Nun geht es also weiter mit der Geschichte von Abby und Sofia. Sofia ist die Flucht aus Ost-Berlin nach Hamburg gelungen, dort sucht sie ihren Cousin Kalle. Untergekommen ist sie bei Abby, doch nicht sofort springt der Funke zwischen den beiden über, es ist eher eine Zweckgemeinschaft. Abby braucht die Mieteinnahme, denn nur durch wenige Fotoaufträge kann sie nicht leben und Sofia ist froh für kleines Geld ein Dach über den Kopf zu haben. Sie hat zwar schnell einen Kneipenjob auf St. Pauli gefunden, doch ist dieser völlig unterbezahlt. Als Abby ihre große Liebe verliert, ist Sofia eine Stütze und die beiden werden vertrauter miteinander und nach und nach werden sie zu besten Freundinnen. Sofias Gedanken kehren immer wieder zu Lukas. Er ist der Mann, der ihr in Ost-Berlin zur Flucht verholfen hat und ihr in der schwersten Zeit ihres Lebens beigestanden hat. Sie hofft auf ein baldiges Wiedersehen. Dieser zweite Band kann unabhängig vom ersten gelesen werden, doch wäre meine Empfehlung, mit dem ersten Teil zu beginnen, denn die Vorgeschichte zu kennen, hilft hier, einiges besser zu verstehen. Zumal auch der erste Band ein ganz starker Roman ist, jedoch sich insofern abhebt, dass es dort zwei Handlungsstränge gibt und dort die Vorgeschichte von Abby und Sofia erzählt wird, die bis dato nicht in Beziehung zueinanderstehen. Die gelungene Auflösung folgt nun im zweiten Teil. Kerstin Sgonina gelingt es wieder wunderbar, den Zeitgeist der frühen 60er Jahre in Hamburg einzufangen. Man spürt förmlich die Zeiten des Aufbruchs. Die Jugend will den konventionellen Mief der 50er Jahre loswerden. Das zeigt sich in der Mode, Lebensweise und auch in der Musik. Während den Beatles im ersten Band viel Raum gegeben wurde, so treten sie hier in den Hintergrund. Das ist auch gut so. Denn die beiden Protagonistinnen sind starke Persönlichkeiten, die es verdienen im Vordergrund zu stehen. Der Roman lässt uns teilhaben an Abbys und Sofias Gefühlen und Gedanken. Im Nachwort betont die Autorin zum wiederholten Mal, dass es sich hierbei um eine fiktive Geschichte handelt. Diese ist ihr sehr gut gelungen und ich hatte wieder große Freude daran, in die Welt der 60er Jahre zu tauchen. Das Ende ist rund, lässt aber auf einen dritten Teil hoffen, denn ich denke, das Leben von Abby und Sofia bietet noch Potential und die 60er Jahre haben noch einiges zu bieten.