Der unbequeme Spiegel der Gesellschaft...
Details:Ausgabe:Taschenbuch Originaltitel:¿¿¿¿¿¿¿¿¿ (Yakusoku no Neverland)Band:6 von 20 (Abgeschlossen)Erscheinungsdatum:29.01.2019Verlag:Carlsen MangaAltersempfehlung:Ab 15 JahrenGenre:Dark Mystery / Dark Fantasy / ThrillerSeitenanzahl:197Inhalt:Die Kinder schweben im Dämonen-Wald in absoluter Lebensgefahr. Während Ray als Lockvogel fungiert und von den Monstern umzingelt wird, tauchen plötzlich zwei mysteriöse Figuren auf: die Dämonen Sonju und Mujika. Entgegen aller Erwartungen fressen sie die Kinder nicht, sondern bieten ihnen Unterschlupf und bringen ihnen das Überleben in der Wildnis bei. Doch in dieser neuen Welt der Dämonen müssen die Kinder schnell lernen, dass die Grenzen zwischen Freund und Feind - und Gut und Böse - extrem verschwommen sind.Wie das Buch zu mir gefunden hat:Nächstes Buch vom Bibliotheksstapel und die nächsten zehn Bände sind bestellt...Meinung:ACHTUNG! Spoiler enthalten.In Band 6 wird das Überleben im Wald nicht nur zu einer physischen, sondern vor allem zu einer unfassbar intensiven moralischen Herausforderung. Was mich an diesem Band absolut umgehauen hat, ist die massive Gesellschaftskritik, die hier wieder in den Fokus rückt. Das Thema Fleischkonsum wird auf unangenehme, aber brillante Weise thematisiert. Die Dämonen betreiben mit den Menschen exakt das, was wir in unserer realen Welt als Massentierhaltung oder Bio Freilandhaltung kennen. Die Parallelen zur industriellen Zucht und Kategorisierung von Lebewesen als bloße "Ware" sind ein genialer Schachzug, der einen unweigerlich zwingt, das eigene Konsumverhalten zu reflektieren.Gleichzeitig bringen die Charaktere Sonju und Mujika eine völlig neue, faszinierende Ebene in die Geschichte: Religion. Dass diese beiden Dämonen aus strikten religiösen Überzeugungen heraus auf den Verzehr von Zucht-Menschen verzichten, hat mich stark an Speisegesetze aus unserer realen Welt, wie etwa im Islam, erinnert. Es zeigt auf extrem smarte Weise, dass selbst eine Gesellschaft aus "Monstern" komplexe theologische Konstrukte, Speisetabus und eigene Glaubensregeln besitzt. Diese Erkenntnis - dass selbst die furchteinflößendsten Kreaturen tiefe, versteckte Beweggründe für ihr Handeln haben - bricht das klassische Schwarz-Weiß-Denken komplett auf. Es gibt nicht einfach nur "das pure Böse", sondern komplexe Grauzonen und moralische Dilemmata.Fazit:Ein grandioser Band, der den reinen Thriller-Aspekt verlässt und tief in hochspannende, gesellschaftskritische Themen eintaucht. Die unangenehmen Metaphern zur Massentierhaltung und die religiöse Komplexität der Dämonen heben das Worldbuilding auf ein völlig neues Level.Empfehlung:Wer Geschichten sucht, die nicht nur mit Spannung punkten, sondern auch den eigenen moralischen Kompass herausfordern und kluge Parallelen zu unserer realen Welt ziehen, wird diesen Band lieben. Eine weitere Kauf- und Leseempfehlung von mir!Lieblingszitat:"Sie war noch nicht immer so stark. Sie musste stark werden."Kapitel 50 - Freunde - Seite 147