Mit ihrem historischen Roman,, Die Papierschöpferin " nimmt die Autorin Anna Thaler den Leser mit auf eine großartige und spannende Zeitreise ins 15. Jahrhundert.
Sofia di Maderno lebt mit ihrem Vater und den jüngeren Geschwistern in einem engen Tal am Gardasee. Wie auch andere Familien betreiben sie dort eine Papiermühle. Sie führt den mutterlosen Haushalt und auch bei der Herstellung des Papiers darf sie mitarbeiten. Doch das Handwerk zu erlernen und ein maestro zu werden, ist ihr als Frau nicht möglich. Ihr vielseitig und wissenschaftlich interessierter Vater ist häufiger geschäftlich unterwegs. Von einer Reise nach Venedig kehrt er unerwartet nicht zurück, Sofia wird mitgeteilt, daß er an der Pest verstorben sei. Von nun an kümmert sie sich um den Betrieb der Papiermühle. Frate Sebastiano ,ein guter Freund ihrers Vaters unterstützt sie und ihre Geschwister, auch als Vornund . Sofia hat es im Tal nicht leicht, einige Konkurrenten haben es auf ihre Mühle abgesehen und auch als Heiratskandidatin ist sie begehrt. Doch dagegen kann sie sich eine Weile wehren. Als seltsame Dinge passieren und ihre Arbeiter abgeworben werden, entschließt sie sich , mit Frate Sebastiano und seinem Novizen Gianluca nach Augsburg zu reisen, um dort Arbeiter anzuwerben und dort eventuell etwas über die Geschäfte ihres Vaters zu erfahren.
Anna Thaler hat mich mit ihrem hervorragend bildhaften Erzählstil von der ersten Seite an in den Bann gezogen , mitten ins aufregende Leben von Sofia. Sie ist eine sympathische und starke junge Frau, die sich nicht einschüchtern lässt und für dem Erhalt ihrer Papiermühle diese ungewöhnliche Reise auf sich nimmt.
Die Beschreibungen des engen Tals am Gardasee,,das Leben dort und die Reise nach Augsburg und Venedig sind so anschaulich beschrieben, daß ich das Gefühl hatte , mit Sofia , Sebastiano und Gianluca und den späteren Weggefährten unterwegs zu sein, die ungewohnte Umgebungen und Landschaften mit großen, neugierigen Augen zu betrachten und zu genießen. Die Personen sind liebevoll und authentisch dargestellt, lebendig und die meisten auf Anhieb sympathisch.
Ich habe so viel über die Papierherstellung erfahren; eine anstrengende und aufwendige Arbeit, die nur mit viel Wissen zu besten Ergebnissen führt, so daß das Papier zum Schreiben oder Drucken verwendet werden kann. Auch die Anfänge des Buchdrucks, das Für und Wider der Verbreitung von Wissen und die Schwierigkeiten, die damit einhergehen könnten, hat die Autorin hervorragend recherchiert und mit der Geschichte verwoben. Die zarte Liebesgeschichte, die sich im Laufe der Erzählung entwickelt, ist unaufdringlich zeigt aber wie stark und selbstbewusst und wie fortschrittlich Sofia denkt und auch handelt. Ungewöhnlich und bewundernswert zu damaligen Zeit.
Auch das Nachwort mit den historischen Fakten zur Papierherstellung, den Anfängen des Buchdrucks und der Bedeutung Augsburgs und Venedigs in diesem Prozess haben mir zusätzlich interessante Informationen beschert.
Anna Thaler hat mich mit dieser unglaublich atmosphärisch erzählten Geschichte absolut begeistert. Spannend vom Anfang bis zum Ende, so daß ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich musste unbedingt wissen, ob Sofia dem Geheimnis ihres Vaters und seines ungewöhnlichen Todes auf die Spur kommen wird.
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung!