfür leistet Balzano mit seinem bemerkenswerten Roman auf alle Fälle einen Beitrag. Diese Familiengeschichte musste genau so erzählt werden. Für mich ein lesenswertes und wichtiges Buch, das mich noch länger beschäftigen wird.
Eine europäische Tragödie
von TochterAlice - 08.11.2021
In einem anderen Land befindet sich Daniela und steckt dort fest, als es keine andere Möglichkeit mehr für ihre Familie gibt, zu überleben: die Rumänin ist nach Italien, genauer: nach Mailand aufgebrochen, um dort etwas Geld zu verdienen - das kann man nämlich zu Hause nicht mehr. Und sie macht sich quasi zur Leibeigenen durch ihren Job als Pflegekraft bei einem alten, dementen Mann: das ist eine Arbeit, die sie rund um die Uhr fordert. Nicht anders wird es beim nächsten Job als Kindermädchen: und das, obwohl sie dort sogar einen Vertrag hat. Geschildert wird die Geschichte aus zwei Perspektiven: aus ihrer eigenen und aus der ihres Sohnes, der noch ein Kind ist und sich komplett alleingelassen fühlt. Nicht nur von seiner Mutter, sondern auch von seinem Vater und seiner Schwester Angelica. Und dann stirbt auch noch der geliebte Opa. Eine Geschichte von Verlorenheit, von Ausweglosigkeit, von Ohnmacht. Dies alles, also das, was die Atmosphäre ausmacht, wird aus meiner Sicht eindringlich und schlüssig präsentiert. Nicht so die eigentliche Geschichte, bei der ich oft mal ins Stolpern geriet. Sie hat mich nicht so recht erreicht, diese traurige Geschichte, die in der Europäischen Union der Gegenwart wahrscheinlich Tag für Tag hunderte von Malen durchlebt wird. Wie ungerecht! Und zwar in jeder Hinsicht!
Leiser und eindringlich erzählter Roman
von Insel - 08.11.2021
Der Roman erzählt die Geschichte von Daniela und ihrer Familie, die eines Tages still und heimlich ihre Koffer packt, und von Rumänien nach Italien reist, um sich als Pflegekraft zu verdingen.Der Autor Marco Balzano lässt die Familienmitglieder den 12 jährigen Manuel, seine Schwester und die Mutter selber zu Wort kommen. Sie alle schildern ihren Alltag und ihre Gefühle. Von Seite zu Seite lese ich, wie sich die Situation zuspitzt und ich ahne, das die Familie auf eine Katastrophe zusteuert, jedoch war ich mir über dessen Ausmaß nicht im Klaren. Trotz der Wut, Frust und Trauer, die in den Hauptfiguren aufkommen, gibt es immer wieder Szenen, die mich Hoffnung schöpfen lassen, insbesondere für Manuel, der zu Beginn des Romans noch Kind ist, was auf der Stufe zum Teenager steht. Sein Opa ist seine wichtigste Bezugsperson, der ihm Liebe und Halt gibt. Der Autor beschreibt einfühlsam und zugleich eindringlich in welcher seelischen Not sich alle befinden. Daniela und ihre Familie stehen stellvertretend für viele andere Familien, die in einer ähnlichen Situation sind. Jeder kennt sicherlich Familien, die eine Pflegekraft für Verwandte aus dem Ausland haben. Die Pflegekräfte, Frauen wie Daniela, kümmern sich die gesamte Woche um alles. Sie kochen, putzen, waschen und pflegen. Wie schrecklich das für die Frauen sein muss ihre eigenen Familien zu verlassen und wie furchtbar für die Familien selber, das ist mir durch diesen Roman vor Augen geführt worden. Ein Roman, der mich noch lange beschäftigen wird. Fünf Sterne und ich würde mehr geben, wenn es möglich wäre.
Berührendes Porträt über die unsichtbare (weibliche) Arbeitsmigration
von Phoebe Caulfield - 07.11.2021
Eines Tages verlässt Daniela ohne Ankündigung ihre Familie, um in Mailand eine Stelle als 24h-Pflegerin anzunehmen. Künftig will sie so ihre Kinder und ihren Mann unterstützen, die allein in Rumänien zurückbleiben. Erzählt wird diese Geschichte in drei Abschnitten - aus Sicht des Sohnes, der Mutter und der Tochter. Es gib tatsächlich ein Krankheitsbild, das Mütter entwickeln, die ihre Kinder für lange Zeit bei Verwandten zurücklassen, um im Ausland Jobs als 24h-Pflegerinnen oder Haushaltshilfen anzunehmen. (Auf Italien bezogen wird es als Italienkrankheit bezeichnet.) Allein diese Tatsache finde ich erschütternd. Als Mutter so eine Trennung auf sich zu nehmen - wie viel Verzweiflung und Hoffnung auf ein besseres Leben muss sich dahinter verbergen? Dieser überwiegend unsichtbaren (Arbeits-)Migration widmet Marco Balzano diesen anrührenden Roman. Und ich bin sehr froh darüber, dass er diesen Menschen eine Stimme, ein Gesicht gegeben hat und ihre Geschichte erzählt. Eine, die sich tagtäglich überall auf der Welt so oder ähnlich zutragen könnte. Dies war mein erstes Buch von Balzano, aber definitiv nicht mein letztes. Sein Stil hat mich direkt im ersten Kapitel in die Geschichte gezogen. Seine klare Sprache kommt ohne große künstliche Verschnörkelungen aus. Sie besticht durch präzise Beobachtungen und Beschreibungen, die einen einfühlsamen Einblick in das Seelenleben der drei sehr unterschiedlichen Protagonisten gibt. Ich bin so dankbar für dieses Buch. Es beschreibt auf eindrückliche und einfühlsame Weise, was es bedeutet, aus Armut seine Kinder zurückzulassen, um in einem fremden Land im Verborgenem und unter extremer psychischer Belastung den Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Und was dies gleichzeitig mit den zurückbleibenden Kindern macht.
Eine Familie im Zusammenbruch - Die Italienkrankheit
von ElliP - 06.11.2021
Erst verlässt die Mutter Manuela die Familie in Rumänien und geht als illegale Arbeitskraft nach Italien, um finanziell für ein gesichertes Einkommen und eine gute Schule für die beiden Kinder Manuel und Angelika zu sorgen. Später verabschiedet sich auch noch der Vater, um als Fernfahrer in der Fremde zu arbeiten. Die beiden Jugendlichen werden nun von den Großeltern liebevoll aufgezogen, aber diese sind alt und können nur bedingt die Eltern ersetzen. Der Roman handelt von den Auswirkungen des Verlusts der Kinder, von der Einsamkeit, der Sehnsucht nach Familie und Gemeinschaft, aber auch dem Überlebenswillen, dem Wunsch der Mutter, den eigenen Kinder mehr bieten zu können und für ein glückliches, erfülltes Leben zu sorgen. Aber wir ahnen bereits, dass Glück nicht käuflich ist und sich die Probleme häufen werden. Wie gehen die beiden Geschwister mit der traumatischen Erfahrung um? Kann der materielle Zugewinn das Fehlen der Eltern ersetzen? Wo beginnt Verantwortung? Wer lädt Schuld auf sich? Und ist ein gemeinsames Leben danach noch möglich? Die unterschiedlichen Erzählperspektiven lassen den Erzähler die Figuren kennenlernen. Besonders gelungen ist Maro Balzano die Darstellung des jugendlichen Manuels; diese Sicht und Erzählweise lässt uns in die Psyche des Jungen mit all den Widersprüchen und Wünschen eines Heranwachsenden eintauchen und er wächst uns schnell ans Herz. Fremder dagegen bleiben Mutter und Tochter und ihr Handeln ist nicht immer nachvollziehbar. Aber dennoch: Alle haben mein Mitgefühl, es gibt nur Verlierer in dieser materiellen Welt. Der Autor thematisiert die Problematik der Menschen, die im Ausland illegal arbeiten (müssen), um Geld nach Hause schicken und damit eine ganze Familie ernähren zu können. So viele unterbezahlte, häufig illegale, d.h. nicht angemeldete Arbeitsstellen - Putzfrauen, private Altenpflegerinnen, Bauarbeiter, Erntehelfer - für die keine einheimischen Arbeitskräfte gefunden werden. Menschen, die unter unwürdigen Bedingungen existieren und immer nur in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft leben. Insgesamt ein lohnenswertes und wichtiges Thema, das bis jetzt leider kaum in der Literatur vorkommt - vermutlich, weil zu viele in unserer Welt von diesem System profitieren.
Familie in der Zerreißprobe
von SuuperMichi - 05.11.2021
Daniela verlässt eines nachts ganz still und heimlich ihre Familie. Doch nicht etwa weil Sie ihre Kinder nicht liebt, nein Sie möchte ihnen damit ein besseres Leben ermöglichen. Sie fliegt in das reiche Italien, um dort als Pflegekraft Geld zu verdienen um so die Schulen ihrer Kinder zu bezahlen. Jedoch ist die Arbeit in Italien alles andere als einfach und auch zuhause fehlt Sie ihren Kindern sehr und kann nur über Skype present sein. Matco Balzano schildert die härte des Lebens in vollen zügen und zeigt auf wie zerissen die Gastarbeiter selbst sind. Auf der einen Seite die schwere Arbeit um ihre Familien zu unterstützen, auf der andern Seite das Leid von den Kindern getrennt zu sein und den Körper zu runinieren. Das Buch wird in drei Teile gegliedert, sodass wir die Sicht des Sohnes, der Mutter sowie der Tochter lesen dürfen. Man kann sich gut in die jeweiligen Personen, sowie ihre Ängste und Sorgen hineinversetzen. Der Schreibstil ist klar und die Protagonisten wirken wie Leute aus dem realen Leben. Ein Buch das zum nachdenken anregt und aktuelle Geschenisse wiederspiegelt.
eine aufwühlende Geschichte
von vielleser18 - 05.11.2021
Es sind die besondern Themen, aber auch die Erzählweise des Autors, die einen die Figuren seiner Romane so nahe bringt, dass man in ihre Haut schlüpfen und mitfühlen kann. Gerade die authentischen Hintergründe machen auch diesen Roman wieder zu einer sehr bewegenden Geschichte. Daniela ist eine von vielen rumänischen Müttern, die, weil sie in ihrem Heimatland zu wenig verdienen und die Familie ernähren müssen, sich auf den Weg nach Italien macht, um dort als Pflegekraft in einem Privathaushalt zu arbeiten. Sie kümmert sich Tag und Nacht, 7 Tage die Woche. Das Geld, das sie verdient, schickt sie nach Hause zu ihrem Ehemann, damit die Kinder Angelica und Manuel auf besehere Schulen gehen können. Doch auch Filip, ihr Mann, macht sich aus dem Staub und so muss die ältere Tochter früh die Verantwortung für ihren Bruder übernehmen. Was bleibt von einer Familie, wie empfinden sie, was denken sie, was bedeutet diese Trennung für jeden einzelnen und kann man jemals wieder zusammenfinden? Was bedeutet es auch für Daniela alleine im Ausland unter solchen Bedingungen zu arbeiten? Als nach jahrelanger (nur durch kurze Besuche unterbrochene) Abwesenheit Manuel etwas zustößt, kehrt Daniela zurück. Als Leser können wir in ihre Gedanken und ihre Erlebnisse eintauchen, genau wie vorher in Manuels Sichtweise und abschließend in Angelicas Gefühle. Balzano schafft es, dass man in jede einzelne der drei Figuren schlüpfen kann, in die der Mutter und es Sohnes etwas mehr, aber gerade die Sicht aus der einzelnen Familienmitgliedern schafft dieses besonders bedrückende Bild. Wir sehen hier im Westen die Pflegekräfte, die aus dem Osten angeheuert werden, damit sie eine 1-1 Pflege möglich machen. Viele Menschen sind darauf angewiesen, weil die familäre Unterstützung nicht mehr klappt, nicht möglich ist, aus allen möglichen Gründen. Aber wie viele der angheuerten Kräfte haben aus ihrer Not heraus so gehandelt, dass sie nicht nur hier arbeiten, sondern ihre Familie, ihre Kinder, ihre Liebsten (zeitweise) zurück lassen müssen. Was heißt das für alle Beteiligten ? Marco Balzano hat wieder einmal seinen Finger auf eine Wunde gelegt, die oft - zu oft- einfach nur abgedeckt wird. Es ist eine ruhige Geschichte, eine, die sich erst nach und nach in all ihren Facetten zeigt, die eine Weile braucht, bis man versteht, aber dann umso mehr. Mein Fazit: Eine sehr aufwühlende und nachdenklich stimmende Geschichte, die einen noch lange beschäftigt.
Die im Dunkeln sieht man nicht
von Webervogel - 04.11.2021
Eine Mutter verlässt ihre Familie und es fällt ihr so schwer, dass sie sich nicht mal verabschiedet. So beginnt Marc Balzanos neuester Roman; eine tragische und doch leichtgängig erzählte Geschichte, die mich nicht mehr losgelassen hat. Danielas Kinder und Mann bleiben nicht lange im Unklaren: Die Rumänin hat einen Zettel hinterlassen und meldet sich auch schon bald - aus Mailand, wo sich Daniela nun um einen Pflegebedürftigen kümmert. Win-win, könnte man meinen - sie verdient Geld, mit dem sie ihren Kindern im rumänischen Heimatdorf eine gute Ausbildung finanziert sowie den Ausbau des Eigenheims, während der alte Mann dank ihr in seiner gewohnten Umgebung bleiben kann. Aber es ist ebenfalls Lose-lose: Daniela hat nie zuvor als Pflegerin gearbeitet und auch keine Neigung zu dem Beruf. Sie ist ein anständiger Mensch und kümmert sich fast rund um die Uhr so gut um den Patienten, wie es ihr - auch psychisch - möglich ist. Ideal ist die Situation jedoch für keinen von beiden. Doch zunächst geht es in "Wenn ich wiederkomme" weniger um Daniela und mehr um die Familie, die sie zurücklässt: ihren arbeitslosen Mann, ihre im Nachbarhaus wohnenden Eltern und ihre Kinder, die fast erwachsene Tochter Angelica und den zwölfjährigen Manuel. Letzterer scheint unter der Abwesenheit der Mutter am meisten zu leiden, ihre täglichen Anrufe sind kein Ersatz und halten die gegenseitige Entfremdung kaum auf. Seine schulischen Leistungen lassen nach, er zieht sich zurück. Und dann passiert etwas. Marc Balzano skizziert ein Modell, das in vielen europäischen Ländern gelebt wird: Die osteuropäische Pflegekraft, die als 24-Stunden-Inhouse-Hilfe im Westen ihr Geld verdient - mehr Geld, als es ihr in ihrer Heimat möglich wäre (und natürlich weniger, als eine Einheimische oder ein Einheimischer bekommen würde). Doch der Autor widmet sich auch dem in der Regel unbeachteten Thema, das dahintersteht: Wie geht es eigentlich denen, die zurückbleiben? Und denen, die irgendwann zurückkehren? In "Wenn ich wiederkomme" habe ich zum ersten Mal von der Italienkrankheit gelesen. Danielas Auslandsjahre gehen an keinem Familienmitglied spurlos vorbei; aufzuholen sind sie erst recht nicht. Hat sich ihr Opfer gelohnt? Eine große Stärke dieses sehr gelungenen Romans ist, dass er keine einfachen Lösungen serviert, Haupt- und Nebenfiguren nicht in gut und böse einteilt und auch sonst nicht urteilt. Balzano bietet einen Einblick in verschiedene Schicksale und sensibilisiert für eine Thematik, über die gerne hinweggeschaut wird. Ein Roman über die fast Unsichtbaren, die in der Pflege vielerorts unersetzlich geworden sind - und über die Lücken, die sie woanders hinterlassen.
