Viele Antworten, einige Überraschungen und ein ungewohnt ruhiges Finale. Gute Ideen, aber die Umsetzung bleibt leider hinter ihrem Potenzial
Gesamteindruck ¿Endlich abgeschlossen - und mit gemischten Gefühlen. "Bezwungen¿ ist eine YA-Dystopie und ich bin nicht mehr YA, Lesesaal Genre aber gerne und etliche Bücher des Gemres können mich auch abholen, dieses hier nicht so ganz. Es schließt die Trilogie so, wie sie begonnen hat: mit einer interessanten Grundidee, solider Spannung und einer Protagonistin, mit der ich leider nie wirklich warm geworden bin. Teri Terry zieht pflichtbewusst alle Fäden zusammen, löst Geheimnisse auf und schickt Kyla auf ihre finale Mission. Das gelingt ihr handwerklich durchaus - aber das erhoffte Finale bleibt aus. Statt eines mitreißenden Showdowns gibt es politische Intrigen, konstruierte Zufälle und ein Ende, das zwar ungewöhnlich zivilisiert daherkommt, aber auch etwas... unspektakulär wirkt. Kein schlechter Abschluss - aber eben auch keiner, der einen vom Hocker reißt. ¿Stärken ¿Mut zum unkonventionellen Ende - kein blutiger Showdown, kein erzwungenes Happy EndKyla und Ben gehen getrennte Wege - mutig, stimmig, richtigPolitische Intrigen als Handlungsrahmen funktionieren gutFlüssiger, nüchterner Schreibstil - man kommt schnell durchKylas neue Identität bringt etwas Klarheit in das FigurenwirrwarrAlle Fäden der Vorgänger werden tatsächlich aufgegriffen und aufgelöst Aiden als Figur ist sympathisch und glaubwürdigSchwächen¿Nico wird überraschend schnell und unspektakulär abgehandeltAstrid als neue Antagonistin entfaltet nie die dunkle Bedrohung wie Nico in Band 2Kyla bleibt bis zum Schluss schwierig - anstrengend, naiv in Bezug auf Ben, manchmal egoistischKyla löst fast alles im Alleingang auf - wenig glaubwürdigZu viele glatte Zufälle, zu viele Momente, in denen "einfach alles klappt¿Zu viele Figuren und Namen - man verliert gelegentlich den ÜberblickDie jungen Anführer (MIA, Free UK) wirken unrealistisch mächtig für ihr AlterManche Auflösungen am Ende zu knapp und zu hastig abgehandeltDie Chemie zwischen Kyla und Aiden bleibt zu blassGenveränderungen: medizinisch alles möglich - und sie nimmt... andere Haare? ¿¿¿¿¿Meine Eindrücke beim LesenIch gehe ehrlich rein: Ich bin mit Kyla in keinem der drei Bände warm geworden. Und das ist das Bemerkenswerteste an dieser Trilogie - denn Teri Terry legt es nicht bewusst darauf an. Es ist kein Trick, keine erzählerische Absicht. Kyla soll eine starke, unabhängige Frau sein, die ihren eigenen Kopf hat. Der Versuch ist erkennbar - die Umsetzung ist es, die mich immer wieder ins Straucheln gebracht hat. ¿Denn so eigenständig wie es den Anschein hat, ist Kyla nie wirklich. In Band 1 war es Ben, der sie an die Hand genommen hat. In Band 2 dann Nico, Cam, Jazz. In Band 3 sind es Aiden und Finley. Was am Anfang noch charmant wirkte, wurde irgendwann zur Formel - Kayla/Rain/Lucy ist sooo anziehend und alle Jungs fliegen auf sie, egal wie sie sich benimmt - und eine, die mich zunehmend gestört hat. Interessant dabei: Die wenigen Frauen, die ihr nahestehen, verschwinden schnell von der Bildfläche. Das ist schon ein Muster, über das es sich lohnt nachzudenken. ¿Kyla und Ben - das Thema, das mich durch alle drei Bände begleitet hat und mich am Ende wirklich erschöpft zurückgelassen hat. Ihre Loyalität ihm gegenüber ist schlicht nicht durch