Vater Sebastian ist in einen Steuerskandal verwickelt und muss ins Gefängnis. Von heute auf morgen ist es aus mit dem Luxusleben. Mutter Isabell, Sohn Lucas und Tochter Clara fliehen in das friesische Deerhusen. Hier betreibt Isabells Schwester Stine eine Pension. Allerdings haben sich die beiden seit 30 Jahren nicht mehr gesehen, die Pension ist leicht heruntergekommen und drei Esser mehr fehlen Stine gerade noch.
In dem scheinbar ruhigen Dorf wird klar, dass jeder Bewohner eine eigene Geschichte und eigene Probleme mitbringt. Isabell wirkt zu Beginn eher unsicher und muss sich erst im neuen Umfeld zurechtfinden. Sie lernt jedoch, offener auf andere zuzugehen und für eigene Entscheidungen einzustehen. Daran wächst sie.
Clara erscheint zunächst selbstbewusst, kämpft aber auch mit eigenen Konflikten. Gerade ihre Beziehung zu anderen zeigt, dass hinter ihrer starken Fassade Zweifel und Gefühle stehen, die sie nicht immer offen zeigt. Dadurch wirkt sie aber auch besonders menschlich.
Lucas wirkt oft ruhiger und beobachtend, spielt aber eine wichtige Rolle dabei, Konflikte zu entschärfen und Verbindungen zwischen den Figuren herzustellen. Dabei sieht man, dass Unterstützung und Verständnis für andere einen großen Einfluss haben können.
Insgesamt ist Willkommen in Deerhusen eine realistische Geschichte über Menschen, Beziehungen und Neuanfänge. Mir persönlich hat gefallen, dass die Figuren sehr menschlich dargestellt werden. Ihre Probleme wirken glaubwürdig und man kann sich gut in ihre Gedanken hineinversetzen. Die Handlung ist eher ruhig erzählt, lebt aber von den Beziehungen zwischen den Personen und der besonderen Dorfatmosphäre. Ein schöner Roman, der sich gut lesen lässt, sehr witzig und herzlich ist.