Lebenslanges Lernen betrifft uns alle; elegante Verknüpfung zwischen neuen Forschungsergebnissen und Erfahrungen
Auch bei diesem aktuellen Werk von Henning Beck wird die Leidenschaft des Autors für sein Fach (Neurowissenschaften) erkennbar. Allerdings nicht ganz so funkelnd wie in seinen Erstlingswerken wie "Hirnrissig" oder "Irren ist menschlich!". Denn in diesem Fall wird eine singuläre Annahme (Verstehen schlägt Lernen) bis zur Erschöpfung durchdekliniert. Auch wenn dies in eleganter und zugleich überzeugender Sprache geschieht und neue Forschungsergebnisse mit bekannten Erfahrungen geschickt verknüpft werden, so ist das "hundertste" Beispiel nicht unbedingt notwendig, um das Thema erschöpfend zu betrachten - will man nicht Gefahr laufen, dass die Leserin/der Leser das Buch erschöpft zur Seite legt.Denn dies wäre ziemlich schade und würde auch der Aktualität und Brisanz des Themas nicht gerecht. Wohl jeder wird beim Lesen diese Zeilen auf eigene Lern- und Lehrerfahrungen, im positiven wie im negativen Sinne, zurückblicken können. Und weil dies so ist, wird auch rasch verständlich, dass ein erweiterter Zugang zur Wissensvermittlung, nämlich über das Verstehen zwingend erforderlich ist, sei es aus persönlichen (Persönlichkeitsentwicklung) oder gesellschaftlichen Gründen (rohstoffarmes Land). Die hierzu verwendeten Beispiele und Hintergrunddaten sind so eindrücklich, dass es eigentlich keines weiteren Zögerns bedarf, um die Erkenntnisse auch in das aktuelle Lernumfeld zu integrieren. Doch bekanntlich mahlen die verbeamteten Mühlen unseres Bildungssystem recht langsam (und auch vielfältig) und so ist denn zunächst einmal jeder Einzelne aufgerufen, diese Erkenntnisse in seinem persönlichen Umfeld einzubringen. Aber mit diesem Buch an der Seite dürfte es nicht schwerfallen, die notwendige Überzeugungsarbeit zu leisten.Auch wenn manche Aussagen zunächst etwas verwirren (Fehlermachen als Schlüsselkompetenz für Erfolg; "produktives Fehlermachen mit anschließendem Feedback"), was gewollt ist (denn Verwirrung motiviert zum Nachdenken, zum Nachforschen - schließlich wollen wir Klarheit ...), sind die ergänzenden Aussagen so gut nachvollziehbar (quasi am eigenen Leib; ein besseres Feedback gibt es kaum), dass man den Erfolg des "Umdenkens" unmittelbar erfährt.Fazit: Hier nimmt es einer Erst mit der "Bringschuld der Wissenschaft". Hier ficht einer für ein gesamtgesellschaftlich hochbrisantes Thema, denn schließlich sind die derzeitigen Herausforderungen riesengroß - und wohl nur mit einem verstehenden Lernen zu bewältigen.(15.3.2020)