Dieses Buch hat mich zutiefst bewegt. Sue Klebold schreibt mit großer Offenheit, persönlichem Schmerz und spürbarem Entsetzen über das, was ihr Sohn Dylan Klebold am Tag des Amoklaufs an der Columbine High School getan hat und darüber, wie sie als Mutter mit der Erkenntnis leben muss, dass ihr Kind Mitverantwortlicher für eine der schlimmsten Gewalttaten an einer Schule war.Was mich beim Lesen besonders mitgenommen hat, sind die vielen kleinen, alltäglichen Erinnerungen an Dylan. Sie machen ihn nicht sympathisch im klassischen Sinne, aber sie machen ihn menschlich. Was das Unfassbare umso schwerer greifbar macht. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil es nicht nur von einem Ereignis erzählt, sondern von einer jahrelangen inneren Auseinandersetzung: mit Schuld, Versäumnissen, psychischer Gesundheit und der Suche nach Antworten, wo es vielleicht keine eindeutigen gibt.Gleichzeitig darf man beim Lesen nie vergessen: Dieses Buch ist die Sicht einer Mutter, die ihren Sohn verloren hat...auf doppelt tragische Weise. Ihre Perspektive ist nachvollziehbar, aber auch begrenzt. Besonders aufgefallen ist mir dabei, wie stark Eric Harris, der zweite Täter, in vielen Passagen als dominanter, manipulativer Einfluss dargestellt wird. Ob das wirklich so war, kann niemand sicher sagen. Dennoch entsteht der Eindruck, dass Dylan zumindest teilweise "verführt" oder "mitgezogen" wurde, was die Verantwortung in eine Richtung verschiebt, die sich emotional leichter anfühlt, aber historisch nicht belegt ist.Diese Einseitigkeit ist kein Vorwurf an Sue Klebold, sie ist Teil des Buches und macht es gleichzeitig wertvoll wie auch begrenzt. Es lädt ein zum Mitfühlen und zum Nachdenken, aber auch zum kritischen Lesen.Fazit:Ein zutiefst persönliches, schmerzhaft ehrliches Buch, das emotional sehr berührt und gleichzeitig zur kritischen Auseinandersetzung einlädt. Es versucht nicht, Schuld zu relativieren, aber es zeigt, wie kompliziert die Suche nach Erklärungen sein kann und wie wichtig es ist, auch bei tiefem Mitgefühl den ganzen Kontext im Blick zu behalten.