Die Geschichte beginnt in einem italienischen Waisenhaus im März 1870. Hier ist Pietro nur eine Nummer ohne Perspektive. Dann kommt eine junge Contessa mit ihrem Mann, um einen der schon beinahe erwachsenen Jungen zu adoptieren. Und es ist Pietro den sie erwählt. Das gute neue Leben währt nicht lang, denn auf Grund der politischen Umstände ändert sich auch das Leben der Contessa radikal. Aber sie setzt alles daran ihrem neuen Sohn trotzdem eine Zukunft zu bieten. Und so entdeckt er etwas für sich, dass sein Leben erneut in eine neue Richtung lenkt: die Fotografie.An anderer Stelle findet die junge Martha, die ihr ganzes Leben in einen Zirkus verbracht hat, Dinge über ihre Vergangenheit heraus, die sie im Kern erschüttern. Das Schicksal und ihre Unsicherheit lassen jedoch auch sie ihre Leidenschaft finden: den Kampf um ein vereintes Italien.Sehr viele starke Charaktere lassen in diesem Buch aus mehreren Handlungssträngen am Ende ein großes faszinierendes Bild entstehen. Die Contessa, die eigentlich Nella heißt, ist eine beeindruckend starke Frau, deren Charakter im Buch eine enorme Spannbreite an Emotionen und Geschehnissen abdeckt. Zwischenzeitlich hat man Angst um ihr Leben, dann ist sie wieder stark und schön und in allem Leid immer stolz.Ähnlich steht es um Pietro. Er kämpft in seinem Alltag, um die Hoffnung nicht zu verlieren, erblüht, strauchelt, fällt beinahe in eine noch schlimmere Situation als je zuvor und erhält schließlich eine unglaubliche Perspektive.Martha und Melo aus dem Zirkus zeigen uns eine dritte faszinierende Welt und haben beide eine Art doppelten Boden in sich, denn ihre Geschichte hat eine Tiefe, die einen sehr berührt. Ich musste schmunzeln, weil dieses Buch schon wieder eines ist, in dem es um den Kampf eines vereinten Italiens geht. Geschichten, welche die gleiche Zeit und das gleiche Thema umspannen sind mir die letzten Jahre schon mehrfach unbewusst und dann gezielt in die Finger gekommen. Hier war es wieder unbewusst. Es scheint ein Thema zu sein, dass den Autoren Flügel verleiht, denn alle waren in ihrer Erzählung bisher großartig (die übrigen waren von Karin Seemayer und hingen lose zusammen).Dieser Roman war der Dritte, den ich von diesem Autor gelesen habe. Und obwohl er an einigen Stellen vielleicht ein paar kleine Längen aufweist, ist er eine großartig runde Erzählung über Armut, Hoffnung, Liebe und den Wunsch nach einem freien, selbstbestimmten Leben.