Spannende Ermittlungen im historischen Wien
Darum geht's:Direkt vor der Wiener Polizeidirektion wird ein Karren mit einem menschlichen Kopf abgestellt. Die beigefügte Nachricht ist lateinisch und bleibt fürs erste kryptisch. Da die Vorbereitungen für den Festumzug zur Silberhochzeit des Kaiserpaares ganz Wien in Atem halten, hat auch die Polizei zu wenig Personal. Polizeipräsident Marx greift auf Hieronymus zurück, der die Geisterfotografie aufgegeben hat und als freiwilliger Polizeiagent arbeitet. Er soll die Identität des Toten klären und natürlich Mörder und Motiv entdecken.So fand ich's:Privat geht es Hieronymus und seinem treuen Freund Franz so richtig gut. Hieronymus hat mit seiner großen Liebe Karolina sein Glück gefunden und Franz hat mit der trinkfesten und bodenständigen Anetzka gleich noch ihre 6 Kinder dazu bekommen. Einträchtig leben alle zusammen auf einem großen Hof, von dem sie einige Zimmer zusätzlich vermieten. Der Hund Rembrandt vervollständigt das ungewöhnliche Patchwork-Familienglück.Rechtsmediziner Solomon Stricker ist inzwischen zu einem guten Freund geworden und so hat Hieronymus einige Helfer bei seinen Ermittlungen. Besonders Anetzka ist ein echtes Original und auch die Kleinwüchsigen Toni und Mitzi sind wundervolle Nebenfiguren, die wir schon aus früheren Bänden kennen und die ich gerne hier wiedergetroffen habe. Tonis Mutter ist etwas eigen, aber umso unterhaltsamer.Der unbekannte Tote gibt Hieronymus Rätsel auf und er muss eine Schnitzeljagd durch Wien veranstalten, um seine Identität zu enthüllen. Als er weiter gräbt, stößt er auf Überbleibsel der Revolution von 1848 und politische Intrigen, die über einen einfachen Mordfall weit hinausgehen.Neben den bunten Figuren sind wir bei spannenden Ermittlungen hautnah dabei. Es wird mehr als einmal gefährlich und man kommt nicht zu Atem, denn es gibt Zeitdruck und skrupellose Gegenspieler, die nicht davor zurückschrecken, noch mehr Menschen zu töten. Wie nebenbei wird uns ein lebendiger Einblick ins Leben des Jahres 1879 gewährt, von gut situierten Adeligen, die sich der Wohltätigkeit widmen können bis zu Anetzkas ältester Tochter, die nicht von einem Ehemann abhängig sein soll und von ihrer Mutter dazu genötigt wird, in einer Fabrik eigenes Geld zu verdienen - und die an den schlimmen Arbeitsbedingungen fast zerbricht.Für die greifbare Atmosphäre sorgen auch die regelmäßig eingestreuten österreichischen oder wienerischen Begriffe, die sofort auf der entsprechenden Seite in einer Fußnote erklärt werden. So muss man in keinem Verzeichnis nachlesen, der Lesefluss wird nicht unterbrochen, aber man merkt ständig, dass man sich in Wien aufhält, was mir sehr gefallen hat.Dieser inzwischen fünfte Band der "Donaumelodien¿ fügt sich nahtlos in die Serie ein und hat mich wieder bestens unterhalten. Man kann das Buch auch getrost als Einzelbuch lesen, denn für ein ungetrübtes Lesevergnügen braucht man das Wissen aus den Vorgängerbänden nicht unbedingt. Empfehlen kann ich allerdings alle Bände dieser historischen Krimireihe.