Ein wahnsinnig starkes, berührendes Buch über die Vergänglich- und Endlichkeit, Sterben, Tod, Trauer, Hoffnung und Mut zu Leben
Dieses Buch hat mich auf einer sehr persönlichen Ebene getroffen. Ich lebe selbst seit 5 Jahren mit einer schweren Erkrankung mit ungewissem Verlauf und vieles von dem, was hier über Angst, Ungewissheit und dem Umgang mit dem eigenen Ende beschrieben wird, konnte ich sehr gut nachvollziehen.Für mich gehört zu diesem Thema auch das Recht auf Selbstbestimmung- nicht nur im Leben, sondern auch im Sterben. Wenn wir anerkennen, dass jeder Mensch selbstbestimmt leben darf, dann sollte dieses Recht auch am Lebensende gelten. Dieses Buch regt dazu an, sich mit Fragen zu beschäftigen, die man oft verdrängt: Ob man eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht verfassen möchte, wer im Ernstfall Entscheidungen treffen soll, wer einen auf diesem letzten Weg begleiten darf und auch, welche Form der Bestattung man sich wünscht und wo die letzte Ruhestätte sein soll.Besonders der Tod ihres Sohnes hat mich tief berührt. Und gleichzeitig zeigt das Buch etwas sehr Wahres: Der Tod ist für die meisten Menschen immer "weit weg". Jeder weiß, dass er kommen wird, aber kaum jemand glaubt, dass es einen selbst betrifft. Bis zu dem Moment, in dem man sich unweigerlich mit dem Thema auseinandersetzen muss. Z.B. wenn ein geliebter Mensch stirbt oder man selbst eine Diagnose erhält, die dieses Thema plötzlich näher rücken lässt.Mit dieser Ungewissheit nicht jeglichen Lebensmut zu verlieren, ist eine sehr schwierige Aufgabe. Denn auch hier kommt Trauer in Zyklen. Wie bei einer klassischen Trauer durchläuft man immer wieder spiralförmige Bahnen. Man meint daran zu zerbrechen und doch ist man bereits eine Runde weiter- auf derselben Höhe, aber ein Stück vorangekommen, auch wenn es sich nicht so anfühlen mag.Wenn man selbst krank wird oder das eigene Kind stirbt, merkt man schnell, wie wenige Menschen einen guten Umgang mit Krankheit und Tod haben. Natürlich ist es schwer die richtigen Worte für solche Situationen zu finden, aber Katja Lewina beschreibt sehr eindrücklich, dass es diese ohnehin nicht gibt und manchmal ein offenes Ohr und eine Schulter viel wichtiger sind als jede Floskel und dass man Betroffenen vor allem Raum geben sollte- für ihre Gefühle und Erzählungen.Mir hat sie mit diesem Buch sehr aus dem Herzen gesprochen. Ich empfinde großen respekt und Dankbarkeit dafür, dass sie trotz- oder gerade wegen- dieser Schicksalsschläge den Mut gefunden hat, ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Dieses kostbare Buch kann vielen Betroffenen Mut machen und zeigt Wege auf, wie man dieses Thema behutsam ins Gespräch bringt und wie man gemeinsam Wege findet, solange es eben möglich ist, sie zusammen zu gehen. Denn geliebte Menschen, insbesondere die eigenen Kinder, sind immer Teil des Prozesses: Sie erleben das Leben, die Krankheit, die Angst und die Trauer hautnah mit.Dieses Buch schaut dort hin, wo viele lieber wegsehen- und genau deshalb ist es so wichtig.