Die Hoffnung auf ein besseres Leben
von Emma Winter - 04.11.2021
Manchmal geht es nicht anders [...]. (S. 80) Daniela hat ihre Familie in Rumänien heimlich verlassen, um in Mailand als Altenpflegerin zu arbeiten. Mit dem Geld will sie ihren beiden Kindern, Angelica und Manuel, eine gute Schulbildung ermöglichen. Zurück bleiben die Kinder in der Obhut des arbeitslosen Vaters und der Großeltern. Nur sporadisch kommt die Mutter wieder zurück, verpasst das Leben der Kinder, die sich im Stich gelassen fühlen. Nichts entwickelt sich so wie erhofft und Daniela sieht sich in einer Situation gefangen, der sie nicht entkommen kann. Erst als Manuel einen Unfall hat, läßt sie alles stehen und liegen und fährt zurück in ihr kleines Dorf. Aber wird sie bleiben? Die Geschichte wird aus drei Perspektiven geschildert. Manuel, Daniela und Angelica erzählen jeweils aus ihrer Sicht, was die Situation mit ihnen macht und wie sie versuchen, diese zu bewältigen. Die Stimmen der Kinder umklammern dabei die Erzählung der Mutter, die im mittleren Teil über ihre Zeit in Italien berichtet. Erst in diesem Teil wird klar, wie hart die Arbeit ist und was sie mit Daniela macht, wie sehr sie ihre Kinder vermisst und warum sie doch nicht nach Hause fährt. Über allem schwebt eine Sprachlosigkeit, die durch Danielas Abreise ohne Abschied eingeleitet wird. Die fehlende Kommunikation sorgt dafür, dass letztlich keiner glücklich aus dieser Situation herausgeht. Balzano hat einen angenehmen Schreibstil, den man gut lesen kann. Er gibt den drei Ich-Erzähler*innen jeweils eine eigene Stimme: Manuels Abschnitt liest sich wie ein Jugendroman. Seine Gefühle wie Unsicherheit, Angst, Liebe etc. werden glaubhaft durch die Jugendsprache transportiert. Daniela erzählt ruhiger, aber auch zerrissen und erschöpft. Angelicas Teil ist eher kühl und abgeklärt. Marco Balzano hat für seinen Roman viel Recherchearbeit betrieben, die er in seinem Nachwort erläutert. Das Problem des Pflegenotstandes und der massenhaften Migration von Müttern aus Osteuropa als billige Arbeitskräfte im Pflegebereich wird am Einzelschicksal von Daniela herausgearbeitet. Erschreckenderweise gibt es für den Burnout, an dem ehemalige Pflegekräfte häufig erkranken, unter osteuropäischen Psychiatern bereits einen eigenen Begriff: Italienkrankheit. Es leiden jedoch nicht nur die Frauen an der immensen Belastung durch die Betreuungsarbeit, sondern auch die zurückbleibenden Familien, vor allem die Kinder durch die Abwesenheit der Mutter. Sie müssen ohne die engste Bezugsperson auskommen. Es gibt nur Opfer in dieser Konstellation. Der Roman wirft viele Fragen auf und regt zum Nachdenken über die Situation dieser Familien und die hoch aktuelle Problematik an. Eine Lösung ist nicht absehbar, angesichts der voranschreitenden Überalterung der westlichen Gesellschaft und des sich ausweitenden Pflegenotstandes. Ein wichtiges Buch, das von mir vier Sterne erhält.
Worauf es im Leben wirklich ankommt...
von Lia48 - 02.11.2021
INHALT: Eine in Rumänien wohnende Familie hat wenig Geld und lebt von der Arbeitslosenversicherung. Doch Mutter Daniela möchte mehr für ihre Kinder. Sie sollen auf gute Schulen gehen und die Möglichkeit zum Studieren bekommen. So kommt es, dass sich Daniela eines Tages ohne Ankündigung davon macht. In Italien möchte sie ihr Glück versuchen. Pflegekräfte werden gebraucht, viele arbeiten schwarz. Daniela kümmert sich von nun an tagein, tagaus um ältere Menschen, die viel Unterstützung im Alltag benötigen. Tag und Nacht muss sie für sie da sein und kommt ständig an ihre Grenzen. Doch wo bleibt sie selbst? Und wird sie eines Tages wieder zu ihrer eigenen Familie zurückkehren können? Diese ist mittlerweile nicht mehr gut auf die Mutter zu sprechen. Beim 12-jährigen Manuel läuft es in der Schule schlecht ( In die Schule gehen ist wie eine Arznei schlucken, schmeckt Scheiße, aber du tust es. ). Und seine 8 Jahre ältere Schwester Angelica möchte eigentlich endlich ihr eigenes Leben in die Hand nehmen. Doch nach einem schrecklichen Ereignis muss die Mutter eine Entscheidung treffen TRIGGERWARNUNG! (Schneidet Themen rund um Suizidversuch & Burnout an!) MEINUNG: Da ich Ich bleibe hier von Balzano ausgesprochen gerne gelesen habe, hatte ich vielleicht etwas hohe Erwartungen an Wenn ich wiederkomme . Man kann die beiden Bücher schlecht miteinander vergleichen, ersteres ist deutlich historischer ausgerichtet. Mit Wenn ich wiederkomme zeigt der Autor dafür die immer noch aktuelle Problematik auf, dass Pflegekräfte aus Osteuropa häufig sehr aufopfernde Tätigkeiten bei uns ausüben, teilweise schwarz arbeiten, kaum Lohn dafür bekommen und ihr ganzes Leben danach ausrichten, in der Hoffnung, der eigenen Familie dadurch genug Geld nach Hause schicken zu können. Doch nicht immer tun sie sich und ihrer Familie damit einen großen Gefallen, wenn sie so weit voneinander getrennt sind, was auch Balzano eindrucksvoll in diesem Buch darstellt. Allgemein sind die schweren Arbeitsbedingungen und die niedrige Bezahlung in der Pflege weiterhin ein Thema in unserer Gesellschaft. Und überall hört man vom Fachkräftemangel Daher finde ich es gut, dass der Autor diese Thematik hier aufgreift und uns hoffentlich alle etwas aufrüttelt. Die Geschichte wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt (Mutter Daniela, Sohn Manuel und Tochter Angelica), die sich nicht abwechseln, sondern hintereinander ihren Platz finden. Dabei konnte ich vor allem mit der Mutter mitfühlen, die alles zu geben scheint, und viel zu wenig dafür zurückbekommt. Sie hat es gut gemeint, wollte für die Familie nur das Beste und das spürt man. Doch auf Dauer kann ein solches Leben vermutlich nicht gut gehen Vor allem Manuel bin ich nicht so nahegekommen. Vielleicht, weil sein Erzählpart (zumindest gefühlt) etwas kleiner war. Die Ausdrücke von Manuel haben zwar zu seinem Alter gepasst, aber ich lese so etwas eher weniger gerne. An die Perspektive von Angelica musste ich mich zwar erst gewöhnen, aber dann tat die junge Frau mir leid. Ich habe es als unfair empfunden, dass auf ihr so viel Verantwortung lastet, wodurch sie selbst ausgebremst wird. FAZIT: Insgesamt regt das Buch, welches aktuelle Themen zur Sprache bringt, zum Nachdenken an, was immer ein gutes Zeichen ist. Auch wenn ich nicht allen Figuren so nahegekommen bin, wie ich es mir gewünscht hätte, fand ich das Buch dennoch lesenswert und kann es weiterempfehlen. 4/5 Sterne!
Lesehighlight
von HR - 02.11.2021
Der italienische Autor Marco Balzano hat mit seinem Roman "Wenn ich wiederkomme" ein sehr wichtiges Thema aufgegriffen: Menschen, die ihre Familie und ihr Land verlassen, um in der Ferne Geld zu verdienen. So auch Daniela aus Rumänien. Sie verlässt ihre Familie ohne Ankündigung. Lediglich ein Abschiedsbrief bleibt ihren Kindern (Manuel 12 Jahre und Angelica 20 Jahre). Ihr Ehemann - ein Alkoholiker- kommt mit der Situation nicht klar und geht auch ins Ausland. So bleiben nur die Großeltern als Bezugsperson. Daniela verbringt einige Jahre in Italien, dort arbeitet sie als Altenpflegerin und Kindermädchen. Sie schickt Geld und Geschenke nach Hause. Besuche sind sehr selten. Die Familie entfremdet sich immer mehr. Sprachlosigkeit herrscht. Auch gravierende Ereignisse tragen nicht dazu bei, dass sie wieder zueinander finden. Daniela lernt nicht dazu. Sie erwartet immer nur, dass jeder Verständnis für ihre Situation aufbringt und tut was sie will. Aber ihre Kinder sind ohne sie erwachen geworden und gehen ihren Weg. Die Familie ist zerbrochen. Der Roman hat mir sehr, sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und die Handlung gut aufgebaut. Interessanter Weise lässt der Autor alle wichtigen Personen in der -je nach Romanabschnitt- Ich-Erzählung zu Wort kommen. Somit entwickelt man als Leser:in Sympathien für alle drei: Daniela, Manuel und Angelica und fühlt mit. Erschreckend auf diese Art und Weise vorgeführt zu bekommen, was es eigentlich für die Menschen und Familie bedeutet, die Heimat zu verlassen und in der Fremde unterbezahlte Jobs annehmen zu müssen und ausgenutzt zu werden. Diese Menschen sind in einer Spirale, aus der es schwer ist zu entfliehen. Der normale Menschenverstand sagt nein, aber das Geld lockt und natürlich will jeder nur das Beste für seine Familie. Wir werden als Einzelne diese Wege nicht ändern können, da muss die Politik schon tätig werden und die Arbeits- und Lebensbedingungen in den "schwächeren" Ländern verbessern, so dass sich keiner mehr genötigt fühlt, aus finanziellen Gründen sein Heimatland zu verlassen. Aber auch als Gesellschaft können wir etwas tun: wir müssen diese Menschen mehr Wertschätzung entgegenbringen und integrieren. Dieses Buch gehört zu meinen Lesehighlights in diesem Jahr und ich vergeben 5 Sterne+.
eindringlicher Roman, der zum Nachdenken anregt
von CM94 - 02.11.2021
"Wenn ich wiederkomme" ist mein erster Roman des Autors, aber ganz sicher nicht mein letzter. Mit einer beeindruckenden Intensität erzählt der Autor die Geschichte rumänischer Frauen, die ihre Familien verlassen um im Ausland Arbeit in fremden Haushalten zu finden. Und was erstmal völlig abstrus klingt, ist immer noch Gang und Gebe unserer Gesellschaft: die polnische Pflegekraft, die osteuropäische Haushaltshilfe, das russische Kindermädchen. Dieses Buch erzählt ihre Seite der Geschichte. Zum Inhalt: in einer Nacht- und -Nebelaktion verlässt Daniela ihre Familie um den Bus von Rumänien nach Italien zu nehmen. Über eine Freundin hat sie dort eine Stelle vermittelt bekommen. Sie hoffe genug Geld zu verdienen, um ihren Kindern eine bessere Bildung und Zukunftsaussichten zu ermöglichen. Doch ihr Weggang wird von ihrer Familie als Selbstsucht und Verrat aufgefasst und während Daniela im Ausland für andere Familien da ist, zerbricht ihre eigene. Das Buch ist in drei Abschnitte eingeteilt, die jeweils die Sicht eines anderen Familienmitglieds beleuchten. So bekommt der Leser sehr eindringlich beide Seiten der Geschichte nähergebracht: der Verlassenen und der Verlassenden. Dadurch werden viele verschiedene Emotionen und Beweggründe offenbart und mit jedem Abschnitt haben sich auch meine Sympathien verändert. Der Autor vermag sehr bildhaft die Perspektivlosigkeit kleiner osteuropäischer Orte zu vermitteln, die Frauen dazu treibt, ihre Familien entgegen jedes mütterlichen Instinkts zu verlassen. Auch die Einsamkeit und das Verloren sein in einem fremden Land, in dem man nur ein Mensch zweiter Klasse ist, werden gut rübergebracht. Die Frauen stehen in starker Abhängigkeit zu ihren Arbeitgebern, von denen sie nicht immer fair behandelt werden. Und auch die Kinder haben unter der Abwesenheit der Mütter stark zu leiden und das Auseinanderdriften der Familien ist praktisch mit Händen greifbar. Für mich war dieses Buch sehr beeindruckend und wirklich eindringlich. Ich bin beim Lesen immer wieder geschwankt zwischen Respekt für Danielas Mut und ihren Wunsch das Leben ihrer Familie zu verbessern und und dem Unverständnis wie eine Mutter ihre Kinder zurücklassen kann. Der Autor hat den inneren Kampf der Figuren gut auf mich übertragen können. Ich werde gerne mehr von ihm lesen
Zerplatzte Träume
von amara5 - 01.11.2021
Der italienische Bestsellerautor Marco Balzano nimmt sich in seinem neuem Roman einem aktuellen und brisanten Thema an: osteuropäische Arbeitskräfte, die in den reicheren Ländern Alte und Kranke pflegen. So auch Daniela, die in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ihre Kinder und ihren Mann in einem rumänischen Dorf zurücklässt und nach Mailand aufbricht. Dort durchläuft sie eine Odyssee an Arbeitsverhältnissen zumeist schwarz, 24 Stunden am Tag, Anschuldigungen und einer Unsicherheit ausgesetzt, wie lange sie beschäftigt sein wird. Das Geld schickt sie ihrer Familie in Rumänien, in der Hoffnung und dem Zwang, dass alle ein besseres Leben erwartet, doch die Kinder und der Mann zerbrechen an ihrer langen Abwesenheit. Zwar kann Sohn Manuel eine Privatschule besuchen, wo er abgleitet, Tochter Angelica kann studieren, was ihr aber nichts wirklich bringt und Vater Filip fängt an, das Haus zu renovieren, um später abzuhauen und die Familie komplett zu verlassen. Als Manuel einen schweren Moped-Unfall erleidet, kommt Daniela zurück und versucht nach ihrer Entscheidung zu retten, was noch zu retten ist. Marco Balzano gliedert seinen chronologisch gewürfelten Roman in drei Teile und in drei Stimmen der Leser erfährt zuerst aus Manuels schnoddriger Teenagersicht, wie es ihm nach dem Weggang der Mutter ergangen ist. Er leidet sehr darunter, bricht immer mehr den Kontakt ab und als sein geliebter Opa stirbt, verliert er im wahrsten Sinne den Boden unter den Füßen. Der bewegenste und ausgefeilteste Teil ist das Mittelstück, in dem Daniela ihre Erlebnisse in Mailand schildert - gezeichnet vom Burnout (der Italienkrankheit) und der Angst um ihren Sohn. Am Krankenbett vermischt sie aktuelle mit alten Erinnerungen und versucht, ihren Weggang zu erklären. Der Schlußteil gehört Angelica die hohe Verantwortung, die auf der großen Schwester lag, hat sie mürbe gemacht. Insgesamt ist Marco Balzano ein berührender, aufrüttelnder und sehr realistisch geschilderter Roman über ein wichtiges Thema gelungen doch den Figuren fehlt es hier und da an Tiefe und sie wirken teils oberflächlich und klischeehaft konstruiert. Doch die eindringlichen Schilderungen von Daniela aus ihrem schlechtbezahlten Alltag als ausländische Pflegekraft, die psychischen wie physischen Strapazen einer ungelernten Hilfskraft, die Entfremdung im anderen Land sowie ihre Schuldgefühle und das Zerbrechen der zurückgelassenen Familie sind feinfühlig, erschütternd und berührend ausgearbeitet.
