Schwedenkrimi, der rundum Spaß macht.
Niemand hätte auf absehbare Zeit den Mord entdeckt, wenn nicht diese Fotografin unterwegs gewesen wäre, die mit ihrer Kamera verlassene Orte einfing. Beim Entwickeln und Abziehen ihrer analogen Fotos entdeckt sie die Hand im Fenster des Kellers des verlassenen Hauses weitab vom nächsten Ort und sagt der Polizei Bescheid. Ein verkrachter Schauspieler ist das Opfer und die Ermittler haben denkbar wenige Anhaltspunkte - bis durch Zufall ein ähnliche gelagerter Fall hoch oben im Bergbauort Malmberget auftaucht, bei dem das Opfer eine ganz ähnliche Kellerhaft durch einen Zufall überlebt hat. Die Dinge überschlagen sich, als ausgerechnet der Chefermittler Georg "GG" Georgsson einfach so verschwindet.Eingesperrt in einem Keller ohne Nahrung und Flüssigkeit elend zugrunde zu gehen - ist das eine Urangst? Ich jedenfalls fühle mich gruselnd angesprochen und gehe da voll Bangen mit! Tove Alsterdal versteht sich nicht nur aufs Formulieren (wie schon im ersten Band ihrer Reihe), sondern vor allem auch aufs Dosieren, vermutlich macht dieses Buch deshalb so viel Spaß. Da ist eine gute Portion Grusel und Grausamkeit, real und hart geschildert, allerdings ohne dass einem übel wird davon. Da ist die Ermittlerin Eira Sjödin, die ihr Päcklein an privaten Sorgen und Nöten zu tragen hat, genug, um ihr nahezukommen, aber nicht so viel, dass es ihre Ermittlungen einschränkt oder uns als Publikum auf die Nerven fällt. Die Alltagsarbeit der Polizeiermittler hat ihren angemessenen Rahmen. Die Landschaft von Ångermanland mit ihrem ausgeprägten Lokalkolorit bildet in der Spätherbststimmung eine interessante provinzielle Kulisse, schön beschrieben, lebendig und speziell, ohne dass wir uns Lektionen in Provinz- und Kulturgeschichte aufs Auge drücken lassen müssen. Wir lernen den Erzabbau von Malmberget kennen, mit der Mine, die mitten durch die Ortsmitte geht und das Städtchen von innen auffrisst, ähnlich dramatisch wie im benachbarten Kiruna, nur dass die Malmbergetler sich nicht so gut auf PR verstehen und daher keinen Nutzen aus ihrer einzigartigen Situation schlagen; vom Tourismus bleiben sie weitestgehend unberührt.Und schließlich bekommen wir ein Verbrechen, dessen Tathergang und Motiv ich als plausibel und nachvollziehbar kaufe - und allein das hebt "Erdschwarz" schon deutlich von der Dutzendware skandinavischer und pseudoskandinavischer Serienmörderkrimis ab. In der Tat muss ich nachdenken, um etwas zu finden, was mir an diesem Buch nicht passt. Ein bisschen zu oft und zu viel wird auf den ersten Band der Reihe referenziert, als müsste man uns immer wieder erinnern, dass wir uns in Folge zwei befinden. Dabei ist das gänzlich unnötig, denn der Fall steht ganz für sich allein und setzt die Lektüre des (für meine Begriffe: etwas schwächeren) ersten Falles von Eira Sjödin keineswegs voraus.Und der Titel ist natürlich doof. Wobei mir dieses Mal auch das schwedische Original (Slukhål, das ist ein Schlundloch als geologischer Begriff) nicht viel besser gefällt.Aber geschenkt. Das Buch macht als entspannende Krimiunterhaltung richtig Spaß und ich freue mich auf Band 3 der Reihe.