
Mörderische Intrigen im Familienunternehmen
Im dritten Berlin-Krimi um Kriminalhauptkommissarin Mara Eisfeld ermittelt die 9. Mordkommission im Umfeld einer Fleischerei-Dynastie - filmreif, düster, mit starker Sogwirkung und reichlich Action!
In Berlin stimmt man sich auf Weihnachten ein, als Mara Eisfeld zum Schauplatz eines brutalen Mordes gerufen wird: Magnus Haub, Sohn der einflussreichen Fleischerei-Unternehmerin Heidemarie Haub, liegt tot in seinem luxuriösen Penthouse. Dem fortgeschrittenen Verwesungszustand nach zu urteilen, seit Tagen unentdeckt.
Erste Spuren führen zu der Tierschutz-Aktivistin Lena von Bülow, die mit spektakulären Aktionen gegen den Haub-Konzern Schlagzeilen machte. Doch auch innerhalb der Unternehmerfamilie brodelt es seit Langem. Geheimnisse, Intrigen und eine Mauer des Schweigens erschweren die Ermittlungen. Lena könnte Antworten liefern - doch sie ist spurlos verschwunden . . .
Pageturner mit Thriller-Qualitäten - perfekt für die Fans von Tatort, Andreas Franz / Daniel Holbe oder Nele Neuhaus
Steffen Weinert, mehrfach ausgezeichneter Drehbuchautor und Regisseur, beweist sein Können in den temporeichen, clever konstruierten Krimis um die willensstarke Mara Eisfeld. Wer Familiendramen wie Succession liebt, kommt auch im dritten Band der Krimi-Reihe voll auf seine Kosten.
Die düsteren Krimis um die Berliner Kommissarin Mara Eisfeld erscheinen in folgender Reihenfolge:
Besprechung vom 06.07.2026
Dienstweg als Umweg
Krimis in Kürze: Philippe Dijan, Steffen Weinert, Titus Müller
Den "König der Ellipse" hat die französische Zeitung "Le Monde" ihn kürzlich genannt, und wenn man den neuen Roman von Philippe Dijan liest, dann hat er sich den Titel unbedingt verdient. In "Offene Rechnung" (Diogenes, 253 S., geb., 26,- Euro) bleibt vieles im Ungefähren, auch wenn die Rechnung am Ende beglichen ist. Das liegt vor allem an Nathan, dem Ich-Erzähler. Ihm ist vieles zuzutrauen - nur Transparenz und Wahrheit nicht. Dijan, der vor vierzig Jahren berühmt wurde durch seinen Roman "Betty Blue. 37,2 Grad am Morgen" und dessen anschließende Verfilmung, ist auch keiner, der ausgiebig Interieurs, Exterieurs oder Aussehen und Kleidung seiner Figuren beschreibt. Er lässt lieber weg, worauf es nicht so sehr ankommt. Akteure charakterisieren sich durch ihre Handlungen.
Diese Haltung teilt Dijan mit Nathan, der als Journalist für eine Zeitung arbeitet, deren Ausrichtung und Zielgruppe recht nebulös bleiben. Die Zeitung gehört seiner Schwiegermutter Gaby, die zugleich eine gefeierte Lyrikerin ist. Er fühlt sich erotisch unwiderstehlich angezogen von ihr, obwohl er nach einer missglückten Vasektomie impotent ist, weshalb seine Frau Sylvia sich anderweitig vergnügt.
Er glaubt, einer finsteren Intrige gegen Gaby auf der Spur zu sein, aber er glaubt auch, dass eine seltsam glühende Chimäre ihn beobachte, die er mit Nüssen und Knackwürsten zu beschwichtigen versucht. Ein paar rätselhafte Todesfälle machen aus dem Familiendrama mit kleineren Fantasy-Einschüssen einen Krimi. Man sollte nicht erwarten, dass Dijan einen restlos aufklärt. "Ich weiß, ich bin besessen, aber wovon, das weiß ich nicht", so beschreibt Nathan die Situation ziemlich zutreffend.
Ein paar Ellipsen hätten auch dem Roman von Steffen Weinert nicht geschadet. Aber in der überwältigenden Mehrheit deutscher Krimis wird eher zu viel erklärt und erläutert, aber nicht genug mit Sinn für Auslassungen erzählt. Weinert weiß es im Grunde besser, er hat Drehbuch an einer Filmakademie studiert, er hat eigene Filme gemacht. Da geht es ums Zeigen und nicht ums wortreiche Demonstrieren. Und seine LKA-Ermittlerin Mara Eisfeld hat durchaus Potential.
"Eisfeld - Fleisch und Blut" (Knaur, 282 S., br., 13,99 Euro) ist ihr dritter Auftritt. Sie hat Eheprobleme, ihr Vater hat sich bei ihr einquartiert, aber das ist sinnvoll dosiert, um die Figur zu konturieren. Und sie hat, wie eigentlich alle interessanteren Ermittler, einen Hang dazu, den Dienstweg häufiger für einen Umweg zu halten. Es geht, wie der Titel andeutet, um den Mord an dem Sohn eines großen Fleischereiunternehmens, der offenbar mit einer Tierschutzaktivistin liiert und wild entschlossen war, all die saftigen tierischen Produkte durch "Sojalappen" zu ersetzen, wie es ein Mitglied der Familie ausdrückt.
Abgesehen von der offensichtlich unheilbaren Unsitte eines mittelmäßig verrätselten und dramaturgisch unnötigen Prologs, ist Weinert ein solider Konstrukteur. Sein Plot funktioniert, er hat ein Gespür für reizvolle Schauplätze und dynamische Actionszenen. Sprachlich ist da noch etwas Luft nach oben, aber man ist ja schon dankbar, wenn jemand einen Kriminalroman schreibt, der viel zu hart ist, als dass irgendeine Sendeanstalt ihn für einen "Tatort" oder "Polizeiruf 110" in Erwägung zöge.
Kaum einem historischen Kriminalroman wird man heute noch nachsagen müssen, er sei nicht gut genug recherchiert. Der Anhang zu "Die geheime Mission" (Heyne, 366 S., br., 17,- Euro) von Titus Müller umfasst fast dreißig Seiten, auf denen ausführlich über Vorgeschichte und Ablauf der Berlin-Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949 und über die Luftbrücke informiert wird. Die nach wie vor interessantere Frage bleibt allerdings, was die erzählerische Phantasie mit dem solide erarbeiteten Material anfängt.
In Müllers historischen Romanen ist das meist überschaubar. Auch in diesem Fall werden Brisanz und Dramatik des Sujets in einer ziemlich holzschnittartigen Ost-West-Familienkonstellation eher verharmlost als ausgereizt. Und je getreuer sich der Plot an den realen Ereignissen entlangbewegt, desto willkürlicher und unwahrscheinlicher wirkt der Einfall, mit dem schließlich verhindert wird, dass die Amerikaner sich aus Berlin zurückzogen. Dass historisch alles korrekt ist, heißt ja nicht, dass es dramaturgisch stimmig sein muss. PETER KÖRTE
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