Schwieriges Thema
von Daniela Heinen - 31.10.2021
Ich mag den Schreibstil des Autors sehr, darum war mir direkt klar, dass ich auch dieses Buch lesen möchte. Und ich wurde von seinem Stil auch nicht enttäuscht! Es geht um die Mutter und Ehefrau Daniela, die in einem kleinen Dorf im Osten lebt. Da ihre beruflichen Perspektiven dort schlecht sind und sie ihrer Familie ein besseres Leben ermöglichen möchte, verlässt sie ihre Familie, um sich Arbeit in Italien zu suchen. Dort findet sie Arbeit als Pflegekraft und schickt Geld zu ihrer Familie nach Hause. In diesem Buch erfahren wir Leser nun, wie es ihr mit dieser Situation geht. Wie sie damit umgeht, ihre Kinder und ihren Mann verlassen zu haben. Wie ihr Leben wird, als sie zurück kommt. Ebenso erfahren wir aber, wie es ihrer Familie damit geht. Ihrer Tochter, dem noch relativ kleinen Sohn und dem Mann, der die Kinder später auch verlässt. Das Buch ist aus den Perspektiven von Mutter, Tochter und Sohn geschrieben. Und das finde ich sehr gelungen, weil es dem Leser so möglich gemacht wird, tief in die Gedanken und Gefühle der Personen einzutauchen. Und teilweise ist es gar nicht so einfach, sich auf eine Seite zu schlagen... Ich fand das Buch sehr gelungen und empfehle es weiter.
Eurowaisen und Frauen mit Italiensyndrom
von cosmea - 29.10.2021
Im neuen Roman von Marco Balzano geht es um eine rumänische Familie: Daniela und Filip und ihre Kinder Manuel, 12 und Angelica, 20. Eines Tages verlässt die Mutter nachts unangekündigt ihre Angehörigen, um in Mailand als Altenpflegerin zu arbeiten. Sie will ihre Familie aus der Armut befreien und den Kindern gute Schulabschlüsse und ein Studium finanzieren, damit sie es einmal besser haben als ihre Eltern und Großeltern. Die Kinder nehmen der Mutter die Abreise übel. Sie leiden trotz des telefonischen Kontakts unter der Trennung, zumal sie auch vom Vater verlassen werden, der wenig später als Lastwagenfahrer in Polen arbeitet. Nur die Großeltern kümmern sich noch um die Geschwister. In drei Abschnitten erfahren wir, wie das Leben von Manuel, Daniela und Angelica weitergeht, welche Schwierigkeiten vor allem der Sohn in seinem Leben ohne die Mutter hat, denn trotz des Wiedersehens in jedem Sommer kommt es schon bald zu einer gravierenden Entfremdung zwischen Daniela und ihren Kindern. In dem Abschnitt über Daniela wird deutlich, wie hart das Leben dieser ausländischen Pflegekräfte und Kindermädchen ist. Viele leiden bald unter einem Burnout, denn besonders für diejenigen, die alte und kranke Menschen pflegen, gibt es häufig weder eine rechtliche Absicherung noch ausreichend Freizeit oder Schlaf. Sie reiben sich auf, ohne dass ihre wertvolle Arbeit angemessene gesellschaftliche Anerkennung findet. Für den Autor ist es ein offensichtliches Anliegen, all diese Probleme zu verdeutlichen. Anders als in "Ich bleibe hier" geht es nicht um ein historisches Thema, sondern um ein aktuelles gesellschaftliches Problem in der Beziehung von reichen Ländern zu ärmeren, die von der Not der Menschen gedankenlos profitieren. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
Traurig aber Wahr
von Booklove15_11 - 29.10.2021
Rumänien, Iai In dem ländlichen, kleinen Dorf Rdeni lebt eine vierköpfige Familie in sehr ärmlichen Verhältnissen. Der Vater Filip ist seit Jahren arbeitslos, die Mutter Daniela, gelernte Bürokauffrau, ist es ebenfalls und wenn sie überhaupt Arbeitslosengeld kriegen, versuchen die mit diesem wenigen Einkommen die Familie über dem Wasser zuhalten. Als die Kinder klein waren, ging es noch einigermaßen, doch mittlerweile ist die Tochter Angelica fertig mit dem Gymnasium und möchte studieren und der Sohn Manuel soll zum Gymnasium gehen. Um ihre Kinder bessere Zukunft und Existenz zu ermöglichen, verlässt die Mitte vierzig-jährige Daniela ohne Abschied, mitten in der Nacht ihre Familie und fährt nach Italien, um in Mailand als Pflegekraft zu arbeiten. Doch manchmal kommt alles anders als geplant... Nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland kennt jeder die Situation: Pflegekräfte, Saisonarbeiter, Billiglöhner aus Armenländern, die meistens Schwarz und unter Mindestlohn sehr hart arbeiten. Väter, Mütter... die keine andere Möglichkeiten haben um ihre Kinder zu ernähren. Menschen, die ihre Familien verlassen, bis zur Erschöpfung Jobs erledigen und nicht mal angemessen bezahlt werden, während die Kinder und die älteren Familienmitglieder in der Heimat alleine zurechtkommen müssen. Eine von den hunderten Müttern ist auch Daniela. Mit leisen Tönen, klar, nüchtern, dennoch sehr eindringlich und sympathisch erzählt der italienische Autor über den heutigen Gesellschaftsspalt innerhalb von der EU. Ein Yin und Yang Kreis, eine Win-win-Situation von total gegensätzlichen Schichten, die ohne den anderen nicht Funktionen schienen. Denn wo Daniela Zeit hat und dringend Geld braucht, haben die Reichen zwar Geld, aber keine Zeit für Pflege oder Betreuung für die Älteren und Kindern. Doch diese Art von Arrangement hat auch Schattenseiten. Zwar kommen hier hauptsächlich Daniela und ihre Kinder ans Wort, doch wer zwischen den Zeilen liest, merkt es schnell, auch für die anderen Beteiligten alles nicht so einfach ist. Marco Balzano hat diese Thematik grandios umgesetzt und er hat diese Frauen und die Betroffenen ehrlichen Stimmen gegeben, die mich zutiefst berührt und nachdenklich zugelassen haben.
Brisante Thematik, die sehr gut umgesetzt wurde
von Isabell - 28.10.2021
Der Roman "Wenn ich wiederkomme" von Marco Balzano beschäftigt sich mit der Thematik der Frauen, die im Ausland als Kindermädchen, Pflegekräfte etc. Geld verdienen und dafür ihre eigene Familie "alleine" zurücklassen. Daniela lässt eines Tages ihre Familie - Mann , zwei Kinder und die Eltern zurück, um die Ausbildung ihrer Kinder finanzieren zu können. Was für eine Lawine an Ereignissen, kleinen wie großen, damit ausgelöst wird, erzählt der Roman aus der Sicht der Sohnes Manuel, der Tochter Angelica sowie aus Danielas. Mir hat der Schreibstil des Autors sehr gut gefallen. Ich konnte mich in die Protagonisten sehr gut einfühlen und ich habe ihre Verzweiflung und Wut gespürt. Daniela hat sich im Ausland genauso einsam/verlassen gefühlt wie ihre Familie zu Hause.Die Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit hat sie im gewissen Rahmen den von ihr betreuten Menschen zukommen lassen, die ohne sie ebenso verlassen wären wie ihre Kinder zu Hause. Der einzige Unterschied ,sie als "Pflegekraft" ist austauschbar, aber als Mutter ist sie nicht zu ersetzen. Sie will das Beste für ihre Familie, aber was ist "das Beste"? Der Autor hat die brisante Thematik und das Konfliktpotential, was es birgt, grandios umgesetzt und lässt mich nachdenklich mit der Frage zurück, was können wir tun, was kann ich tun, um dieses Situation zu ändern?
Familie über alles
von Panagiota Leissou - 26.10.2021
In einem kleinen Land in Rumänien beschließt Daniela, verheiratet mit zwei Kindern im Teenageralter, in einer Nacht heimlich zu gehen und alles und jeden aufzugeben. Reiseziel: Italien. Der Grund, der sie antreibt, ist die Möglichkeit zu arbeiten, um den Kindern eine würdevolle Existenz im Heimatland zu ermöglichen. Daniela findet sich in Mailand wieder, als Angestellte eines Unternehmens und wird zur Betreuerin von Giovanni, einem Mann mit Alzheimer. Die anfängliche Auswirkung auf das neue Leben macht Daniela zu einer Maschine, die ausschließlich der Anhäufung von Geld gewidmet ist, um die Auslandserfahrungen so schnell wie möglich zu beenden und nach Hause zurückkehren zu können. Die Beziehungen zu Angelica und Manuel werden zunehmend fremder und ihr Mann verlässt sie auch für einen Job als Lkw Fahrer in Sibirien. Die Jungen sind ihrer selbst ausgeliefert, obwohl es glücklicherweise das wachsame Auge der Großeltern gibt. Daniela verliert bald den Puls des Lebens ihrer Kinder und verliert ihre Verbindungen zur Vergangenheit und zur Heimat. Ein Roman, den ich an einem einzigen Tag verschlungen habe, der für mich ein Thema ofenbahrte, das ich nicht kannte. Wie die Kinder, die allein in Rumänien leben oder Verwandten und Nachbarn anvertraut werden, weil ihre Eltern zur Auswanderung gezwungen sind. Sehr empfehlenswert.
Schweres Schicksal
von didi2256 - 24.10.2021
Marco Balzano hat mit seinem Roman Wenn ich wieder komme eine Geschichte erzählt, die leider im heutigen Zeitalter dazu gehört. Daniela, eine Mutter und Ehefrau, schleicht sich in einer Nacht und Nebelaktion aus dem Haus um im reichen Italien eine Stelle als Pflegekraft anzutreten. Mit dem verdieten Geld ermöglicht sie das Gymnasium ihrer Tochter und ihres Sohnes. Viele Dinge können sie sich kaufen, aber die Mutter fehlt und ist nur über Skype zu erreichen. Auch Daniela leidet unter der Trennung. Das Buch beschreibt, was für Matco Balzano typisch ist, das harte Leben der einfachen Menschen. Hier greift er ein Thema auf, das wir immer wieder erleben und uns wahrscheinlich keine Gedanken machen, warum diese Gastarbeiter hier ihr Geld verdienen und ein hartes Schicksal in Kauf nehmen, nur um in ihrer Heimat etwas besser überleben können. Ein bewegendes Buch zum Nachdenken. Es wird in 3 drei Teilen erzählt, aus der Sicht des Sohnes, der Mutter und wie die Tochter die Mutterrolle übernehmen muss. Der Schreibstil ist schnorkellos und einfach, die Protagonisten glaubhaft. Ein Buch das nachklingt.
Die Verlassenen
von schokoflocke - 21.10.2021
Leben in der Ferne bricht auch dem Stärksten das Rückgrad. Seit über einem Jahr haben Daniel und ihr Ehemann keine Arbeit, deswegen steckt die Familie in finanziellen Schwierigkeiten. Um ihren Kindern ein besseres Leben bitten zu können verlässt Daniela Rumänien und geht nach Mailand um dort als Altenpflegerin zu arbeiten. Sie erhofft sich in kurzer Zeit viel Geld verdienen zu können damit ihre Familie in der Zukunft gut versorgt ist. Da sie berfürchtet, ihr Ehemann hätte was dagegen, sagt Daniela der Familie nichts und verlässt das Haus heimlich. Sie versucht es in einem Brief alles zu erklären und hofft, dass die Kinder es verstehen würden, schliesslich macht sie das für sie. Die Realität sieht aber anders aus... Während Daniela in Italien schwer schufftet, an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommt und fast ganzes Geld nach Hause schickt, fühlt sich die Familie verraten und verlassen. Jetzt sah man selbst über das Handydisplay nur noch die Enttäuschung im Gesicht des anderen . Danielas Ehemann macht sich anfangs mit dem Geld das Leben schön, dann verlässt er die Familie. Die Kinder sind auf die Mutter wütend und geben ihr die Schuld, verlangen zwar Geschenke und Geld, emotional entfernen sich aber immer mehr von einander. Sie klang müde, hatte tiefblaue Ränder unter den Augen, doch ich sagte nichts dazu, weil man auf einem Display nie die Wahrheit erkennt. Es ist eine moderne und sehr realistische Familiengeschichte, die Marco Balzano in seinem neuem Buch erzählt. Das Thema ist ein grundliegendes Problem unserer Zeit - was tun, wenn man keine Möglichkeit hat in eigenem Land genug zu verdienen um die Familie zu versorgen ? Ohne Geld kann man nicht Leben, aber kein Geld der Welt gibt Geborgenheit oder ersätz die Elternliebe und Nähe...Ich finde es ist wichtig auf dieses Thema aufmerksam zu machen und ich hab das Buch gerne gelesen, allerdings wirklich bewegt hat es mich nicht. Das liegt einerseits wahrscheinlich daran, dass ich persönlich viele Menschen kenne die so ähnlich wie Daniels leben und die Geschichte war für mich nicht wirklich neu. Andererseits hab ich von dem Autor doch bisschen mehr erwartet. Der Schreibstil ist nüchtern und distanziert und ich hab die lieterarische Raffinesse vermisst , für die ich den Autor so schätze. Aber auch wenn das nicht unbedingt das beste Buch von Balzano ist, lesenswert fand ich die Geschichte trotzdem, weil das Thema wichtig und aktuell ist.
