Beatrice musste miterleben, wie ihr Vater wegen eines falschen Verdachtes brutal abgeführt wurde und ihr Haus angezündet. Mit ihrer Mutter kann sie fliehen und bei entfernten Verwandten unterschlüpfen. Doch dort wird sie behandelt wie eine Dienerin. So beschließt sie, sich einen reichen Mann zu angeln. Als dies gelingt, ist ihre Mutter mit ihrer Wahl nicht einverstanden und die beiden geraten in Streit. Um sich von dieser Situation abzulenken, reist Beatrice mit ihrem Ehemann zu dessen Hazienda.
Auf der Fahrt schwärmt er ihr von seinem Besitz vor, doch kaum angekommen, muss Beatrice begreifen, dass nichts davon der Wahrheit entspricht. Im Gegenteil, als sie das Haus betritt spürt sie sofort eine fremde und feindselige Präsenz. Doch ihr Mann will davon nichts hören, ihre Schwägerin stempelt sie gar als verrückt ab.
Nur der Priester Andrés glaubt Beatrice und will einen Exorzismus an dem Gutshaus ausführen. Doch das Ritual geht furchtbar schief ...
Ich liebe Spukhaus-Romane. Kein Wunder, mein erster veröffentlichter Roman war ein Spukhaus-Roman. Und ich wuchs auf einem Haus voller paranormaler Phänomene - etwas was mir bis heute Albträume bereitet.
An diesem Roman reizte mich vor allem das Setting, am Ende des Freiheitskrieges Mexicos. Ich kenne mich mit dieser Zeit nicht sehr gut aus, doch Canas gelingt es, mir diese Zeit deutlich näher zu bringen und sie eindringlich zu beschreiben. Der Übergang von Kaiserreich zu Demokratie war auch für Mexico nicht leicht - er war brutal und kostete ebenso Leben wie der vorhergehende Krieg.
Canas beschreibt hier nicht den üblichen Priester in Andrés. Er wurde von seiner Familie zur Ausbildung gezwungen, weil er "besonders" ist. Er hat die Kräfte seiner Großmutter geerbt und wurde von ihr zum Hexer ausgebildet. Den Spagat, den er hier eingehen muss, reisst an seiner Seele, das spürt man auf den Seiten, in der er die Handlung schildert. Er will helfen und er weiß einen Weg, aber es ist nicht der der katholischen Kirche.
Beatrice wünscht sich vor allem Status und Sicherheit in ihrem Leben. Ihr Vater wurde von den eigenen Männern verraten und hingerichtet, etwas, was immer noch an ihr zehrt. Ebenso wie der Bruch mit ihrer Mutter. Sie will die Hazienda zu einem Ort machen, an dem ihrer Mutter ebenfalls leben soll. Doch ihr wird sehr schnell schmerzlich bewusst, dass sie gegen Windmühlen ankämpft. Die Bevölkerung traut ihr nicht, für die anderen Gutsbesitzer ist sie eine Fremde, selbst die Priester in der nahen Ortschaft halten sie für bestenfalls seltsam - den einzigen Helfer findet sie in Andrés.
Natürlich entspinnt sich zwischen den beiden eine Liebesgeschichte. Aber diese ist so zart und zerbrechlich, dass sie die Handlung sogar noch vorantreibt. Irgendwie erinnerte mich das Szenario etwas an "Die Dornenvögel", doch ohne die Konsequenzen für Andre.
Dessen Hintergrund als Brucharero (ich hoffe, ich habe das richtig geschrieben) ist interessant und voller Mystik. Gern hätte ich davon noch mehr gelesen. Andrés' Zwiespalt und Angst davor, entdeckt zu werden von der Kirche, ist für mich mehr als nachvollziehbar, immerhin hat er sich jahrelang vor der spanischen Inquisition verstecken müssen.
Der Geist im Haus, oder besser die Geister, sind verschieden geschildert. Der "böse" Geist ist durch das Buch hindurch mehr als deutlich, doch ist es nicht er allein, den Beatrice fürchten muss. Die Visionen, die sie quälen, legen den Verdacht nahe, den auch Andrés an einer Stelle ausspricht: Dass auch Beatrice über Hexenkräfte verfügt. Sie leugnet es standhaft, doch es wäre wirklich interessant herauszufinden, was wohl in jenem Brief stand, den sie Andrés mehrere Monate nach ihrem Auszug geschickt hat.
Alles in allem fühlte ich mich sehr gut unterhalten. Ja, das Buch hat ein, zwei Längen, aber als die Handlung in Fahrt kam, war sie dicht und spooky, so wie man es sich von einem Geisterhaus-Roman wünscht.