sein Verhalten gedeckt. Außer den Annäherungen im ersten Band gibt es nichts, absolut nichts, was er sagt oder tut, das ihre Anhänglichkeit rechtfertigt. Ich verstehe den erzählerischen Ansatz - Loyalität als Charakterzug -, aber irgendwann kippt Loyalität in Naivität. Und genau dort verliere ich Kyla. Immerhin bleibt sie misstrauisch, was sich am Ende als richtig erweist. Und dass die Autorin nicht auf ein erzwungenes Wiedervereinen der beiden besteht, sondern beiden Figuren erlaubt, eigene Wege zu gehen und sich weiterzuentwickeln - das war mutig. Und genau richtig. ¿Nico war in Band 2 ein faszinierender Antagonist. Strategisch, bedrohlich, auf Augenhöhe - wenn noch sogar überlegen gegenüber der Figuren. Dass er in Band 3 so schnell und so unzeremoniell aus dem Weg geräumt wird, hat mich ehrlich gesagt enttäuscht. Astrid als neue Antagonistin ist interessant konstruiert - politische Intrigen statt physischer Bedrohung -, aber sie entwickelt nie diese dunkle Schwere, die Nico ausgestrahlt hat. Die Bedrohung bleibt seltsam abstrakt - der Problem bleibt quasi "in der Familie".Was mich am meisten an diesem Abschlussband beschäftigt hat: Wie kommt es, dass ein 17-jähriges Mädchen quasi im Alleingang aufdeckt, was dem Premierminister über all die Jahre verborgen blieb? Das ist eine Logiklücke, die sich nicht einfach wegdiskutieren lässt. Ebenso wie die Tatsache, dass die Anführer der verschiedenen Widerstandsgruppen alle ungefähr in Kyla-nahem Alter sind. Natürlich braucht es keine grauen Eminenzen - aber ein 25-jähriger, den ganzen Widerstand in England im Alleingang anführt und dem alle blind folgen? Das fordert meinen Glauben an die Welt dieser Geschichte ein bisschen zu sehr heraus. YA heißt ja nicht, dass es so Unfug ist, dass nur junge Leute das noch glauben können.Das Ende ist dann tatsächlich ungewöhnlich - und dafür möchte ich Teri Terry wirklich Tribut zollen. Kein blutiger Showdown, keine dramatische Massenschlacht wie man sie in der Fantasy kennt. Die Herrschaft der Lorder endet fast schon... zivilisiert. Das ist erfrischend anders. Nur: Kylas eigener Anteil daran ist erschreckend. Ein großer Live-Auftritt mit ganze viel Selbstdarstellung und sofort fällt das böse politische System zusammen. Und viele Handlungsstränge, auf die man gespannt gewartet hat, werden am Ende dann doch erstaunlich schnell und knapp abgehakt.Ach ja, und dann war da noch die Sache mit den Genveränderungen. Die Ärzte können buchstäblich alles - und Kyla entscheidet sich für...eine andere Haarfarbe. Für die Augen gibt's eine Brille. ¿¿ Fazit & Empfehlung"Bezwungen¿ ist ein solider, aber unspektakulärer Abschluss einer Trilogie, die mehr versprochen hat als sie einlöst. Die Idee ist gut, der Schreibstil angenehm flüssig, und einzelne mutige Entscheidungen der Autorin - vor allem rund ums Ende - verdienen echten Respekt. Aber Kyla als Protagonistin bleibt bis zum Schluss eine Figur, die mich mehr frustriert als mitgerissen hat, die Antagonistin bleibt blass, und zu viele Dinge laufen zu glatt, zu zufällig, zu konstruiert zusammen.Wer die ersten beiden Bände mochte und die Reihe abschließen möchte: lesen. Wer noch unentschlossen ist, ob er mit der Trilogie beginnen soll: Die Idee ist stark, die Ausführung aber nicht ganz auf der Höhe. Eine nette Dystopie für zwischendurch - aber kein "Will of the many". ¿3 von 5 Sternen ¿¿¿