Arrivederci am Lago Maggiore von Alexandra Holenstein ist der zweite Band der Reihe mit der Lehrerin Tabea Kummer als Ermittlerin.
Das malerisch-idyllische Cover des 2026 erschienenen Buches hat mich sofort angesprochen. Der Roman spielt in der nicht näher bestimmten Gegenwart in Ascona. Das Lokalkolorit ist anschaulich beschrieben, weckt das Interesse am Lago Maggiore, wird durch eingeflochtene italienische Ausdrücke unterstrichen. Den Vorgängerband muss man nicht gelesen haben. Der Fall steht für sich alleine, soweit erforderlich gibt es ergänzende Hinweise auf die Vorgeschichte.
An den wortgewaltigen und erlesenen Schreibstil und das komplexe Satzgefüge musste ich mich erst gewöhnen. So eindrucksvoll die Sprache, die Wortkreationen und Sprachbilder sind, ich empfand die Ausdrucksweise vielfach als zu konstruiert, zu gewählt, zu geschraubt bzw. ausgefeilt für einen Krimi. Nicht natürlich. Es liest sich auch nicht wirklich flüssig.
Erzählt wird abwechselnd aus Sicht von drei Personen: von Tabea Kummer, die als Hausdame den Hotelier während dessen Abwesenheit vertritt, von Esmeralda, die im Hotel die Hauswirtschaft führt, und von Armando, dem Hotelier.
Die Handlung entwickelt sich ruhig, man lernt zunächst neben den drei zuvor erwähnten Personen die Hotelgäste kennen, es ist eine etwas seltsame Gesellschaft. Auch die Abwesenheit des Hoteliers wirkt undurchsichtig. Nachdem zwei Gäste ermordet wurden, ermittelt zwar die Polizei, doch Tabea und Esmeralda machen sich so ihre Gedanken, schnüffeln den Gästen hinterher, die alle irgendwie verdächtig wirken, und interpretieren ihre Beobachtungen, zunächst jede für sich. Doch mit der Zeit freunden sich die beiden an, tauschen sich aus, ermitteln gemeinsam. Der Krimi verläuft wenig spektakulär, birgt wenige prickelnde Spannungsmomente. Es werden so nach und nach Zusammenhänge gelüftet, Motive erkennbar, auch ist der Kreis der Verdächtigen überschaubar, doch der wahre Täter kristallisiert sich erst im dramatischen Finale heraus.
Die Charaktere sind anschaulich gezeichnet, mit Stärken und Schwächen sowie Emotionen, bei den ProtagonistInnen auch mit privatem Background. Tabea und Esmeralda fand ich sympathisch, wurde dennoch mit ihnen nicht wirklich warm, was für mich wohl auch an der Sprache lag. Mir fehlte die Natürlichkeit.
Mich konnte der Krimi leider nicht begeistern, trotz des interessant aufgebauten Falls und der wunderschönen Landschaftseindrücke.