Yessa und Cassim stehen vor dem Nichts. Alle Hoffnung, sich gegen die Schreckensherrschaft von König Ylving aufzulehnen, scheint verloren, genau wie der Krieg. Doch Yessa ist noch nicht bereit aufzugeben, selbst wenn es ihr Leben fordern könnte, den Auserwählten zu befreien... Marie Niehoff hat mit ihrer Dragonbound-Trilogie eindrücklich bewiesen, welch große Entfernung zwischen Idee und Umsetzung liegen kann. Wie bereits in Rezensionen zu den ersten beiden Teilen erwähnt, ist die Idee mit unterdrückten Drachenwandlern, die sich gegen ihre Peiniger auflehnen, ziemlich vielversprechend. Aber die Autorin ist am Fantasy-Aspekt ihrer Geschichte gescheitert. Während es Liebesgeschichte in Hülle und Fülle gab (auch wenn sie sehr aufgebauscht dramatisch und stellenweise ein wenig lächerlich war), für Romantasy fehlte dann doch die Fantasie, von Hintergründen der ganzen Handlung mal abgesehen. Klar, es gibt Drachen, die manchmal auch Menschen sind, aber sonst wissen wir rein gar nichts von der Welt, in der die Geschichte spielt, meistens wissen wir nicht mal, wie die Charaktere, besonders in ihrer Drachenform, aussehen. Es gibt zwei Reiche, die eigentlich wohl mal eines waren, nur eines davon trägt einen Namen, Eldeya, aber ich war mir bis zum Ende nicht ganz sicher, welche Hälfte damit eigentlich gemeint war. Darüber hinaus gibt es genau zwei Städte, zwei Armeecamps und ein Gefängnis, das sind alle Handlungsorte, zwischen denen die Protagonisten hin und her hüpfen. Nur zwei davon haben einen Namen bekommen. Wir wissen nichts von der restlichen Welt, von den Menschen, von anderen Reichen, von Geschichte. Wir wissen, dass es Götter gibt, aber weder kennen wir ihre Namen noch ihren Sinn, wir wissen, dass es eine ominöse, zerstörerische Magie gibt und dass irgendwie alle Menschen auch Magie besitzen. Das war alles. Was eher nach einem Entwurf klingt, der noch ausgearbeitet werden muss, ist der komplette Fantasy-Anteil dieser Geschichte. Mit anderen Worten: Die Autorin hat sich nicht die Mühe gemacht, irgendwelche Details in ihr Buch einzuarbeiten oder ihren Informationsschnipseln irgendeinen Sinn zu verleihen. Natürlich liegt in Romantasy-Büchern der Fokus oft nicht so sehr auf dem Worldbuilding, doch der Schauplatz der Geschichte muss doch zumindest glaubwürdig sein. Nun, seit "Burning Crown" und bis zum Ende fühlt sich die Welt dieser Geschichte trist, grau, traurig, leer und absolut unfertig an. Schade, so wird es genau zum Negativklischee von Romantasy. Immerhin waren die Charaktere im finalen Band etwas weniger nervtötend. Auf den letzten Seiten haben Yessa und Cassim absolut alle dämlichst-möglichen Entscheidungen getroffen und das Schicksal ihrer ganzen Welt aufs Spiel gesetzt, um in eine Falle zu laufen, die so offensichtlich war, dass sie förmlich Positionslichter hatte. Nun, im letzten Band, schaffen die beiden es, endlich!, zueinanderzufinden (wenn auch mit ein wenig Drama) und treffen ihre kurzsichtigen Entscheidungen wenigstens gemeinsam. Denn ja, im Endeffekt machen sie all das, was sie in Teil zwei verzapft haben, einfach nochmal. Nur eben noch lebensmüder. Am Ende wartet dann natürlich ein Happy End, das fast schon überhastet dort platziert wurde, direkt nach Blut und Tod, aber das war wohl zu erwarten, denn leider war auch in diesem Buch die meiste Handlung für jeden vorhersehbar, nur für die Protagonisten nicht. Am Ende bleibt eine Drachen-"Fantasy", die viel hätte sein können, aber eher wie Einheitsbrei aus viralen Tropes wirkt, den man immerhin flott lesen kann. Wer aber epische Drachen und Magie sucht, der sollte lieber zu anderen Büchern greifen.