In dem Roman Winterglück und Inselzauber von Claudia Schirdewan sorgt ein Schneesturm dafür, dass mehrere Gäste über die Weihnachtsfeiertage auf der Nordseeinsel Borkum festsitzen. Gemeinsam verbringen sie die ungeplante Auszeit in der kleinen Familienpension Meereszauber, fernab von ihren ursprünglichen Weihnachtsplänen. Vor der winterlichen Inselkulisse erzählt der Roman von zwischenmenschlichen Begegnungen und den unerwarteten Chancen, die entstehen können, wenn das Leben andere Pläne bereithält.
Im Mittelpunkt steht Julia, die nach dem Tod ihrer Mutter die Familienpension allein weiterführt. Gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Sohn Leon versucht sie, den Verlust der geliebten Oma zu verarbeiten und zugleich den Gästen trotz der außergewöhnlichen Umstände einen schönen Aufenthalt zu ermöglichen. Zu den gestrandeten Gästen gehören unter anderem der beruflich stark eingespannte Simon, die angehende Sängerin Nina sowie das herzliche Rentnerehepaar Flora und Gerd. Obwohl sie alle sehr unterschiedlich sind, helfen sie sich gegenseitig über ihre jeweiligen Herausforderungen hinweg und verbringen eine Zeit voller Gemeinschaft und weihnachtlicher Begegnungen miteinander.
Dieses Buch hat mich total in seinen Bann gezogen. Denn es ist ein Fest zu lesen, wie sich die Personen entwickeln. Sie sind zunächst Fremde füreinander und als Leser blicken wir anfangs recht oberflächlich auf ihre Persönlichkeiten. Doch indem sich die Personen besser kennenlernen, schauen auch wir Leser hinter die Fassade.
Insbesondere bei Simon hat man anfangs einen ganz anderen Eindruck. Er ist verschlossen und fast abweisend, aber öffnet sich immer weiter, je länger er auf Borkum ist. Mit jedem Austausch wird er für Julia immer wichtiger die Anziehung steigt und neben dem Weihnachtsglitzern kommt es auch zu so einigen Funken. Besonders schön ist das, weil Simon sich wirklich für sie interessiert und auch einen Zugang zu dem kleinen Leon findet. Diese Begegnungen von ihm und dem trauernden Leon sind einfach herzergreifend und man kann nicht anders, als die beiden einfach süß zu finden. Auch Julia tut das gut, denn dieses Interesse an ihr und ihrem Sohn gepaart mit dem Knistern, lässt sie aus dem Alltag und der Trauer auftauchen.
Neben den facettenreichen Personen sind es die kleinen Situationen, die mich so berührt haben. Denn sie sind so detailreich und realistisch beschrieben, dass man mit eintaucht und alle Emotionen hautnah miterlebt so zum Beispiel als der kleine Leon wegläuft, weil er glaubt, seine Oma treffen zu können. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber ich habe mitgeweint und habe diese Geschichte richtig mitgefühlt.
Ganz toll und meine große Leseempfehlung zu Weihnachten.