Brandaktuell, emphatisch, unaufgeregt
von Batyr - 21.10.2021
Wieder hat der italienische Autor Marco Balzano ein aktuelles sozialpolitisches Thema aufgegriffen und zu einem packenden, menschlich berührenden Roman verarbeitet. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass in Westeuropa die Versorgung der alten Bevölkerung zusammenbräche, wenn nicht Menschen, vorwiegend Frauen aus osteuropäischen Staaten diese Aufgaben in einer rechtlichen Grauzone übernehmen würden. Die weitreichenden persönlichen Konsequenzen jedoch führt der Autor dem Leser deutlich vor Augen, wenn er in der kunstvollen und unmittelbar nachvollziehbaren Komposition des Romans das Geschehen aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Naturgemäß ist der erste Abschnitt aus dem Blickwinkel des pubertierenden Sohnes der emotional aufwühlendste: lebensnah, dass ein Jugendlicher am wenigsten in der Lage ist, die Herausforderungen der neuen Lebenssituation zu bewältigen. Im Zentrum des Romans steht die Figur der Mutter, in deren Leben sich vielfältige Frustrationen vermischen: die entbehrungsreiche und unbefriedigende Existenz in der Heimat, das verkümmerte Dasein in der Fremde und die elementare Erschütterung angesichts der Situation nach ihrer Rückkehr. Den Abschluss bildet die mentale Befindlichkeit der älteren Tochter, der allzu viel Verantwortung aufgebürdet, ein Teil ihrer Jugend geraubt wurde. Der Ausblick des Romanendes in Hinblick auf ihre Entwicklungsmöglichkeiten öffnet dem Leser höchst ambivalente Alternativen: wartet auf diese Tochter die Chance eines positiven Neuanfangs, oder geht sie womöglich in die Falle, das Dilemma der Mutter nur zu variieren? Großartig Balzanos Leisung, den Kontrast zwischen Ost und West atmosphärisch dicht zum Leben zu erwecken, hinsichtlich der gänzlich unterschiedlichen Schauplätze, der Gewohnheiten, Daseinsentwürfe, Wertvorstellungen.
Leben wie ein Bumerang
von Ninis_weltderbuecher - 18.10.2021
Sie lassen die eigene Familie zurück, um sich um fremde Menschen zu kümmern - die Frauen aus Osteuropa. Daniela ist eine von ihnen. Sie arbeitet in Mailand, rund um die Uhr, ist zuverlässig und liebevoll als Pflegerin und als Kinderfrau. Doch je mehr sie fremden Familien hilft, desto heftiger vermisst sie die eigenen Kinder. Doch nicht nur um Daniela geht es hier, sondern auch um die Menschen, die Zurückbleiben. Klappentext Ein Bumerang hat es nicht in der Hand, von wem und auf Grund welcher Umstände er in die Himmelssphäre geworfen wird. Er muss sich der Kraft des Wurfes unterordnen, der den Zeitpunkt seiner selbst steuernden Rückkehr einleitet. Die willkürlichen Witterungen schaben mal kleines Geröll, mal große Gesteinsbrocken seiner Identität ab, um es an den Erdboden zu verschenken. Sein Korpus schrumpft mit jeder Reise. Ohne zu Wissen, ob Arme ihn fangen werden, blickt er bei jedem Rückflug innerlich ängstlich bibbernd in Richtung seiner Heimat. Der Roman Wenn ich wiederkomme schenkt sowohl einem Bumerang -alias einer wahren Heldin unserer Zeit-, als auch denjenigen eine Stimme, die machtlos dem Startflug ausgeliefert sind, aber das Auffangen bestimmen werden. Die unterschiedlichen Perspektiven untermauern bewegend, dass man oft nur sieht, was man sehen will. Wieder einmal wärmt Marco Balzano s Sprache mit sinnlicher Ehrllichkeit, melodischem Klang sowie durchdringender Empathie. Aber Mutter zu sein ist kein Verlangen. Das ist mehr wie ein Instinkt. Ein Instinkt, der selbst dann lebendig ist, wenn du krank wirst, dich kaum noch auf den Beinen halten und keinen klaren Gedanken fassen kannst. 183 Ja Daniela, da gebe ich Dir Recht, aber vergiss nicht, Dich bei Deinem nächsten Flug umzudrehen: Blick auf Deine Tochter als eigener Bumerang sowie auf Deinen Sohn, der aus anderem Holz geschnitzt ist.
Berührend
von Anonym - 14.10.2021
Ich habe das Buch mit dem Herzen einer Mutter und den Augen eines Kindes gelesen. Der Autor schafft es eine ungeheure Nähe zu dieser Familie zu schaffen: zur Mutter, zum Vater, zur Schwester und zum Ich-Erzähler. Jede Person kommt einem sehr nah und man fühlt mit allen diesen Personen, versteht Seite um Seite mehr, was sie bewegt, was sie fühlen und warum das Leben sie zu dem gemacht hat was sie heute sind und wo sie heute stehen. Diese Nähe macht das Buch einzigartig. Dieses Buch ist voller Gefühl und bewegt und berührt tief die Herzen der Leser. Die Sprache des Autors is klar, voller Sinneseindrücke, Gefühle und tiefer Wahrnehmungen. Man schwingt sich schnell ein auf dieses Tempo und folgt wie magisch angezogen dem Erzählfluss Seite um Seite. Für mich ein großartiges Buch, zugleich Familiengeschichte als auch Zeitdokument. Lesenswert!
Verschiedene Sichtweisen
von Anonym - 13.10.2021
Aus meiner Sicht wird dieses schlichte und unscheinbare Cover dieser berührenden Geschichte nicht ganz gerecht - auch wenn das Bild der Frau die Melancholie ausstrahlt, die das Buch auch dem Leser einzupflanzen weiß. Wenn ich wiederkomme handelt von einer Familie, die vom Fortgang der Mutter auseinandergerüttet wird. Daniela verlässt ihre Familie, um in Italien für wenig Geld schwere Arbeit zu verrichten. Das tut sie nur, damit es ihre Kinder besser haben, doch Manuel und Angelica hat sie nicht gefragt, was für sie besser ist. Die heranwachsenden Kinder schlagen sich von nun an ohne die Mutter durchs Leben. Was es anrichtet, bekommt man als Leser von Manuel, später von Daniela und zum Schluss von Angelica erzählt. Die Perspektivwechsel sind sehr gut gelungen und schaffen es, die Motive der einzelnen Protagonisten klar aufzuzeigen. Es wird nicht jede Frage beantwortet, die man sich als Leser stellt, aber das ist auch nicht nötig: Der Roman schafft dennoch eindrucksvoll, verschiedene Emotionen beim Leser hervorzurufen und ihn auf diese Weise den Charakteren näher zu bringen. Die Charaktere sind authentisch gezeichnet und man kauft dem Autor jeden einzelnen von ihnen ab. Der Schreibstil lässt sich unkompliziert lesen, die Handlung verfliegt ebenso schnell, wie die Jahre, die Daniela fort bleibt. Insgesamt ist das ein sehr gelungenes Werk, das ich uneingeschränkt weiterempfehle.
Der Luxus der einen als Herausforderung der anderen
von dj79 - 12.10.2021
Eine Fernbeziehung ist nicht für jeden Charakter eine gute Wahl. Aber wie verhält es sich, wenn sich die Fernbeziehung auf eine ganze Familie bezieht und wenn die Zusammenkünfte auf Geburtstage und Feiertage beschränkt sind? Mit dieser Frage setzt sich Marco Balzano in seinem neuen Roman "Wenn ich wiederkomme" auseinander. Daniela ist eine engagierte Mutter, die wie die meisten Mütter möchte, dass es den eigenen Kindern später mal besser geht als ihr jetzt. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine gute Ausbildung, besser noch ein abgeschlossenes Studium in einem lukrativen Fach. Um ihren Kindern diese Bildungschance sowie ein komfortables Leben zu finanzieren, verlässt sie ihre Heimat Rumänien in Richtung Italien, um dort betagte Menschen zu pflegen, was deutlich besser bezahlt ist als ihr bisheriger Bürojob. Der Roman selbst erzählt nun aus drei Perspektiven, wie sich das Leben in Dauertrennung anfühlt. Zunächst kommt Danielas Sohn Manuel zu Wort. Er schildert seine Einsamkeit, erzählt von seinen schulischen Eskapaden, von seinen Problemen. Selbst bei verwöhnten Kindern sieht glücklich sein anders aus. Er machte mir einen überforderten Eindruck. Schließlich hatte Daniela ihre Entbehrungen für die Kinder mit einer Erwartungshaltung verknüpft. Danielas Part hat einen reflektierenden Charakter. Sie blickt auf die Zeit in Italien und ihre Versäumnisse zu Hause zurück. Ihre Gedanken haben einen Charme von Abwägen, was wäre wohl gewesen, wenn sie zu Hause geblieben wäre. Im letzten Teil des Romans wagt die Tochter Angelica einen Rückblick. Sie musste schnell erwachsen werden, den Bruder bei Laune halten, damit er sich schulisch nicht zum Totalausfall entwickelt. Die aufgewendete Zeit dafür hätte sie lieber in das eigene Lernen investiert. Obwohl ich die jeweilige Perspektive der drei Hauptcharaktere gut nachvollziehen konnte, hat sich keine Nähe oder echte Zugewandtheit entwickelt. Die Drei blieben für mich auf Distanz. Ich habe mich eher als Beobachter der Situation empfunden, war nicht hineingezogen. Nachdem ich den Vorgänger "Ich bleibe hier" mit Begeisterung gelesen habe, weil ich mit den Charakteren fiebern konnte, hätte ich mir hier ebenfalls mehr von der Geschichte ausgelöste Emotion gewünscht. Die Aufbereitung des Textes wirft zwar verschiedene Blickwinkel auf die Trennungsgeschichte, durch die Realisierung in aufeinanderfolgenden Teilen, ergibt sich allerdings ein sehr geradliniger Schreibstil. Dieser lässt sich einerseits flüssig lesen, wirkt literarisch gesehen andererseits nicht so hochwertig wie der Vorgänger. Es entsteht keine echte Komplexität. Ich habe Danielas Geschichte trotzdem gern gelesen, mir fehlte nur der letzte Pfiff, das i-Tüpfelchen sozusagen.
Gradwanderung
von Sophie H. - 12.10.2021
Rumänien: Eines guten Morgens ist sie einfach weg! Daniela hat Knall auf Fall ihre Familie verlassen. Ausführlich in den vorangegangenen Wochen geplant, aber ohne darüber ein Wort gegenüber ihrer Familie zu verlieren. Daniela lässt zwei pubertierende Kinder zurück: Angelica und Manuel. Um die Kinder sollen sich ihr trinkender Mann und die Großeltern kümmern. Daniela will nach Italien. Dort werden fleißige Frauen wie sie gebraucht, die sich um Alte, Kranke oder Kinder kümmern. Sie will dort viel Geld verdienen, damit ihre Kinder ein privates Gymnasium besuchen können und danach studieren können. Natürlich will sie nur kurz wegbleiben, aber dann kommt alles anders. Das Arbeiten in Italien ist kein Zuckerschlecken. Der Kontakt zu ihren Kindern besteht nur noch aus kurzen Telefonaten am Abend und Stippvisiten mit Geschenken aus Italien. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Wie geht es ihren Kindern damit? Zwar können sie nun eine tolle Schule besuchen und werden mit Geschenken von der Mutter überhäuft, doch die Mutter fehlt. Noch dazu in einer sehr wichtigen Entwicklungsphase, in der die Kinder erwachsene Bezugspersonen so dringend brauchen. Dann wandert auch noch der Vater ins Ausland ab. Als dann noch der Großvater stirbt, verliert Manuel sämtlichen Halt und hat einen folgenschweren Unfall. Wird die Familie durch diesen Unfall aufwachen und wieder zusammenwachsen können? Unaufgeregt erzählt Marco Balzano diese Geschichte von einer rumänischen Arbeiterin, die Land und Familie verlässt. Doch er erzählt sie nicht nur aus der Sicht von Daniela, sondern auch die Kinder Manuel und Angelica kommen zu Wort. Mich hat das Buch sehr nachdenklich gemacht. Auch hier bei uns in der Gegend gibt es osteuropäische Frauen, die in der Landwirtschaft oder in der Pflege arbeiten. Genügsam, rund um die Uhr, ohne Sonntage und Feiertage. Tut man ihnen wirklich etwas Gutes, wenn sie hier beschäftigt werden? Oder zerstört man vielleicht sogar ganze Familien? Darüber hatte ich mir vor dem Lesen noch nie Gedanken gemacht. Der Schreibstil von Balazano ist so einfach wie die Menschen, von denen die Geschichte handelt. In drei Teilen wird jeweils aus der Perspektive einer anderen Person jeweils in der Ich-Form erzählt. Dadurch konnte ich mich sehr gut in die Personen hineinversetzen. Schon nach kurzer Zeit hat sich so ein Lesesog entwickelt, dass ich das Buch kaum beiseitelegen konnte. Von mir die volle Leseempfehlung!
