Mit Fall of the Fae Era eröffnet Katha Gansch ihre neue Fantasyreihe Gaze of Iladri und legt einen Auftakt vor, der gleichermaßen düster, emotional und intensiv ist.
Schon das Cover und der Titel lassen erahnen, dass hier keine leichte High-Fantasy wartet. Und genau das bestätigt sich auf den ersten Seiten: Die Geschichte entführt in eine Welt, die von Macht, Gesetzen und Intrigen geprägt ist, in der Liebe nicht frei ist und schon gar nicht zwischen einer Fae und einem Menschen.
Im Mittelpunkt stehen Ava und Tarim. Ava ist eine Fae auf der Flucht, gejagt von einer grausamen Ordnung und einer Vergangenheit, die mehr Schatten wirft, als sie selbst zunächst begreift. Als sie zurückkehrt, um ihre Schwester zu retten, findet sie ausgerechnet bei Tarim Unterschlupf einem menschlichen Krieger, der selbst mehr verloren hat, als man auf den ersten Blick ahnt. Während Tarim Ava versteckt und beschützt, kommen Wahrheiten ans Licht, die beide verändern. Besonders die Enthüllungen über jene Nacht, in der Ava einst floh, geben der Geschichte eine enorme emotionale Tiefe.
Parallel dazu verdichten sich die politischen Spannungen. Widerstandskämpfer, geheime Allianzen und Figuren mit ganz eigenen Interessen ziehen ihre Fäden. Vor allem Green, ein weiterer Fae, der Anspruch auf Ava erhebt und mit dem Widerstand kooperiert, sorgt für zusätzliche Konflikte und ein stetiges Gefühl von Bedrohung. Wem kann man trauen? Und wie viel Freiheit bleibt, wenn selbst Gefühle reglementiert sind?
Der Schreibstil von Katha Gansch ist flüssig, bildhaft und fordert Aufmerksamkeit. Die Welt ist komplex angelegt, mit Gesetzen, Zeitsprüngen und strukturellen Einschüben, die das Worldbuilding vertiefen und der Geschichte Gewicht verleihen. Das Tempo ist dabei eher intensiv als leicht man liest nicht nebenbei, sondern taucht ein. Besonders gelungen ist die Balance aus Magie, emotionaler Nähe und dunkler Spannung. Die Liebesgeschichte zwischen Ava und Tarim entwickelt sich langsam, schmerzhaft und stets unter dem Damoklesschwert eines Verbots, was ihr zusätzliche Kraft verleiht.
Die Charaktere sind vielschichtig und tragen sichtbar ihre Wunden. Ava ist keine makellose Heldin, sondern eine Figur, die leidet, zweifelt und dennoch kämpft. Tarim steht ihr in nichts nach: loyal, gebrochen und doch stark. Auch die Nebenfiguren bleiben im Gedächtnis und lassen erahnen, dass ihre Rollen in den kommenden Bänden noch deutlich an Bedeutung gewinnen werden.
Das Ende dieses ersten Bandes ist konsequent und gnadenlos. Viele Fragen bleiben offen, Bedrohungen ungelöst, Gefühle unausgesprochen. Der Cliffhanger macht seinem Namen alle Ehre und unterstreicht, dass dies erst der Anfang einer deutlich größeren Geschichte ist.
Fazit:Fall of the Fae Era ist ein starker, dunkler Fantasyauftakt mit intensivem Worldbuilding, emotionaler Tiefe und einer verbotenen Liebe, die unter die Haut geht. Katha Gansch erschafft eine Welt voller Magie, Verrat und Gesetze, die zum Mitfiebern zwingt. Wer epische Fantasy mit komplexen Figuren und einer ernsten Grundstimmung liebt, sollte sich diesen Reihenstart nicht entgehen lassen. Band 2 kann gar nicht schnell genug kommen.