Ich mag Romane, in denen Frauen entgegen der hergebrachten Erwartungen sich anschicken, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Hier stellt sich Laura einer besonderen Herausforderung . Sie reist in das kleine Küstendorf Craster, um die Familienweberei aus dem Dornröschenschlaf zu holen . Bereits bei ihrer Ankunft sticht sie aus der Menge heraus und das weil sie entgegen der Gepflogenheiten einen roten Mantel trägt. Die Einwohner beäugen sie misstrauisch. Hier lebt man vom Fischfang. Zudem ist Lauras Mutter Deutsche - im Jahr 1954 immer noch ein Makel. Laura wird von ihrer Tante Jane warmherzig empfangen. Sie ist die Mutmacherin, der Fels in der Brandung. Man musste sie einfach ins Herz schließen. Den Gegenpart nimmt Carol, die Tochter einer der beiden wichtigsten Familien im Ort, ein. Sie verfolgt Laura mit Häme und versucht ihr zu schaden, wo sie nur kann. Das ergibt immer wieder spannende Momente. Und Carol hat mit ihren Aktionen meinen Blutdruck in die Höhe getrieben. Ich war jedes Mal wütend und gleichzeitig hilflos gegenüber ihrer Boshaftigkeit wie Laura.
Mir persönlich haben die Schilderungen des Dorflebens und der Umgebung sehr gut gefallen, Ein weiterer Pluspunkt waren die interessanten Einblicke in die traditionelle Tweedherstellung, angefangen von der Gewinnung der Wolle, über das Färben bis hin zum Weben des Stoffes. Laura findet gute Freundinnen, die ihr in schwierigen Situationen zur Seite stehen. Neben den beruflichen Herausforderungen sieht sich Laura mit den Erwartungen, die an eine junge Frau in einem dörflichen Umfeld gestellt werden, konfrontiert. Und natürlich spielt auch die Liebe eine Rolle. Ausgerechnet an Fred, den Carol als ihr Eigentum betrachtet, verliert sie ihr Herz. Was aber nicht überraschen sollte, denn Fred ist fast zu gut, um wahr zu sein.
Die Autorin erzählt die ganze Geschichte so lebendig, dass ich zeitweise in Craster zuhause war und meinen Alltag vergessen konnte. Für mich ein wichtiges Argument auch den Folgeband zur Hand zu nehmen. Zudem endet das Buch mit einem fiesen Cliffhänger , den ich so nicht erwartet habe.