Facetten der interfamiliären Entfremdung
von jenvo82 - 12.10.2021
So ist es eben: Solange du nicht die Augen öffnest, geht kein Problem, keiner der Schrecken, die sich jeden Tag ereignen, mich etwas an. Inhalt Manuel Matei wird als Kind von der Mutter zurückgelassen, bei seiner großen Schwester, dem Vater und den Großeltern, denn Daniela, seine Mutter geht nach Italien, um die Familie in der rumänischen Heimat finanziell über Wasser zu halten. Ihre beiden Kinder sollen es einmal besser haben, sollen die Möglichkeit auf eine höhere Bildung bekommen und damit die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Und während Angelica Matei zu Hause die Stellung hält und in ihrer Jugend bereits die Verantwortlichkeiten einer Erwachsenen übernimmt, zieht sich der Vater immer mehr aus dem Familienalltag zurück, begibt sich schließlich als Kraftfahrer auf die Straße und kehrt seinem Zuhause ebenfalls den Rücken. Als schließlich der Großvater stirbt, sieht sich Manuel in einer ausweglosen Situation - wo nur sind seine Bezugspersonen geblieben, wohin ist seine Familie geflohen, warum sieht keiner die Probleme vor Ort und welche Chancen bleiben ihm, wenn er es nicht schafft, sie alle wieder zu vereinen Meinung Auf den neuen Roman des italienischen Autors Marco Balzano war ich sehr gespannt, nachdem mich seine beiden Bücher Ich bleibe hier und Das Leben wartet nicht nachhaltig beeindrucken konnten. Das Dilemma einer Mutter, die sich gezwungen sieht, ihren Lebensunterhalt außerhalb der Familie zu verdienen und die damit einen schmerzlichen Trennungsprozess auslößt, ihn jeden Tag mit sich herumträgt und zwischen Bangen, Zweifeln und Hoffen auf ein Ende dieses Zustands spekuliert. Eindeutig ein interessantes Thema, mit ganz vielen Facetten, mit der unausgesprochenen Frage nach der Schuld und dem eklatanten Mangel eines direkten Schuldigen. Und dem Autor ist es durch diesen zeitgenössischen Roman tatsächlich gelungen, mich für die Belange der Familien zu sensibilisieren, mich in ihre Lage zu versetzen und mir ein Bild zu machen über dieses fremdbestimmte, unfreiwillige Lebenskonzept jenseits der Heimat, weit weg von den geliebten Menschen. Allerdings findet dieser Prozess eine sehr sachliche, fast neutrale Umsetzung, so dass ich tatsächlich mehr die Fakten als die Emotionen verstehen konnte. Positiv bewerten möchte ich die drei gewählten Perspektiven, die es möglich machen einen umfassenden, weil nicht nur einseitigen Blick auf das Geschehen zu erhalten. Es spricht der Sohn, der die Entscheidung seiner Mutter nicht nachvollziehen kann, es spricht die Mutter und erzählt aus ihrem Alltag in der Fremde und dem Gedankenkarussel bezüglich ihrer einsamen Entscheidung und letztlich hört der Leser die Ausführungen der älteren Tochter, die zwar die Notwendigkeit erkennen konnte, der aber nun nur ein Wunsch geblieben ist - es anders zu machen, als ihre Mutter. Die entsprechende Gesellschaftskritik wird umfassend und vielschichtig vermittelt, der Leser erkennt auf der emotionalen Ebene, wie traumatisch eine derartige Lebensweise ist und wie nachhaltig und unwiderruflich sie Familien trennt, weil sie vor allem Mütter und Kinder entfremdet und Ehen zerstört. Allerdings berührt mich der Text längst nicht so sehr wie erhofft, weil eben so viel Wert auf eine verständnisvolle Schilderung der Umstände gelegt wird. Dieses Buch besitzt viel Allgemeingültigkeit und verzichtet dafür auf eine kleine Geschichte, die tatsächlich in die Tiefe geht und intensive Emotionen auslöst. Die Charaktere bleiben mir etwas zu blass, sie scheinen eher sinnbildlich für gewisse Rollenbilder zu stehen, denen sie wiederrum gerecht werden. Das Nachwort finde ich sehr aufschlussreich, weil darin deutlich wird, welchen Fokus der Autor gewählt hat. Dieser Roman soll der Versuch einer Wiedergutmachung sein - Marco Balzano hat den tatsächlichen Menschen hinter den hier gewählten Protagonisten zugehört, hat sich die Stimmen der Frauen und Kinder angehört, die das gleiche Schicksal teilen wie die Familie Matei und daraus seine Story geschmiedet. Fazit Ich vergebe gute 4 Sterne für ein wichtiges Buch, welches von zahlreichen Eindrücken und Gedanken lebt. Es ist eine hervorragende Grundlage für diverse Diskussionen bezüglich gesellschaftlich relevanter Themen, die direkte Auswirkungen auf das Familienleben Einzelner haben. Mir hätte die Geschichte aber besser gefallen, wenn sie persönlicher, trauriger und emotionaler geworden wäre, meinetwegen auch etwas entfremdet zu den realen Begebenheiten, dafür mit Menschen, die ich nicht nur kennenlerne über ihre Handlungen, sondern in erster Linie über meine Identifikationsmöglichkeiten mit ihnen. Dem Autor bleibe ich treu, er wählt für mich sehr lesenswerte Geschichten, die er literarisch ansprechend umsetzt.
Kein Platz für Tränen
von Moma58 - 11.10.2021
Was macht eine Frau aus Osteuropa, wenn sie einer ordentlichen Arbeit nachgehen will und ihren Kindern ein Studium oder eine Lehre ermöglichen möchte? Sie sucht sucht sich, wie im Roman sehr anschaulich von Marco Balzano beschrieben, Arbeit in einem reichen Land, um bei fremden Menschen als Pflegerin oder Kindermädchen zu arbeiten. In Wenn ich wiederkomme erzählen die eigentliche Heldin des Romans Daniela, ihr Sohn sowie ihre Tochter in drei von einander getrennten Erzählsträngen dieses entbehrungsreiche und harte Leben. Der Vater wird zwar erwähnt, darf aber seine Sicht auf die Dinge nicht kundtun. Marco Balzano erzählt ohne Schnörkel, klar, teileweise sehr schlicht und nüchtern, wie es diesen Frauen (hier ist es die Protagonistin Daniela) in der Fremde ergeht. Warum sie ihre Familien verlassen und wie schwer dies teilweise zu ertragen ist. Daniela trifft - als ihrem Sohn etwas zustößt, eine Entscheidung ... Auf gut 300 Seiten, in einem angenehmen Schreibstil, entstand so ein Bild, welches den Leser nachdenklich stimmt und Fragen nach dem WARUM entstehen lassen. Es ist wieder einmal ein echter Balzano . Einer, der ins Herz trifft.
Die Zurückgelassenen
von Island - 11.10.2021
Von Marco Balzano kenne ich bereits seinen vorangegangenen Roman, der in der Gegend um den Reschensee um den Zweiten Weltkrieg herum spielt. Sein neuestes Werk handelt nun im Rumänien der Gegenwart und beschäftigt sich mit dem Schicksal rumänischer Familien, bei denen die Mutter in eines der wohlhabenderen Länder Europas geht, um ihren Kindern einen gewissen Lebensstandard bieten zu können. Daniela verlässt in einer Nacht und Nebelaktion ihren Mann, der beruflich nicht viel auf die Reihe bekommt und ihre beiden Kinder im Teenageralter, um in Italien mehr Geld zu verdienen. Erzählt wird die Geschichte dann aber weitgehend aus der Perspektive der in Rumänien zurückgelassenen Kinder, denen die Mutter fehlt, obwohl sie mittlerweile aus dem Gröbsten raus sind. Das können auch westliche Luxusartikel wie Spielekonsolen und Smartphones nicht kompensieren. Manuel steckt mitten in der Pubertät und kommt auf der, vom Geld der Mutter finanzierten Privatschule, die ihm einen Weg in eine bessere Zukunft ebnen soll, nicht gut klar und auch seiner Schwester Angelica fehlt die Mutter. Durch den gut verständlichen und zugleich anschaulichen und authentischen Schreibstil von Marco Balzano kann man sich sehr gut in die Gefühlswelt der Geschwister hineinversetzen und Marco Balzano ist so ein sehr wichtiger und lesenswerter Roman gelungen, der den Fokus auf die legt, die bei der Thematik der osteuropäischen Arbeitskräfte, die bei uns für einen Mindestlohn arbeiten, gern übersehen werden.
Absolut empfehlenswert
von Sassenach123 - 10.10.2021
Absolut empfehlenswert Der Autor nimmt den Leser in seinem neuen Roman auf eine sehr erschütternde Reise mit. Daniela lebt in Rumänien, doch sie und ihre Familie sind sehr arm, das Leben ist gezeichnet von Entbehrungen, doch Daniela möchte etwas anderes für sich und ihre Familie. Und so verlässt ihren Mann, ebenso wie ihre Kinder, um woanders Geld zu verdienen. Sie will in Italien als Altenpflegerin arbeiten. Die Idee, es für die Kinder besser zu machen geht zwar auf, doch sie zahlt einen hohen Preis dafür, denn die Kinder ziehen sich zurück, sprechen nach einiger Zeit nicht mal mehr am Telefon über persönliches mit ihr. Sie ist nicht mehr in der Nähe der Familie, eine gewisse Distanz entwickelt sich. Und nicht nur Daniela geht diesen Schritt, auch ihr Mann entschließt sich woanders zu arbeiten. Geht sowas gut? Kann man Kinder sich selbst überlassen, auch wenn sie schon älter sind? Dieser Frage stellt sich der Autor, indem er die Erlebnisse der Kinder, Manuel und Angelica, durchleuchtet. Aber auch Danielas Sicht und Gedanken zu dieser Situation werden im weiteren durchleuchtet. Der Autor stellt die Vorzüge gegen die Nachteile. Daniela muss erkennen, dass am Ende vielleicht nicht immer das ,was man als das Beste ansieht auch das Beste ist. Doch wer ist schon in der Lage dies vorher abzuschätzen. In meinen Augen hat Daniela einen mutigen Schritt gewagt, zum Wohl der Familie. Sie hat vieles in Kauf genommen um das Leben ihrer Familie zu verbessern. Im Gegenzug muss sie nun mit dem Leben, was übrig geblieben ist. Der Roman ist sehr gelungen, da der Autor ein Gespür für Emotionen hat. Er haucht seinen Protagonisten Leben ein und lässt sie durch schwere Zeiten gehen. Eine Leseempfehlung spreche ich sehr gerne aus!
Ein Maß Bitterkeit
von Melba - 10.10.2021
Ein ruhiges Cover, mit einem Mann, der scheinbar arbeitet. Der Zusammenhang zum Buch erschliesst sich kaum. Es bringt eine gewisse Einsamkeit zum Ausdruck, die das Buch in einer viel deutlicheren Schwere darstellt. Das Buch selbst ist in drei Teile untergliedert. So werden die Perspektiven von Sohn, Mutter und Tochter verdeutlicht. Alles beginnt mit der Darstellung eines kleinen Jungen, in dem Moment, als die Familie festgestellt, dass die Mutter die Familie verlassen hat um in einem anderen Land Geld zu verdienen. Es widerspricht dem Titel und man ist erstmal etwas ratlos, weil der junge Ich-Erzähler aus seiner Sicht schildert, was passiert ist, aber vor allem, was er empfindet. Erst im zweiten Teil bekommt die Mutter das Wort und es wird klar, warum der Titel so gewählt ist und der Autor arbeitet immer mehr heraus wie weitreichend die Entscheidung der Mutter ist, wie viele Leben sich dadurch verändert haben. Der Autor wertet nicht, ob es mit der Mutter besser gewesen wäre, sondern macht spürbar wie sehr die Betroffenen jeder auf seine Weise leidet, nach Halt sucht, nach Zusammenhalt. Das Buch enthält eine gewisse Schwere und Bitterkeit, wirkt recht traurig und ist dennoch wundervoll erzählt.
Der Preis für ein besseres Leben
von Barbara T. - 09.10.2021
Heimlich verlässt Daniela ihre Familie um in Italien als Altenpflegerin zu arbeiten. Der Job soll ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen; eine gute schulische Ausbildung und ein Leben ohne finanzielle Probleme. Doch der 14-jährige Sohn Manuel und seine acht Jahre ältere Schwester Angelica können die Entscheidung ihrer Mutter nicht akzeptieren. Das Gefühl verlassen zu werden verstärkt sich, als kurze Zeit später auch der Vater weggeht, um in einem fremden Land nach Arbeit zu suchen. Auch Daniela ist in Italien unglücklich. Sie vermisst ihre Familie und leidet unter der spürbaren Ablehnung ihrer Kinder. Als sie vom schweren Unfall ihres Sohnes erfährt, fährt sie sofort nach Rumänien zurück. Im Krankenhaus weicht sie nicht vom Bett ihres schwer verletzten Sohnes ab und erzählt Manuel, der nicht ansprechbar ist, ihre Geschichte. Es ist eine bewegende Geschichte, die Danielas Beweggründe und ihre Pläne klar und überschaubar macht. Trotzdem kann mich Daniela als Mutter nicht überzeugen. Zwar kann ich ihre Gefühle und Ängste besser verstehen, aber mir fehlt das Verständnis für ihr Verhalten. Der Grund dafür ist mit aller Wahrscheinlichkeit der Anfang dieser Geschichte, der aus Sicht von Manuel im ersten Teil des Romans erzählt wird. Der Titel dieses Abschnitts "Wo bist du" unterstreicht klar und deutlich, wie schmerzhaft Mutters heimliches Weglaufen für den 14-jährigen Manuel ist. Es ist der Teil des Romans, der mich am meisten berührt hat. Im dritten Teil des Buches kommt Angelica zu Wort. Auch bei ihr haben die Entscheidungen der Eltern tiefe Spuren hinterlassen und neue Weichen für ihre Zukunft gestellt. In dem Roman "Wenn ich wiederkomme" spricht Marco Balzano einige wichtige Probleme unserer europäischen Gesellschaft an. Es ist vor allem die Migration auf der Suche nach Arbeit. Und es ist auch die immer älter werdende Gesellschaft, die Pflege und Betreuung benötigt. Diese undankbaren Aufgaben übernehmen vor allem Frauen aus den Ländern, in denen der Lebensstandard niedriger ist als in dem ersehnten "Traumland". Im Roman von Marco Balzano ist Italien dieses Traumland. Danielas Traum vom angeblich besseren Leben in Italien bekommt den Namen "Italienkrankheit". Nüchtern und kompromisslos erzählt Balzano von den schlimmen Nebenwirkungen dieser "Krankheit", über ihre Auswirkung auf die Betroffenen und auf ihre Familien. Er skizziert schonungslose Bilder der harten Realität, bewegt zum Nachdenken und Wiedergutmachung. Ein bemerkenswerter Roman!
ein Buch zum Nachdenken
von Bücherbärin - 08.10.2021
Das Buch Wenn ich wieder komme von Marco Balzano hat mir sehr gut gefallen und mich zum Nachdenken gebracht. Die Aufmachung des Buches ist hochwertig, mit Leineneinband und Schutzumschlag. Leider fehlt ein Lesebändchen. Das Cover passt perfekt zum Inhalt des Buches. Erzählt wird die Geschichte von Daniela, die als Pflegekraft aus Rumänien nach Europa reist. Sie möchte ihrer Familie, insbesondere ihren beiden Kindern eine bessere Zukunft und Ausbildung bieten. Doch dafür müssen alle Familienmitglieder Entbehrungen auf sich nehmen. Durch ihre Abwesenheit zerfällt ihre Familie fast. Marco Balanzo spricht in seinem Buch ein Thema an, das kaum Beachtung findet. Viele Frauen aus Osteuropa verlassen ihre Familien um in West-oder Südeuropa als Pflegekraft zu arbeiten. Zurück bleiben die Familienangehörige, die mit ihren Sorgen alleine sind. Das Buch hat mich sehr gefesselt. Die Charaktere wurden gut herausgearbeitet, lediglich den Vater konnte ich mir nicht so gut vorstellen. Der Schreibstil von Marco Balanzo gefällt mir sehr gut. Trotz des ernsten Thema hatte ich Spaß am Lesen und es kam keine Langeweile auf. Auch die kurzen Kapitel haben mich überzeugt. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung !! Nach Büchern von Marco Balzano werde ich demnächst Ausschau halten, sein Buch hat mich wirklich sehr gut unterhalten.
