"[...] zu Hause war für mich da, wo du warst, vielleicht ist zu Hause immer da, wo jemand ist, jedenfalls für mich, jetzt ist zu Hause da, wo nur noch meine Sachen sind und dieses Loch, [...]" (S. 33)LAUFEN<br data-start="424" data-end="427">Isabel Bogdan<br data-start="440" data-end="443">ET: 12.09.2019Lange ist unsere Ich-Erzählerin nicht mehr gelaufen. Zuletzt mit ihm. Dann kam die Verletzung, die sie zwang, vorübergehend aufzuhören. Und schließlich kam sein Tod. Ab diesem Moment ging gar nichts mehr. Alles war kaputt - ihr Leben, einfach alles. Sie konnte kein Bein mehr vor das andere setzen. Wie auch, wenn selbst das Atmen schwerfiel.Es war seine Entscheidung, aus dem Leben zu gehen. Doch sie musste mit all den Konsequenzen leben - und das war alles andere als leicht. Die Miete der gemeinsamen Wohnung konnte sie alleine nicht mehr aufbringen. Seine Eltern holten sämtliche Gegenstände ab, die ihrem Sohn gehört hatten, sogar den Eisportionierer - nur weil sie nicht verheiratet waren. Nach jahrelanger Beziehung blieb ihr nichts. Nichts außer dem Pyjama, den sie seiner Mutter vorenthielt.Ein Jahr nach dem Tod ihres Lebenspartners schnürt sie erneut die Laufschuhe. Wir begleiten sie auf ihren Runden - immer gegen den Uhrzeigersinn - um die Alster. Anfangs sind diese Läufe beschwerlich, voller Kummer und schmerzhafter Gedanken. Doch mit der Zeit werden sie leichter. Unbeschwerter. So wie ihre Schritte."Ein-at-men Aus-at-men Aus-at-men."Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen. Es hat mich immer wieder innehalten und reflektieren lassen. Besonders gut gefallen hat mir der Aufbau, durch den wir die Protagonistin wortwörtlich dabei begleiten, wie sie sich zurück ins Leben läuft.Fazit:<br data-start="1871" data-end="1874">Ein eindringliches Buch über den Schmerz, einen Partner zu verlieren, über den Stillstand danach und über die Kraft, langsam wieder ins Leben zurückzukehren.<br data-start="2031" data-end="2034">4/5