Ein kluges, unbequemes Buch, das dazu einlädt, eigene blinde Flecken, Privilegien und Denkmuster ehrlich zu hinterfragen
"Yellowface" hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es ist ein provokantes Buch, das einen immer wieder dazu bringt, innezuhalten und zu hinterfragen, was richtig oder falsch ist und wie schnell man selbst geneigt ist, das eigene Verhalten zu rechtfertigen. Besonders eindrücklich ist, wie der Roman dazu anregt, die eigenen blinden Flecken zu erkennen. Als weißer, privilegierter Mensch fallen einem viele Dinge schlicht nicht auf, weil man sie nie selbst erleben muss. "Yellowface" hält genau das vor Augen und fordert dazu auf, auch jene rassistische Denkmuster zu hinterfragen, die man gar nicht haben möchte oder bei sich selbst nicht wahrnimmt. Das Buch beschäftigt sich auf kluge und provokante Weise mit Fragen von Privilegien, kultureller Aneignung und moralischer Verantwortung, ohne einfache Antworten zu liefern. Gerade diese Ambivalenz macht die Lektüre so spannend und fordernd. Man ertappt sich immer wieder dabei mitzudenken, zu zweifeln und die eigene Haltung zu überdenken. Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, die bereit sind, sich kritisch mit sich selbst und gesellschaftlichen Strukturen und Denkmustern auseinanderzusetzen. Auch als Schullektüre würde ich dieses Buch sehr empfehlen, weil es für ausreichend Diskussionsstoff sorgt.