Berührend
von Katrin - 08.10.2021
Berührend Bei dem Buch ist mir zuerst das Cover aufgefallen. Dieser Lichtkegel, der zu der Frau geht. Sie kurz streift und sonst doch im Dunklem lässt. Wer ist sie und was ist wohl ihre Geschichte? Ihre Geschichte ist traurig und berührend. Sie dreht sich darum, wie weit eine Mutter geht um ihren Kindern etwas besseres geben zu können. Doch ist das das Beste? Oder sollte sie doch lieber bei ihren Kindern sein? Wir begleiten verschiedene Perspektiven und Gedanken. Ich finde es immer spannend, wenn Bücher nicht nur eine Sichtweise erzählen, sondern wir mehrere bekommen. So kann man sich als Leser ein viel besseres Bild machen und einige Vorkommnisse objektiver betrachten. Ich hätte es nur ein bisschen angenehmer gefunden, wenn die Kapitel mit den Namen überschrieben gewesen wären. Sodass man nicht 2, 3 Sätze braucht um zu wissen bei wem man gerade ist. Doch sonst ist es für mich ein sehr gutes Buch. Ich habe zudem auch einiges über die Gastarbeiter lernen können bzw. mich danach noch etwas mehr mit dem Thema auseinander gesetzt. 5 Sterne von mir!
Spannende Perspektive
von Lara - 07.10.2021
Der Roman Wenn ich wiederkomme von Marco Balzano hat mich wirklich komplett überzeugt und auch sehr berührt. Allein die Aufmachung des Buches ist sehr passend: Das schlichte Cover und der flexible und gleichzeitig stabile Einband sowie das Schriftlayout. An den Schreibstil des Autors muss man sich erst etwas gewöhnen, nach wenigen Kapiteln liebt man ihn aber. Etwas schwerer fiel es mir, mich an die Perspektiv-Wechsel zu gewöhnen und da immer mitzukommen. Was mich an dem Buch am meisten überzeugte, war allerdings die Perspektive, aus der die Geschichte geschrieben ist. Die Sichtweise von einer Mutter aus Rumänien, die nach Italien zieht um Geld nach Hause an ihre Familie schicken zu können. Das passiert so oft und wird leider viel zu wenig thematisiert. Gut, dass Baldazoni genau diese Perspektive wirklich sehr gut eingenommen hat und damit eine extrem spannende und authentische Geschichte geschrieben hat, in der es ganz nebenbei auch um Bildung, Privilegien und prekäre Arbeitsverhältnisse geht!
Du sollst es mal besser haben .
von Igela - 05.10.2021
Daniela arbeitet als Pflegekraft bei dem unter Demenz leidenden Giovanni in Mailand. Dafür hat sie in Rumänien ihren Mann und Kinder allein gelassen. Vor allem dem achtjährigen Manuel fällt der Abschied von seiner Mutter schwer. Er hat plötzlich Probleme in der Schule und gerät in falsche Kreise. Dabei hat Daniela die Familie verlassen, damit es ihre Kinder einmal besser haben. Durch ihren Lohn sollen Angelica und Manuel ein sorgenfreies Leben haben und eine gute Ausbildung machen. Marco Balzano arbeitet ein Thema auf, das auch im realen Leben an Brisanz einiges bietet. Frauen, die aus Osteuropa stammen und als Pflegekräfte überall in der westlichen Welt alte Menschen betreuen. Dies meist ohne festen Vertrag und damit ohne Krankenversicherung oder Erwerbsersatz. Harte Arbeit für einen Lohn, für die keine einheimische Pflegekraft gefunden werden könnte. Meist sind diese Frauen 6 Tage die Woche, Tag und Nacht für den Patienten verantwortlich und leben auch direkt mit ihm zusammen. Von Ausbeutung zu sprechen, liegt hier nahe. Dieser Aspekt nimmt einen großen Teil der Geschichte ein und hat mich schockiert. Vor allem, weil bekannt ist, dass viele osteuropäische Frauen genau so arbeiten. Zwar hat der Autor darauf verzichtet, detailliert die harte Arbeit zu schildern. Als Leser kann man sich jedoch zusammenreimen, wie belastend die Arbeit und vor allem die Isolation für die Frauen ist. Weniger hat mir der Einstieg in die Geschichte gefallen. Dort steht Manuel im Mittelpunkt, mit dem ich meine liebe Mühe hatte. Denn Manuel ist verwöhnt, fordert unentwegt, gerät in falsche Kreise, experimentiert mit Drogen und will das Gymnasium abbrechen. Dies klischeehaft unter dem Deckmäntelchen "verlassenes Kind". Es kommt, wie es kommen muss. Manuel geschieht etwas, was seine Mutter zurück nach Rumänien fahren lässt. Von da an begleitet sie ihr schlechtes Gewissen, ihre Kinder im Stich gelassen zu haben. Was ihr auch Tochter Angelica konstant unter die Nase reibt. Mir hat Daniela unendlich leidgetan. Da verlässt sie ihr gewohntes Leben, arbeitet unter fast unmenschlichen Bedingungen, setzt ihre Ehe aufs Spiel, um ihren Kindern ein Studium zu ermöglichen. Die Kinder jedoch honorieren dies überhaupt nicht, sondern verurteilen ihre Mutter und benehmen sich wie verzogene Gören. Der Autor hat die Geschichte als Erzählung gestaltet, die direkte Rede wurde sehr rar eingesetzt. Dadurch wirkte die Geschichte auf mich emotionslos. Zwar spürt man zwischen den Zeilen, was eine Figur fühlt und wie es ihr geht. Ab und zu hätte ich mir jedoch eine tiefer gehende Regung oder einen emotional geführten Dialog gewünscht. Der Schreibstil ist einfach gehalten und ausdrucksstark. Das Buch ist in drei Teile gegliedert. In je einem Teil erfährt man die Sicht von Manuel, Daniela und Angelica, was die Geschichte einerseits vielseitig macht und andererseits zeigt, wie unterschiedlich die einzelnen Figuren mit dem großen Einschnitt im Familienleben umgehen.
Alles für die Kinder, aber auch für die Familie?
von misspider - 05.10.2021
Eine Mutter verlässt ihre Familie in Rumänien, um in Mailand als Altenpflegerin zu arbeiten. Während die Mutter glaubt, mit diesem Schritt das Beste für ihre Kinder zu tun, indem sie ihnen eine gute Schulbildung auf den besten Schulen ermöglicht, sehen die Kinder den Weggang der Mutter ganz anders. Angefangen mit der Perspektive des Sohnes Manuel, erzählt das Buch reihum, wie es den Beteiligten dabei geht. Manuel fühlt sich allein gelassen, er kommt mit der neuen Situation nur schlecht klar. Ohne den Halt, den ihm seine Mutter gegeben hat, rutscht er ab. Die Mutter, Daniela, fühlt sich ungerecht behandelt - die undankbaren Kinder stellen am Telefon immer neue Forderungen, während sie sich abschuftet. Die Tochter sieht sich ihrer Freiheit beraubt, als sie quasi als Ersatzmutter die Aufgaben von Daniela übernehmen muss. Ein schlimmer Schicksalsschlag führt die drei auseinander gedrifteten Familienmitglieder schließlich wieder zusammen. Mit viel Gefühl und einem Blick für die kleinen Dinge des Lebens erzählt der Autor ein bewegendes, aber nicht ungewöhnliches Schicksal über die Frauen, die aus dem Ausland, wo sie keine Arbeit finden, nach Italien kommen, um dort in Pflegeberufen, oft in Schwarzarbeit, Geld für die Familie zu verdienen. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass das Familienleben auf der Strecke bleibt oder ganz zerbricht. Es ist eine Zwickmühle: getrieben von dem Willen, den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, nehmen sie ihnen doch gleichzeitig das, was für ein Kind besonders wichtig ist: eine Mutter, die sich kümmert, die einfach wirklich da ist - und nicht nur auf dem Handy-Bildschirm zu sehen. Geschickt zieht einen der Autor im ersten Kapitel auf die Seite der Kinder: wie konnte die Mutter uns allein lassen?, nur um diese verständliche, aber einseitige Meinung im anschließenden Teil, der aus der Sicht der Mutter geschrieben ist, ins Wanken zu bringen und in Frage zu stellen. Es gibt hier keine Verlierer oder Gewinner, keine Verräter oder Zurückgelassenen: beide Seiten leiden unter der Situation, die sie lediglich auf unterschiedliche Weise wahrnehmen. So haben nicht nur die Kinder ihre Mutter, sondern auch die Mutter ihre Kinder verloren. Ein weiteres, sehr eindringliches Buch des Autors, das nachdenklich stimmt.
Alles für die Familie
von Readaholic - 04.10.2021
Daniela lebt mit ihrer Familie in Rumänien. Die Gegend ist arm, Jobs sind rar gesät. Ihr Ehemann ist seit Jahren arbeitslos, sie ist allein dafür verantwortlich, die Familie zu ernähren. In einer Nacht- und Nebelaktion verlässt sie Rumänien, um wie tausende andere osteuropäische Frauen in Italien als Altenpflegerin zu arbeiten. Vor allem ihr Sohn Manu trägt ihr dies nach. Er versteht nicht, wie die Mutter sie zurücklassen konnte, um sich -vermeintlich - in Italien ein schönes Leben zu machen. Manu, der immer ein guter Schüler war, lässt in seinen Leistungen nach. Angelica, die ältere Schwester, kommt besser mit der Situation klar. Dann macht sich auch noch der Vater auf und davon, um anderswo Arbeit zu finden. Fortan kümmern sich die betagten Großeltern, vor allem der Großvater, um die beiden Jugendlichen. Der erste Abschnitt des Buchs wird aus Manus Perspektive erzählt, im zweiten kommt die Mutter Daniela zu Wort. Der Leser erfährt, welch hartes Leben sie in Italien führt. Sie arbeitet schwarz und ist praktisch rund um die Uhr für den alten Mann verantwortlich, dessen Pflegerin sie ist. Das Highlight ihrer Tage sind die abendlichen Telefongespräche mit der Heimat, doch Manu wird immer einsilbiger, er "bestraft" sozusagen die Mutter für ihren angeblichen Verrat. Daniela nimmt all die Strapazen auf sich, weil sie möchte, dass ihre Kinder es einmal besser haben sollen als sie, sie will ihnen eine gute Schulbildung ermöglichen. Angelica ergreift die Chance und studiert, doch Manu hat kein Interesse am Gymnasium, das er besucht. Er würde am liebsten auf die Landwirtschaftsschule wechseln und wie sein Großvater das Land bearbeiten. Als der Großvater stirbt, bricht Manus Welt zusammen. Dann geschieht ein Unglück und Daniela kehrt nach Rumänien zurück. Viel ist in der Zwischenzeit passiert, die Kinder haben sich von ihr entfremdet, der Mann ist weg, die Heimat fühlt sich nicht als solche an. Hat sich ihr Opfer gelohnt? War es die richtige Entscheidung, nach Italien zu gehen? Diese und viele weitere Fragen wirft dieses eindringliche Buch auf, das die Situation der vielen Pflegekräfte aus dem Osten beleuchtet. Ein ganz und gar lesenswertes Buch, das unter die Haut geht.
Tragische Familiengeschichte der heutigen Zeit
von Karen - 03.10.2021
Daniela ist Mutter zweier Kinder. Für einen Job in der Pflege verlässt sie ihre Heimat und zieht nach Rumänien, um mehr Geld zu verdienen und um ihren Kindern damit eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Dabei steht sie stellvertretend für viele Frauen. Die Geschichte wird aus der Sicht ihres Sohnes, ihrer Tochter und Danielas Sicht erzählt. Dabei wird schnell klar, wie unterschiedlich alle drei mit der Situation umgehen und wie schmerzhaft sie für alle sind. Tröstlich ist dabei das Verhältnis zwischen den Geschwistern und ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, was es für die Tochter bedeutet, so eine Verantwortung auf sich zu nehmen. Und so wie auch Daniela, frage ich mich als Leser: was hätte ich gemacht? Alle drei Sichtweisen sind für mich nachvollziehbar, auch wenn das Ergebnis dabei so traurig macht. Liegt es dann nicht viel mehr an der Politik, Bedingungen zu schaffen, wo keine Mutter eine solche Entscheidung treffen muss?
Migrantin für ihre Familie
von Emmmbeee - 02.10.2021
Eine Situation, die uns geläufig geworden ist: Eine rumänische Familie ohne Perspektiven, die Kinder sollen es einmal besser haben und studieren können. Der arbeitslose Vater verheißt großspurig, dass er das verfallene Häuschen zu einem Palast zurechtrenovieren werde, wenn er nur etwas Geld hätte. Die Mutter sieht als einzig lohnendes Einkommen eine Pflegetätigkeit in Italien und emigriert. Dass mit den nun fließenden Einkünften auch diverse Probleme entstehen, die der Familie bald über den Kopf wachsen, liegt auf der Hand. Aus der Sicht des zurückbleibenden Sohnes Manuel, von Mutter Daniela und Tochter Angelica schildert Marco Balzano in drei Kapiteln die Auswirkungen der elterlichen Bemühungen um die Zukunft ihrer Kinder. Während Vater Philip bald mit dem Geld das Weite sucht, bleibt die Sorge um Manuel an Tochter Angelica und der Großmutter hängen. Daniela sendet ihren Lohn nach Hause, doch Dank erntet sie dafür nicht. Es ist berührend, wie die Mutter ihrem Sohn im Koma von der harten Arbeit in Italien erzählt. Ihr gehört meine Sympathie. Die Kinder sind halt Kinder und können noch nicht gerecht urteilen. Tochter Angelica setzt sich jedoch selbstlos für ihren Bruder ein. Der Vater hingegen spielt eine jämmerliche Rolle: Erst ist er gegen eine Auswanderung seiner Frau, dann lässt er seine Kinder vollends im Stich. Wir im sogenannten Westen nehmen gern die Dienste dieser Pflege-Migrantinnen in Anspruch und wissen doch so wenig über die Hintergründe. Aus den Erfahrungen von Freunden kann ich mir vorstellen, dass der Sachverhalt authentisch geschildert worden ist. Unaufgeregt, aber eindrücklich erzählt Balzano vom erdrückenden Schicksal und der Not dieser Familie. Seine Sprache ist sehr plastisch, farbig, lebendig, die Spannung ist rasch aufgebaut und wird gehalten bis zum Schluss. Der Roman geht zu Herzen. Das Coverbild zeigt eine Frau, die aus dem Dunkel in eine hellere Welt schaut: sinnvoll ausgewählt. Ich lege das Buch all jenen ans Herz, die um die schweren Entscheidungen dieser tapferen Frauen wissen, vielleicht schon ihre Dienste in Anspruch genommen haben. Aber auch allen anderen, die offen sich für die Problematik von Emigration und Familie.
klasse Buch
von gagü - 01.10.2021
In dem Roman von Marco Balzano mit dem Titel Wenn ich wiederkomme geht es um die Geschichte einer Familie. Erzählt wird die Geschichte von 3 Personen. Jeweils aus der Sicht von dem Sohn Manuel, der Mutter Daniela und Tochter Angelika . Die Mutter Daniela verlässt Rumänien und ihre Familie um in Italien Geld zu verdienen. Von ihrem Mann und dem Vster ihrer Kiner ist scheinbar nicht zu erwarten , dass er Held nach Hause bringt um unter anderem den Kindern eine gute Schulausbildung zu ermöglichen. Das nicht nur der Vater unter dem Verlust seiner Frau leidet ist verständlich. Während Tochter Angelika das Leben ohne ihrer Mutter gut im Griff zu haben scheint, leidet Sohn Manuel doch mehr unter dem Verlust. In Abständen kommt Daniela Heim zu ihrer Familie. Und dann verschwindet auch noch der Vater ..... Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Schnell war ich gefesselt und konnte das Buch schwer aus der Hand legen. Ein kleines Buch vollgepackt mit spürbaren Emotionen, wie Verzweiflung, Trauer und viel mehr. Vor allem mit Liebe .ich kann das Buch nur weiterempfehlen, absolut lesenswert.
