Zu diesem Buch gibt es wahnsinnig viel zu sagen. So viele Gedanken schwirrten während des Lesens durch meinen Kopf, so viele Gedanken waren auch danach noch da.
Der Einstieg fiel mir zunächst ziemlich schwer. Sehr kurze Kapitel, was ich eigentlich gerne mag, machten die Geschichte unruhig. Denn jedes neue Kapitel brachte gefühlt neue Protagonisten, neue Handlungsstränge mit sich. Zunächst kam ich absolut nicht klar damit und musste mein Gehirn erstmal etwas sortieren.
Sno mochte ich als Protagonistin eigentlich recht gerne. Sie ist eine aufgeweckte junge Polizistin, die sich gegen ihre älteren Kollegen durchsetzen muss. Sie muss erst einmal beweisen, was sie kann. Leider hatte ich zu oft das Gefühl, dass ihre Kollegen sie nicht Ernst nehmen. Sie hat nicht nur einmal eine gute Idee, die in die richtige Richtung geht und wird einfach nicht gehört von ihren Kollegen. Teilweise agiert die Polizei schon fast dilettantisch. Sieht offensichtliche Spuren nicht oder möchte sie nicht sehen. Mich nervte es, dass Sno da die einzige mit vernünftigen Gedankengängen schien. Im Verlauf der Geschichte bröckelte die Sympathie etwas und ich muss zugeben, dass ich zum Ende etwas unschlüssig bin, ob ich sie jetzt mag oder nicht. Vielleicht würde hier ein zweiter Band Aufschluss geben.
Die Geschichte ist eine Mischung aus Snos Privatleben bzw. ihrer Vergangenheit und den aktuellen Morden. Das sorgt für ein gewisses Maß an Abwechslung. Gerade Snos Privatleben sorgt dafür, dass man sie besser kennen und verstehen lernt. Natürlich gibt es auch hier einige Mysterien, einiges was in Verborgenem liegt. Aber das kommt nach und nach immer mehr ans Tageslicht.
Ich muss zugeben, dass das Buch mich irgendwie extrem gefesselt hat. Ich mochte die Hintergründe für die Morde und ich mochte die Zusammenhänge, die immer mehr zum Tragen kamen. Ich mochte auch den Schreibstil in gewisser Weise, auch wenn er mir vor allem zu Beginn zu verwirrend war. Mit der Zeit habe ich mich dann aber nach und nach daran gewöhnt.
Die Spannung ist über die komplette Zeit hoch. Man weiß nie, was einen auf der nächsten Seite erwartet. Zeitweise dachte ich sogar, dass mir das Buch etwas zu düster und gruselig sein könnte. Dem war zwar nicht so, aber es war schon sehr packend und düster. Zudem ist es absolut nichts für schwache Nerven. Mann muss auf jeden Fall ein paar Grausamkeiten abkönnen, denn diese werden stellenweise relativ genau beschrieben
Das Ende hat mich tatsächlich nicht vollständig überzeugt. Die Auflösung kam recht früh und so blieben die letzten 70, 80 Seiten relativ blass gegenüber dem Rest der Geschichte. Es passiert tatsächlich noch einiges, aber mir fehlten die überraschenden Momente. Die meisten Dinge waren vorhersehbar und mir war oft klar, wie die jeweilige Situation ausgehen wird. Ich liebe diese Aha-Momente in Thrillern. Diesen Wow-Effekt, wenn etwas passiert, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe. Und das hat mir hier leider etwas gefehlt.
Das Buch bekommt von mir trotzdem vier von fünf Sterne. Denn es war über die komplette Zeit gute Unterhaltung, die zwischendurch (nur am Ende nicht) mit der ein oder anderen Überraschung aufwarten konnte. Packend und unterhaltsam geschrieben, mit Protagonisten, die man mal mag und mal weniger mag und manchmal gerne an die Wand klatschen würde. Trotz ein paar Schwächen würde ich trotzdem gerne den zweiten Band lesen, sollte dieser auf Deutsch übersetzt werden.