Im traditionsreichen Barnabas Hall College wird im Büro des Provosts die Leiche einer unbekannten Frau entdeckt - ein Fund, der sofort Rätsel über ihre Identität und die verborgenen Strukturen der Institution aufwirft. Zum Tatort gerufen wird DI Rayan Wilkins, dessen jugendliches und unkonventionelles Auftreten bei den Collegemitarbeitern zunächst Zweifel an seiner Kompetenz weckt. Doch schon bald fallen ihm die ersten Ungereimtheiten auf. Es dauert nicht lange und die ersten Beschwerden über sein Benehmen gehen bei seiner Vorgesetzte ein und führen zur überraschenden Erkenntnis, dass man versehentlich den falschen DI Wilkins entsandt hat. Es gibt nämlich noch einen zweiten Ermittler mit gleichen Namen. Er ist allerdings kultiviert, eloquent und das genaue Gegenteil seines jungen Kollegen. Trotz ihrer Gegensätzlichkeit sind die beiden Detektives nun aber gezwungenermaßen gemeinsam zu ermitteln. Eine Konstellation, die einiges Konfliktpotenzial birgt. Wer sie den Fall lösen?Der englische Autor Simon Mason, bekannt für seine Erwachsenen- ebenso wie für seine Kinder- und Jugendromane, zeigt auch in seinem jüngsten Werk seine Vielseitigkeit. Besonders im Krimigenre hat er sich einen Namen gemacht. Bereits 2022 erschien die Reihe um das ungleiche Ermittlerduo Wilkins & Wilkins im Original und bereits für einigen "Aufruhr". Dank der gelungenen Übersetzung von Sabine Roth ist der erste Band "Ein Mord im November" nun auch in diesem Jahr bei uns in Deutschland erschienen. Der Kriminalfall ist grundsätzlich handwerklich solide, wenn auch nicht revolutionär: Ein klassischer Kriminalfall, dessen Rätsel sauber aufgebaut und stringent aufgelöst werden. Die Ermittlung bietet Spannung und einige unerwartete Wendungen, ohne jedoch in atemlose Dramatik zu verfallen. Für mich ein moderater, überzeugender Krimi. Seine besondere Stärke entfaltet das Buch jedoch im Zusammenspiel der beiden Ermittler. Der jüngere Wilkins, der aufgrund seines Auftretens immer wieder aneckt, wirkt mit seinen Fehltritten, seinem Eigensinn und seiner verletzlichen Vergangenheit erfrischend authentisch. Der ältere DI Wilkins dagegen, höflich, kontrolliert und gelegentlich besserwisserisch, trägt ebenfalls sein eigenes Päckchen und erscheint damit ebenfalls als authentische Figur. Beide Charaktere entwickeln sich im Verlauf der Geschichte weiter, was schön ist als LeserIn mit zuverfolgen. Denn gerade diese Kontraste machen den Reiz des Krimis aus: Das Spannungsverhältnis zwischen den beiden Wilkins ist fast fesselnder als die Frage nach der Identität des Täters. Mason gelingt es, die Figuren so lebendig zu zeichnen, dass man ihnen gern durch weitere Fälle folgen möchte. Fazit:Ein gelungener Serienauftakt mit charakterstarken Detektives, die hoffentlich bald in die zweite Runde starten.