Eine Theaterbühne. Ein Gerichtssaal. Anwesend auf der Bühne sind der vorsitzende Richter, der Angeklagte, die Staatsanwältin, der Verteidiger, ein Zeuge und eine Nebenklägerin.Der Vorwurf: Der Angeklagte, Bundeswehrpilot Lars Koch, hat eine Passagiermaschine der Lufthansa auf den Weg von Berlin nach München abgeschossen. 164 Tote. Die Maschine wurde entführt und der Attentäter drohte damit, in die vollbesetzte Allianz-Arena zu fliegen. Lars Koch hatte die Order, die Maschine nicht abzuschießen. Nun gilt es, die Schuld oder Unschuld des Angeklagten zu erörtern. Ferdinand von Schirach begibt sich mit "Terror" auf gewohntes Terrain. Seine Vergangenheit als Strafverteidiger lässt ihn immer wieder in den Gerichtssaal zurückkehren, sei es im "Der Fall Collini" oder nun in einem fiktiven Gerichts-/Theaterdrama.Die Frage nach dem "Was hättest Du getan?" ist ein roter Faden in seinem Werk. Die Lesenden sollen sich aktiv mit der Geschichte auseinandersetzen. Man ist nicht einfach nur Beobachter, sondern ein weiterer, unbenannter, stiller Protagonist. Die innere Unbequemlichkeit wird zu einem essenziellen Begleiter. Hätte man das Flugzeug in dieser Situation auch abgeschossen? Dass es hier moralisch betrachtet kein Richtig oder Falsch gibt, setzt von Schirach durch die beiden alternativen Enden mit "Verurteilung" und "Freispruch" um. Wobei man merkt, dass er ein Mann des Rechts ist, denn die Verurteilung wirkt schlüssiger und nachvollziehbarer. Was verständlich ist, denn der Pilot hat wissentlich gegen geltende Gesetze und Befehle verstoßen. Beim Freispruch werden die Argumentationen schwammiger, da man sich nur auf menschliche Emotionen und die daraus resultierenden Entscheidungen stützen kann. Und die haben wenig Platz bei einer Gerichtsverhandlung.Somit kann man Terror auch als leise Kritik an unserem Rechtssystem verstehen. Gesetze müssen die Menschen, die sie betreffen, in irgendeiner Form schützen. Tun sie das hier? Die Menschen im Stadion? Im Flugzeug? Wie viele kann ich opfern? Darauf gibt es keine Antwort. Der Autor macht uns bewusst, dass wir alle die Summe unserer Entscheidungen sind. Es gibt keine allumfassende Gerechtigkeit, egal, wie wir uns entscheiden. Es ist müßig darüber zu diskutieren, ob die Passagiere aktiv einen Einfluss auf ihr Schicksal hätten nehmen können. Weder konnte der Pilot dies wissen, noch hätte er sich sicher sein können, dass die Menschen an Bord den Attentäter überwältigen hätten können. Wer sich aber offensichtlich ziemlich sicher war, ist sein Vorgesetzter, der damit gerechnet hat, dass sich sein Untergebener den Anweisungen widersetzen wird. Diese Verschlagenheit, das sind menschliche Abgründe, die sprachlos machen.Am Ende bleiben die Lesenden etwas ratlos zurück. Wer möchte in dieser Situation schon gerne Gott spielen? Sicherlich die Wenigsten. Aber der Pilot, Lars Koch, hat sich diesen Beruf ausgesucht und gewusst, dass er in diese Situation kommen könnte. Ich finde, er hat falsch gehandelt. Als Soldat hat er sich an Befehle zu halten. Das ist seine Aufgabe. Seine Verpflichtung. Wenn auch nicht seine Moral.