Gleich vorweg: ich bin ein großer Fan der Kunst von Miranda July. Ich mag ihre Verspieltheit, ihre Skurrilität, die auf eine Weise zu irritieren vermögen, die jedes Mal Spuren in meinem Leben und Denken, meinem Empfinden hinterlässt; ja, diese Werke können tiefer beeindrucken und auch verwunden als manch akribischer Ernst.Dies gesagt, muss ich zugeben, dass mich "Auf allen Vieren" ein bisschen enttäuscht hat. Mir gefällt zwar die grundsätzliche Idee, eine Emanzipation in der Mitte des Lebens auf unkonventionell-vielschichtige Weise darzustellen und es gibt ohne Zweifel starke Stellen; vor allem die Gespräch zwischen der Protagonistin und ihrer besten Freundin, sowie manche geschilderten Gedankengänge, stecken voller Witz und unprätentiöser Neurosenblüten, die (wie nebenbei) viele Schichten an Erwartungen und Urteilen, mit denen sich Frauen konfrontiert sehen (die sich geradezu in ihnen ablagern), freilegen, was um die Hauptfigur herum einen faszinierenden und lebendigen Sog erzeugt.Leider sind fast alle anderen Figuren relativ blaß, sogar das Kind (es geht eben vor allem um die Protagonistin, mag man*frau einwenden, was stimmt, trotzdem ist es hier und da zach). Zudem (das mag an der Übersetzung liegen) habe ich die Sprache streckenweise als sehr uninspiriert empfunden. Manchmal habe ich mir da gewünscht, July hätte statt dem Buch einen Film gedreht und die tollen Dialoge übernommen; auch das Hotelzimmer und manche anderen Szenerien könnte ich mir filmisch sehr gut vorstellen.Ich weiß, dass diese Kritik - von einem Mann, an einem solch emanzipatorischen Buch - wenig Aussagekraft hat. Von daher sollte man mein Urteil auch keinesfalls auf die Goldwaage legen. Allein, dass es ein solches Buch gibt, mag vielen Leser*innen schon Grund genug sein, es zu mögen. Dieser Freude will ich nicht im Weg stehen und es lohnt auf jeden Fall, sich mit diesem Text auseinanderzusetzen.