Der ganze Irrwitz des Krieges in geradezu komödiantenhafter Überspitzung persifliert - angelehnt an tatsächlichen Ereignissen
Wie kann man dem testosterongesteuerten Kriegsgeheul Paroli bieten, wie die Unsinnigkeit jedweder kriegerischen Handlung bereits im Keim ersticken? Versuche gab und gibt es zuhauf, manche sogar erfolgreich, manch andere allerdings versandeten aus mancherlei Gründen. Der aktuelle Ukraine-Krieg ist hierfür ein geradezu klassisches Beispiel. Doch darum geht es in diesem Roman des Schweizers Alex Capus nicht. Hier indes wird der ganze Irrwitz des Krieges in geradezu komödiantenhafter Überspitzung persifliert, allerdings angelehnt an tatsächliche Ereignisse: Zwei Kriegsparteien, Briten (sowie Belgier) und Deutsche, treffen während des Ersten Weltkriegs im tiefsten Afrika aufeinander, was allein schon geeignet wäre, sich verzweifelt die Haare zu raufen, selbst unter Berücksichtigung des seinerzeitigen kolonialen Machtgeschehens. Vollkommen abstrus wird es allerdings, wenn man erfährt, dass das Kriegsgeschehen sogar auf den Tanganjikasee ausgeweitet werden soll und hierfür die hierfür notwendigen "Boote" über Land zum jeweiligen Ziel(hafen) gebracht werden müssen. Die Duplizität der Ereignisse (hüben wie drüben) verdeutlicht, dass dieser Irrwitz offensichtlich seine Muster hat - und damit austauschbar erscheint. Die Schilderungen, so unterhaltsam sie auch daherkommen, machen indes deutlich, dass bei aller Kriegsdramatik hin und wieder auch die menschliche Seite zu ihrem (eigentlichen) Recht kommt. Insofern ist dieser lesenswerte Roman durchaus auch ein Beispiel dafür, dass einzelne Personen dem blutigen Machtgebaren einen versöhnlichen Aspekt zur Seite stellen können.(18.7.2024)