Anrührend und aufschlussreich
von Sursulapitschi - 01.10.2021
Dieses Buch geht unter die Haut. Von der "Italienkrankheit" habe ich bislang noch nie gehört, noch nicht einmal von der "Deutschlandkrankheit", die wahrscheinlich in Polen auftritt. "Italienkrankheit" ist ein Begriff, der die Situation von Gastpflegekräften in Italien beschreibt, von Frauen, die ihre Familie und ihr Land verlassen haben, um in Italien Alte oder Kranke zu betreuen. Hier zeigt uns Daniela aus Rumänien, wie so etwas aussieht. Sie hat einen arbeitslosen Mann und zwei Kinder, die sie verlässt, um in Italien fremde Menschen zu pflegen. Diesem Beruf hat sie nie gelernt, aber meistens braucht man dafür hauptsächlich Zeit, Nerven und Durchhaltevermögen und es wird gut bezahlt. Sie will unbedingt Geld verdienen, um ihren Kindern eine gute Ausbildung bieten zu können, damit sie es einmal besser haben. Dafür lässt sie sie bei den Großeltern und dem trinkenden Vater zurück. Ist das der richtige Weg? Sehr eindringlich lässt einen Marco Balzano diese Situation miterleben, die sich sogar zu einer Tragödie auswächst. Man nimmt unterschiedliche Positionen ein, mal berichtet Manuel, der zwölfjährige Sohn, mal Angelica, die große Schwester, der die Rolle der Ersatzmutter aufgedrängt wird und dann berichtet Daniela selbst, voller Verzweiflung, weil sie nicht glücklich ist mit ihrer Entscheidung und doch keinen Ausweg sieht. Dieses Buch zielt ohne großes Pathos direkt ins Herz und zeigt dabei alle Seiten der Medaille. Es zeigt ein Problem auf, ohne anzuklagen, hat auch keine Lösung parat, macht aber aufmerksam. Es ist sprachlich nicht ganz so ausgefeilt wie sein Vorgänger "Ich bleibe hier", liest sich trotzdem höchst fesselnd, berührt sehr und rückt ein wichtiges Thema in den Focus, das allgemein kaum Beachtung findet.
Dreistimmiger Familienroman über die Migration, Zurückbleiben und Familie
von Isa.Literature.Love - 30.09.2021
Mit seinem Buch Wenn ich wiederkomme knüpft der Autor Marco Bolzano an seinen Erfolg von Ich bleibe hier an! Wieder thematisiert er in seinem fiktiven Roman das Schicksal vieler, ungehörter Familien. Es geht um Migration, Trennung von Arbeits- und Wohnort, Familien, Frauen bzw. Müttern, die für diese viel risikieren und zurücklassen. Das Buch wird aus drei Perspektiven erzählt: Aus der Perspektive des Sohnes Manuels, der Mutter Daniela und der Tochter Angelika. Nur der Vater kommt nicht als Erzähler zu Wort, was als Stilmittel dafür interpretierbar ist, dass er auch in der Familie wenig zusagen hat. Daniela lässt ihre Familie in Rumänien zurück, um in Norditalien als Pflegekraft Geld für die Familie und insbesondere die Kinder zu verdienen. Dies ist nicht einfach und der Autor gibt hier Migrantinnen eine Stimme und zeigt, wie schwer diese Arbeit ist, mit welchen Entbehrungen, Wünschen, Hoffnungen, Enttäuschungen und Emotionen, dies verbunden sein kann, aber auch, welche Folgen dies für die Familie, die eigenen Kinder und die Frauen selbst (z. B. Die sog. Italienkrankheit) haben kann. Ein berührendes, intensives Buch, das den Blick öffnet und neue Perspektiven aufzeigt. Der Schreibstil ist sehr angenehm und die Lektüre leicht zu lesen. Das Nachwort rundet den Roman sehr ab, würde sich meiner Meinung aber auch als Vorwort sehr gut eignen. Absolute Empfehlung !
Nachdenklich
von marpije - 30.09.2021
Daniela ist eine von die unsichtbaren Frauen aus Osteuropa welche in reicheren Ländern sich um die ältere Leute oder Kinder kümmern, sie hat ihre Familie gelassen in einem kleinen rumänischen Dorf, sie will das Geld verdienen und besonders den Kinder bessere Leben schenken.... aber ob bessere Leben heißt das Geld zu haben? , bessere Klamotte tragen ? neuste technische Schnick Schnack zu haben ? in privaten Schulen zu lernen? studieren ? ....hier kommt der große Zweifel, weil das was Daniela hat ihren Kinder geschenkt war bestimmt keine bessere Leben, außen vielleicht ja aber innen alle haben gelitten und kein Geld ist die psychischen Schaden und inneren Leere wert. Wunderbares leises Buch lässt der Leser nach der Lektüre traurig und nachdenklich, der Autor schreibt einfach über wahre Leben und über einfachen Leuten mit ihren großen Problemen . Die Geschichte ist in drei Strängen erzählt zu erst kommt der Sohn zu Wort und beschreibt die große Leere welche die Mutter gelassen hat, dann erzählt die Mutter warum sie hat das gemacht und am Ende kommen die Vorwürfe von die Tochter. Die Geschichte durch der Unfall ist sehr traurig , das ganze klebt im Kopf und bombardiert ganze Zeit mit Fragen - warum, wozu und was ist besser ? Mir hat sehr gut gefallen dass der Autor verurteilt niemanden, er erzählt, wir sollen lesen, nachdenken und die Wahrheit dort zu erkennen.
von der Familie getrennt
von yellowdog - 29.09.2021
Ein ansprechender Roman über eine Familie aus Osteuropa. Da ist der anfangs 12jährige Manuell, seine 8 Jahre ältere Schwester Angelica und sein Vater Filip Matei. Die Mutter Daniela hat die Familie verlassen. Sie ist zum Arbeiten und Geld verdienen nach Mailand gegangen. So will sie ihren Kindern das Studieren ermöglichen. Im zweiten Teil des Romans wird aus ihrer Perspektive erzählt. Sie hat es als Migrantin nicht leicht und dann hat ihr Sohn auch noch einen schweren Unfall. Man leidet ls Leser sehr mit ihr mit, das schafft natürlich nur ein Buch, das einen packt. Man gewinnt einen Blick in das Leben einer Familie der unteren Mittelschicht und der Migration. Das ist sehr gut gemacht. Aber an Marco Balzanos bedeutenden letzten Roman "Ich bleibe hier" reicht dieses Buch nicht ganz ran. Dennoch ist es natürlich ein wichtiges Thema und unbedingt lesenswert.
Träume von einem besseren Leben
von Magnolia-sieben - 29.09.2021
Moma lässt einen Brief an ihre Kinder zurück im Juli bin ich wieder da . Und dann war sie wirklich da - mit vielen Geschenken. Aber bald ist der Sommer vorbei und sie muss zurück nach Mailand zu dem alten Mann, für den sie sich abrackert. Daheim in Rumänien bleiben Manuel und Angelica, ihre Kinder. Das Geld ist immer viel zu wenig und was bleibt Daniela anderes übrig, als Arbeit im fernen Italien als Altenpflegerin anzunehmen. Aus drei Blickwinkeln erzählt Marco Balzano von den Frauen aus Osteuropa, die ihre Familien zurücklassen müssen, um deren Auskommen zu sichern. Manuel ist zwölf, schildert seine Sicht auf seine immer kleiner werdende Familie. Zunächst ist Moma weg, dann auch Papa, er transportiert Waren von A nach B in Polen und Russland. Minus zwei. Angelica geht in die Stadt zum Studieren. Minus drei. Übrig bleibt er, Manuel. Ohne den Lenker loszulassen, flog der mit dem Moped über die baumlose Landschaft. Und jetzt wird es überall finster. Hallo Salzkorn, träumst du? Moma sitzt am Krankenbett von Manuel, er liegt im Koma und sie erzählt ihm von ihrem Leben, von ihrer Zeit in Mailand und davor. Ein Jahr wollte Daniela bleiben, dann genug Geld haben, um in dieses Geisterdorf zurückzukehren - hierher nach Radeni, das sie in- und auswendig kennt, das sie vermisst. Sehr viel länger ist sie weggeblieben und in all den italienischen Jahren waren ihre Kinder sowas wie Waisenkinder. Angelica kommt im letzen Teil zu Wort, sie sieht ihre Mutter sehr kritisch, macht ihr Vorwürfe, auch wenn sie durch deren Arbeit der Enge des Dorfes entfliehen und studieren kann. Eine gute Schulbildung ist Daniela wichtig und die nötigen finanziellen Mittel sind nun mal in Rumänien nicht zu bekommen. Wer kennt sie nicht, die osteuropäischen Pflegekräfte? Die ihre Familien daheim lassen, ihre Kinder nicht aufwachsen sehen. Die Alten bleiben bei den Kindern und die Frauen überweisen das Geld in die Heimat. Mit viel Zuversicht kommen sie, um kurz zu bleiben und schnell erkennen sie, dass dieser Traum von einer besseren Zukunft bald ausgeträumt ist. Nur allzu oft werden sie illegal beschäftigt, es ist ein Leben am Rande der Gesellschaft. Im vermeintlich goldenen Westen werden sie meist Außenseiter bleiben und trotz harter Arbeit doch nie genug verdienen. Ein Thema unserer Zeit, das Marco Balzano in diesem tieftraurigen, aber doch so lebendigen Buch eindrucksvoll erzählt. Die Geschichte der Familie Matei steht für die vielen Migranten, die gezwungen sind, wegzugehen. Um ein einigermaßen würdiges Überleben denen zu sichern, die daheimgeblieben sind - mit all denn Problemen und Schuldgefühlen der Weggegangenen. Ein sehr lesenswertes Buch, das berührt und nachdenklich stimmt.
Geschichte einer zerrissenen Familie
von gst - 29.09.2021
Moma verschwindet über Nacht. Nur ihrer halbwüchsigen Tochter Angelica hinterlässt sie einen Brief. Der obliegt es nun, den Vater und den jüngeren Bruder zu informieren. Heimlich hat sich Daniela zum Bus geschlichen, der sie von einem rumänischen Dorf ins italienische Mailand bringt, um dort mit der Pflege Alter und Kranker Geld zu verdienen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, ihren Kindern durch eine bessere Bildung den Weg aus der Armut zu ermöglichen. Erzählt wird aus drei Perspektiven: Der zehnjährige Manuel kommt als erster zu Wort. Seine Verlassenheit und sein Unverständnis für die Mutter sind sehr nachvollziehbar herausgearbeitet. Im zweiten Teil begleiten wir Mutter Daniela durch ihren - alles andere als einfachen - Italienaufenthalt. Wegen eines Unfalls ist sie in die Heimat zurückgekehrt und legt ihre Version der Geschichte dar. Zum Schluss erzählt Tochter Angelica von ihren Erinnerungen und Zukunftsträumen. Der am 6.Juni 1978 in Mailand geborene Marco Bolzano hat mit diesem Roman ein wichtiges Thema aufgegriffen: die Arbeitsmigration in Europa, die osteuropäische Familien zerreißt, um uns in Westeuropa ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Er beschreibt ein Schicksal, in dem er zahlreiche Probleme vereinigt und stellt damit ein Bild zur Schau, das uns zu denken geben sollte. Gleichzeitig erschafft er den zahlreichen osteuropäischen Pflegerinnen ein würdiges Denkmal. Mich hat das Buch erschüttert und teilweise zu Tränen gerührt. Es fiel mir schwer, es aus der Hand zu legen. Denn auch ich habe bisher nur den Vorteil gesehen, den uns der Aufenthalt preiswerter Pflegekräfte ermöglicht. Meiner Meinung nach sollten es nicht nur diejenigen lesen, die selbst auf ausländische Hilfe angewiesen sind. Der Einblick in das Leben der Frauen in ihrer Heimat macht aus Arbeitskräften Menschen.
Lesenswert
von Paul Schmitz - 29.09.2021
Diesmal geht es nicht um das Dableiben wie im letzten Roman, sondern es geht um das Weggehen . Es ist Daniela, die über Nacht, ohne irgend jemandem etwas zu sagen, ihre Familie verlässt und aus Rumänien nach Italien fährt. Dort nimmt sie verschiedene Arbeiten an in der Alten- und Krankenpflege bzw. in der Betreuung von Kindern. Das meiste Geld, das sie verdient. schickt sie nach Hause. um damit ihren Kindern Angelica und Manuel eine gute Schulbildung und ein Studium zu ermöglichen. Auch ihr Mann Filip verlässt wenig später die Familie. Um die beiden Kinder kümmern sich die Großeltern. Balzano hat seinen Roman in drei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil erfahren wir aus der Sicht Manuels, wie das Leben nach dem Weggang der Mutter irgendwie weiter geht. Im zweiten Teil berichtet Daniela über ihre Zeit in Italien und die verschiedenen Beschäftigungen. Der dritte Teil ist aus der Sicht Angelicas geschrieben. Hier erfahren wir etwas über die Zeit ab Manuels Krankenhausaufenthalt nach einem schweren Unfall. Durch diese verschiedenen Sichtweisen, erfahren wir in eindringlicher Weise, welche Schwierigkeiten die handelnden Personen zu bewältigen haben, und wir verstehen etwas besser, weshalb die Kinder irgendwie zornig auf ihre Mutter sind, obwohl diese sich für sie quasi aufopfert. Dabei ist klar, dass die Protagonisten in diesem Roman für eine Vielzahl anderer Menschen stehen, die dasselbe Schicksal haben. So will Balzano auch seinen Roman verstanden wissen. Es ist ein gut zu lesender Roman, unbedingt zu empfehlen.
