Liest sich flüssig, tut nicht 'weh'. Nicht unbedingt ein Kompliment für ein Buch, welches 1936 spielt.
Drei Tage im August von Anne SternAnne Stern interessiert sich offenbar besonders für Frauenfiguren, die ihren Platz im Leben suchen, mit sich und der Welt hadern und oft ohne ausreichend Liebe und Aufmerksamkeit aufgewachsen sind.In Drei Tage im August lernen wir Elfie kennen, die Geschäftsführerin der Schokoladenmanufaktur Sawade. Daneben begegnen wir weiteren Menschen im Berlin des Jahres 1936, die sich Gedanken über ihr Leben, ihre Zukunft und ihre Entscheidungen machen.Stern verknüpft mehrere Erzählstränge miteinander. Einige davon bleiben jedoch offen oder werden nicht konsequent weitergeführt. Das ist für mich einer der größten Kritikpunkte des Romans. Besonders interessant fand ich die Verbindung zu Madame Conte, die im selben Haus lebt und Elfi mehrfach überraschend zu sich in die Wohnung bittet.Die Atmosphäre des Berliner Sommers 1936 ist sehr gelungen eingefangen. Das Buch liest sich angenehm und flüssig. Dennoch hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, dass viele der angesprochenen schwierigen Themen eher an der Oberfläche bleiben. Auch die verschiedenen Handlungsstränge werden nicht immer zu Ende erzählt.Vor allem Elfie macht für mich keine wirkliche Entwicklung durch. Da die Geschichte nach nur drei Tagen endet und vieles offen bleibt, erfährt man letztlich nicht, welchen Weg sie einschlagen wird. Die einzige Figur, die für mich eine nachvollziehbare Entwicklung durchläuft, ist der Buchhändler Franz Marcus.Das Buch hat durchaus Potenzial. Auch die Gestaltung ist sehr gelungen: Der rosafarbene Farbschnitt und die lackierten Kakaofrüchte auf dem Einband machen es zu einem echten Hingucker. Inhaltlich hat es mich jedoch am Ende nicht erreicht.