Inhaltsangabe:Dolores St. John wird verdächtigt, ihre pflegebedürftige Arbeitgeberin Vera Donovan zu Tode gebracht zu haben. Dolores, kurz vor der Pension, sieht ihre Chance gekommen, um reinen Tisch zu machen. Sie beginnt über ihr Leben auf der Insel Little Tall Island vor der Küste Neuenglands zu erzählen:Mitte der 40er Jahre: Dolores Claiborne fällt auf Joe St. John rein und ehe sie es sich versieht, ist sie schwanger. Es wird geheiratet und sie beziehen ein kleines Haus. Joe schlägt sich mit verschiedenen Jobs rum, trinkt und schlägt seine Frau. Dolores arbeitet mit, um den inzwischen drei Kindern später eine gute Ausbildung ermöglichen zu können. Die Ehe ist geprägt von Gewalt und Ablehnung.Dolores findet eine Anstellung bei Vera Donovan als Haushälterin, die die ersten Jahre nur im Sommer auf der Insel weilt. Anfang der 60er Jahre entdeckt Dolores schließlich, dass ihr Mann nicht nur der Tochter Selena nachstellen will, sondern auch, dass er die Sparbücher der Kinder mit mehreren tausend Dollar leergeräumt hat.Schließlich gibt gerade Vera Donovan den entscheidenden Hinweis an Dolores, wie sie ihren Mann nicht nur dafür bestrafen, sondern ihn auch gleich wirklich loswerden kann.Mein Fazit:Das Buch lässt sich vom Genre her schlecht einordnen! Ja, es hat sicherlich Horror-Elemente, ich persönlich würde es eher im Thriller-Bereich sehen. Es ist zumindest ein Frauenschicksal, das in Teilen sicherlich oft genug tatsächlich vorkommt.Nur Dolores erzählt (im Verhör), was passiert ist - damals wie heute! Sie berichtet erst von ihrer Beziehung zur zu Tode gekommenen Chefin, welche Gemeinheiten sie auf Lager hatte und wie Dolores damit umging. Zugegeben, da musste ich schon ein paar Mal schlucken. Aber dieses Verhalten habe ich auch auf der Arbeit erzählt bekommen. Warum die Menschen so sind (womöglich im Alter erst so werden), kann ich nicht beurteilen. Ich hoffe, dass ich nicht auch so werde. Das wäre einfach grauenvoll - in jeder Hinsicht.Dolores lebt an der Armutsgrenze, trotzdem scheut sie vor harter Arbeit nicht zurück und zieht nebenbei noch drei Kinder groß. Gewalt ist für sie nichts Außergewöhnliches, auch ihr Vater hat schon Gewalt gegen ihre Mutter ausgeübt. Doch sie will sich das von ihrem Mann nicht gefallen lassen, dass obendrein ein Scheusal vor dem Herrn ist, dem nichts und niemand heilig ist. Und so packt Dolores auch über ihren Mann aus, was damals vor vielen Jahren passiert ist! Sie ist sich der Konsequenzen durchaus bewusst. Sie weiß, sie hat in ihrem Leben Fehler gemacht, aber besitzt auch so viel Anstand und steht dazu.Damals (vor über 30 Jahren) wie heute hat das Buch eine gewisse Faszination ausgeübt. Es ist eines der wenigen Bücher, deren Plot ich auch nach so vielen Jahren noch im Kopf hatte (wahrscheinlich durch den Film mit Cathy Bates). Der Erzählstil wirkt auf mich sehr einnehmend, eine geschickte Strategie. Andere Sichtweisen werden nicht zugelassen, nur Dolores kommt zu Wort. Ich ließ die Geschichte auf mich wirken und sie lässt mich auch ein paar Tage später noch nicht wirklich los. Dolores ist für mich eine sympathische Figur, die ich sehr mag und deren Beweggründe ich nachempfinden kann.Für mich eines der prägendsten Geschichten der damaligen Zeit, aber auch heute vergebe ich gerne fünf Sterne.