Aufrüttelnde Familiengeschichte
von lisbethsalander - 29.09.2021
In seinem Buch Wenn ich wiederkomme schildert und Marco Balzano das Schicksal einer rumänischen Familie, deren Eltern ihre Kinder der quasi nahezu sich selbst überlassen, um den Lebensunterhalt im fernen Italien zu verdienen. Zuerst verlässt Daniela, die Mutter, die Familie und nimmt eine Arbeit als Pflegekaft eines dementen alten Mannes weit weg von ihrem kleinen rumänischen Dorf an. Um die halbwüchsigen Kinder, Angelica und Manuel, kümmern sich die Großeltern, die glücklicherweise im Nachbarhaus wohnen. Auch Vater Filip findet kurze Zeit später einen Job als Lastkraftwagen Fahrer an und ist fortan nicht mehr greifbar für seine Kinder. Als dann auch noch der Großvater stirbt, scheint Manuel, der jüngere Bruder der beiden Geschwister, in ein tiefes schwarzes Loch zu fallen und zeigt Anzeichen von Depression. Er selbst sieht sich quasi als verwaist an wie er sich gegenüber in seinem Gedanken formuliert. Marco Balzano erzählt dieses Schicksal der hier im Mittelpunkt der Geschichte stehenden Familie, die aber stellvertretend für viele ist, mit einer beeindruckenden Unaufgeregtheit. Die Einfachheit der Sprache, die doch eine unglaubliche Eindringlichkeit besitzt, geht Hand in Hand mit der Einfachheit der Menschen, um die es hier geht. Als wäre die Abwesenheit der Eltern von zu Hause nicht schon schlimm genug, trifft unsere Protagonisten auch noch ein weiterer Schicksalsschlag, als Manuel bei einem Unfall mit einem Motorrad verunglückt und ins Koma fällt. Die Geschichte wird aus der Sicht von drei unterschiedlichen Familienmitgliedern geschildert, so dass sich der Leser perfekt in alle hinein versetzen kann. Wie schwer dieses Phänomen der rumänischen Gastarbeiter die Menschen in Osteuropa trifft, war mir ehrlich gesagt vorher nicht bewusst, dieses Buch hat es in den Fokus meiner Aufmerksamkeit gerückt, danke dafür am den Autor! Ein schweres Thema wird hier mit einer beeindruckenden Leichtigkeit vermittelt, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Eine absolute Leseempfehlung!
Wenn die Mutter fehlt
von Barbara - 26.09.2021
Daniela lässt ihre zwei Kinder in Rumänien beim Vater und den Großeltern zurück, um in Italien als private Pflegekraft zu arbeiten. Doch wie kommen die Kinder zurecht, die zurück bleiben müssen, ihre Mutter vermissen und bald darauf auch vom Vater verlassen werden? Was bedeutet es für die Mutter selber, die zerrissen wird zwischen der Liebe zu ihren Kindern, dem Wunsch, ihnen mit ihrem sauer verdienten Geld ein besseres Leben zu ermöglichen und einer bis zur Depression zermürbenden Arbeit? Diesen Fragen geht Marco Balzano in seinem Roman so eindrücklich nach, dass er den Lesern die Augen öffnet über das Leben der auch in unserem Land so beliebten 24Stunden-Pflegekräfte aus Osteuropa. Dabei kommt nicht nur Daniela mit ihrer Sicht auf dieses Leben zu Wort, sondern ebenfalls Tochter Angelica und Sohn Manuel, die beide sehr unterschiedlich mit der Situation umgehen. Der jüngere Manuel tut sich besonders schwer, er rebelliert auf seine Art und mit schrecklichen Folgen. Die ältere und angepasste Angelica versucht ihr bestes, um alle Familienmitglieder trotz der Umstände zusammen zu halten und trotzdem ihren eigenen Weg zu gehen. Cover und Titel passen hervorragend zu diesem Roman, der mich betroffen von einem Thema zurück lässt, das ich aus diesem Blickwinkel noch nie hinterfragt habe. Toll geschrieben, intensiv und dabei nicht zu emotional, gelingt es dem Autor, mich gleichzeitig gut zu unterhalten und tief zu berühren.
Wunderbare Erzählung über eine osteuropäische Pflegekraft
von Anonym - 25.09.2021
Bei uns in Deutschland werden osteuropäische Pflegekräfte in Privathaushalten schon seit geraumer Zeit beschäftigt, um Senioren im Alter einen Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist dann aber meistens nur von den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen und der Erleichterung für die Angehörigen die Rede. In diesem Roman nun widmet sich der Autor einmal der anderen Seite, nämlich der Pflegekraft und deren eigener Familie. Am Beispiel der Rumänin Daniela und ihrer beiden Kinder Angelica und Manuel schildert er, wie allein und verlassen sich die zurückgelassene Familie ohne die Mutter fühlt, die die überwiegende Zeit im Jahr im Ausland (hier: Italien) tätig ist, um die Familie mit dem hart, zumeist schwarz verdienten Geld zu Hause über die Runden kriegen und ihr vor allem ein besseres Leben ermöglichen zu können. Dabei teilt er die Geschichte in drei Teile und lässt in jedem einen der drei Beteiligten seine Situation und Sicht der Dinge schildern. Die Probleme und Belastungen der Frauen und ihrer Familie werden gut herausgearbeitet. Sie waren mir in dieser Tragweite gar nicht bewusst. Vor allem kannte ich das sog. "Italiensyndrom" bislang nicht, also die depressive Erkrankung der Pflegerinnen. Der Autor hat gute Recherche geleistet. Mich als Zugehörige zu einer Wohlstandsgesellschaft hat sie betroffen zurückgelassen. Sehr lesenswert.
Berührend und unbedingt lesenswert
von Susanne Wilhelm - 25.09.2021
Marco Balzano erzählt eine moderne Migrationsgeschichte. Daniela lässt, über Nacht, ihre Familie und ihre Kinder Manuel und Angelica in Rumänien zurück, um in Mailand, als Pflegerin und Kinderfrau, Geld für die Familie zu verdienen. Danielas Intention ist es, dass ihre Kinder eine gute Ausbildung bekommen, damit sie ein Leben nach ihren Vorstellungen führen können. Ihre Hoffnungen, dass es sich um eine kurze Phase handelt, stellt sich sehr schnell als Illusion dar. Die Entfremdung wächst. Durch einen schweren Unfall, bei dem Manuel ins Koma fällt, wird die Familie wieder zusammen geführt. Marco Balzona teilt seinen Roman in drei Haupterzählstränge auf. Aus der Perspektive von Manuel, dem 16jährige Sohn, Daniela und Angelica wird die Geschichte in leisen, ruhigen Tönen erzählt. Gerade durch den Wegfall großer Wendungen und Effekte, fühlt man sich allen Protagonisten nah und kann ihre Emotionen nachvollziehen. Das Zusammenspiel der drei Erzählstränge fand ich persönlich sehr überzeugend. Die Erzählweise ist einfach gehalten wird aber dabei niemals trivial. Moderate Kapitellängen lassen einen das Buch schnell lesen, da man von der ersten Seite an gefesselt wird. Für mich ist dieses berührende Buch, eine absolute Leseempfehlung, für alle die sich dem Thema Hoffnungen, Wünsche, Zusammenhalt und Migration, nähern wollen.
Trauriges Schicksal
von Lymon - 24.09.2021
Wenn ich wiederkomme heißt dieser Roman, in dem das Schicksal einer Frau und ihrer Familie dargestellt wird, wie es ähnlich zu Tausenden nicht nur in Rumänien, sondern auch in anderen osteuropäischen Ländern, Afrika oder den Philippinen vorkommt. Um der Perspektivlosigkeit im eigenen Land zu entgehen und den Kindern eine gute Ausbildung und ein wenig Luxus bieten zu können, verlassen die Frauen ihre Heimat, um beispielsweise in Italien oder Deutschland Alte oder Kranke zu pflegen oder Kinder zu betreuen. Aber was bedeutet die lange Abwesenheit der Mutter für die eigenen Kinder zu Hause? Und wie ergeht es den Frauen in der Fremde? Wie kommen sie mit dem schlechten Gewissen zurecht, wenn sie bei ihren Besuchen daheim merken, dass sie und ihre Familie immer weiter auseinandertriften? In diesem Roman kommt es aber noch schlimmer. Sehr gelungen ist die Aufteilung der Handlung auf die Perspektiven des Sohnes Manuel, der Mutter und der Tochter Angelica. Alle drei haben unter der Situation auf ihre Weise zu leiden.
Sehr bewegend und berührend
von Bücherfreundin - 19.09.2021
Nachdem mich Ich bleibe hier , das letzte Buch von Marco Balzano, begeistert hatte, wartete ich mit Spannung und Ungeduld auf sein neues Buch. Wenn ich wiederkomme spielt in Rumänien und wird im ersten Teil aus Sicht des 12jährigen Manuel erzählt. Daniela, die Mutter des Jungen und seiner 20jährigen Schwester Angelica. verlässt ihren Ehemann und ihre beiden Kinder heimlich in der Nacht, um nach Mailand zu gehen. In ihrem Abschiedsbrief erklärt sie den Zurückgebliebenen, dass sie diesen Weg gehe, um ihrer Familie eine bessere Existenz und den Kindern ein Studium zu ermöglichen. Wir begleiten Manuel über einen Zeitraum von 4 Jahren, erleben seine Sichtweise der Dinge, seinen Alltag ohne mütterliche Fürsorge, bis etwas Schreckliches geschieht. Den zweiten Teil der Geschichte erzählt Daniela. Sie berichtet auf eindrückliche Weise von ihrem harten Leben als Pflegerin in Mailand, von allem, was sie auf sich nimmt, um ihre Familie in Rumänien finanziell zu unterstützen. Trotz täglicher Telefonate verliert sie den Zugang zu ihren Kindern, daran ändert auch der jährliche Sommerurlaub nichts, den sie in der Heimat verbringt. Parallel zu Danielas Aufenthalt in Mailand berichtet ein weiterer Erzählstrang über die Entscheidung, die sie trifft, als das Schreckliche passiert und ihren Umgang mit der belastenden Situation.  Den dritten und letzten Teil der Geschichte erzählt Angelica, Manuels Schwester. Der klare und überragende Schreibstil von Marco Balzano spricht mich sehr an, das Buch hat mich vom Anfang bis zum Ende gefesselt und begeistert. Ich konnte mich gut in jede der drei Hauptpersonen hineinversetzen. Das Buch verdeutlicht nicht nur die Situation der ausländischen Pflegekräfte und die damit verbundenen Probleme und Belastungen, es schildert auch sehr eindringlich die Situation der zurückgebliebenen Familienmitglieder. Es ist eine sehr bewegende und berührende Geschichte, die mich betroffen macht und noch lange nachwirken wird. Das Cover in seiner Diogenes-typischen Schlichtheit gefällt mir sehr. Das Buch ist sehr hochwertig in hellgraues Leinen gebunden. Von mir 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!
Absolute Leseempfehlung!
von Marc1234 - 19.09.2021
Was tut man, wenn man von der eigenen Mutter und schließlich noch vom Vater vollkommen allein zurückgelassen wird und von nun auf sich allein gestellt ist? Und was wiederum veranlasst eine Mutter die eigene Familie zurückzulassen? Mit genau diesen Themen beschäftigt sich Wenn ich wiederkomme , das neue Buch von Marco Balzano. Vor einiger Zeit habe ich von dem Autor schon das Buch Das Leben wartet nicht gelesen und habe dieses auch nach etwa der Hälfte abgebrochen. Doch ich wollte dem Autor eine weitere Chance geben und ich muss sagen Gott sei Dank! . Dieses Buch hat mich trotz, oder eben wegen der wenigen Erwartungen, dermaßen umgehauen und bewegt. Marco Balzano schreibt sehr feinfühlig und es ist ein Buch, so wie es sein soll. Als Leser taucht man direkt in die Geschichte hinein und kommt nur schwer wieder heraus. Dabei begegnen einem ganz unterschiedliche Emotionen, wie Hass, Trauer, Freude, Schmerz und Melancholie. Es ist die Geschichte, die heutzutage immer noch viele Familien betrifft. Nicht hier in Deutschland, sondern in den europäischen Ländern, die nicht das Glück haben, so in Wohlstand zu leben wie wir. Es ist ein Roman und zugleich eine Geschichte, die wirklich bewegt, einen nicht so schnell loslässt und man gerne wieder lesen will. Eine ausdrückliche Buchempfehlung an alle, die einen sehr guten Roman lesen wollen, der auch nachdenklich stimmt und wunderschön geschrieben ist, um sich darin zu verlieren.
Damit es besser wird
von Petra Wiechmann - 03.09.2021
Wenn ich wiederkomme, der Titel des Buchs wirft die Fragen auf wo bist du hin, warum bist du gegangen und was ist dann? Der Autor erzählt die Geschichte einer Frau und Mutter die aus Rumänien nach Mailand geht, ihren Mann und die Kinder bei ihren Eltern lässt um als Pflegekraft Geld zu verdienen damit die Kinder weiterhin die Schule besuchen können. Er beschreibt wie die Kinder mit dem unerwarteten Verlust der Mutter umgehen. Wie der Mann noch weiter in die Antriebslosigkeit verfällt, wie Daniela auf vieles verzichtet und extreme Bedingungen aushält damit ihre Kinder es einmal besser haben. Auch hier in Deutschland arbeiten viele Frauen als Pflegekräfte in privaten Haushalten, sie sind günstiger als ein Heim und wir können unsere Angehörigen bei uns behalten und trotzdem unserem Beruf nachgehen. Eigentlich ein Gewinn für alle Seiten. Für die Frauen ein Gewinn mit vielen Schattenseiten. Sprachbarrieren, Einsamkeit und teilweise auch Überforderung. Ein wichtiges Thema, aber ist es für einen Roman geeignet? Meiner Meinung nach ja, denn so erreicht das Thema viele Leser die nicht unmittelbar davon betroffen sind. Andererseits habe ich mir von einem Roman mehr Emotionalität erwartet, so wie bei dem ersten Buch von diesem Autor das ich gelesen habe. Hier haben mich die Personen nicht mitgenommen auf ihre Reise, haben nur oberflächlich Zugang zu ihren Gefühlen und Gedanken gewährt. Ich wollte keine Tränen, Vorwürfe oder ähnliches. Ich hätte nur gern gehabt, das es für alle Beteiligten deutlicher wurde wie tief der Einschnitt ist, welche dauerhaften Folgen durch solche einsamen Entscheidungen entstehen, das Verständnis oder eben Unverständnis auf allen Seiten deutlicher beschrieben wurde.
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