Maya ist eine erfolgreiche Ärztin in einer Hamburger Klinik. Doch dann hat ihre Mutter einen schweren Autounfall und muß für mehrere Wochen in eine Klinik. Aber da gibt es noch den Bruder Tobias, einen Autist, der nicht alleine Leben kann. Maya läßt sich beurlauben und fährt nach München, um sich um Tobias zu kümmern. Dieser ist zwar hochbegabt und arbeitet als IT-Spezialist im Home-Office, das normale tägliche Leben bekommt er nicht auf die Reihe. Alles muß genormt sein, nach Maß und pünktlich. Maya hat sich schon als Mädchen um den 5 Jahre Jüngeren gekümmert, da sie gut auf ihn eingehen konnte und in beruhigen, wenn er sich den Kopf an der Wand blutig geschlagen hat. Die Mutter fühlte sich durch das Kind überfordert, es kam dann noch einen kleineren Bruder auf die Welt. Die Ehe von Mayas Eltern ging in die Brüche und Maya war das Glaskind, durchsichtig, sie hatte keine Ansprüche und verzichtete zugunsten von Tobias. Als sie dann nach Hamburg zum Studium ging, war ihre Mutter sehr enttäuscht. Nun ist Maya wieder für alles Verantwortlich und da gib es noch den Nachbarn David, der als einzige fremde Person zu Tobias Zugang hat. Die Autorin schreibt derart authentisch, man merkt, dass sie davon Erfahrung hat. Das Buch greift immer wieder Situationen in der Vergangenheit auf, zurück zur Kindheit von Tobias und Maya. So bekommt man wirklich einen guten Einblick in das Leben eines Glaskindes und das Leben eines Behinderten in der Familie. Die Kapitel lesen sich gut, die Ausdrucksweise ist prägnant und klar, ohne viel Schnörksel oder Beschönigungen. Die Lektüre hinterläßt einen tiefen Eindruck und das Thema wird den Leser noch lange beschäftigen. Das Cover zeigt drei Kinder, die auf einem Steg sitzen im untergehenden Sonnenlicht.