Der historische Roman Tinte und Schwert - Verwandlung stammt aus der Feder von Matthias Soeder. Dies ist der Auftaktsroman einer Reihe, welche en 30-Jährigen Krieg thematisiert. Es lässt sich ohne Vorkenntnisse hinsichtlich historischer Gegebenheiten lesen.
Der Autor Matthias Soeder hat wohl bereits mehrere Thriller geschrieben, jedoch ist Tinte und Schwert Verwandlung mein erstes Werk von Soeder. Mich persönlich hat das Thema hier interessiert und die Darstellung dieser Zeitepoche. Ich war sehr gespannt, weil ich immer auf der Suche nach neuen Autoren mit fesselnden historischen Romanen bin. Jedoch wurden meine Erwartungen nicht vollständig erreicht.
Die Gestaltung des Buches möchte ich zunächst positiv erwähnen. Auf den ersten Seiten ist eine Stadtansicht von Pilsen beigefügt, welche ich recht ansprechend finde. Am Ende ist noch eine Übersicht der historischen Persönlichkeiten und der Maßeinheiten beigefügt, welche man als Hilfestellung zu Rate ziehen kann.
Der Schreibstil von Soeder ist leicht und führt dazu, dass sich dieser historische Roman flüssig lesen lässt. Auch ist der Stil bildreich und gekonnt wird hier eine überzeugende Atmosphäre geschaffen. Jedoch sollte man sich bewusst sein, das Soeder eine schonungslose und stellenweise recht brutale Darstellung der Kriegsszenen wählt. Als Leser bekommt man authentische Einblicke in die Abgründe vom Kriegsgeschehen, der Kampf ums Überleben wird gekonnt dargestellt und in den Mittelpunkt gerückt. Dies ist kein Buch für zartbesaitete Leser, stellenweise ist eher ein rauer Umgangston auf der Tagesordnung. Man merkt dem Buch an, dass hier bestimmt viel Recherchearbeit im Vorfeld geleistet wurde. Leider wird meiner Meinung nach die Spannung nicht kontinuierlich hochgehalten. Zu Beginn wird man sofort mitten in das Geschehen hineingeworfen und lernt die damaligen Lebensumstände der einfachen Bevölkerung kennen, was ihren Lebensalltag geprägt hat. Doch es dauert nicht lange, und das Krieg holt die Bevölkerung ein, Gewalt wird auf bildhafte Weise in den Fokus gerückt. Für mich war dieser Einstieg eher durchwachsen. Ich hatte mit den Namen leider meine Schwierigkeiten und musste diese erst einmal sortieren und zueinander zuordnen. Auch wurde eher ungeschickt Spannung erzeugt, es war mir zu offensichtlich, dass die Idylle nicht lange anhalten wird. Im Mittelteil hat sich der Autor meiner Meinung nach auch zu sehr in Details verstrickt. Die Geschichte hat sich gezogen und war eher zäh, die Handlung ist auf der Stelle getreten, stattdessen bekam man zu viele Details in Kriegsgeschehen und politische Machenschaften und dies leider eher auf belehrende und nicht sehr anschauliche Weise.
Ein großer Kritikpunkt sind in meinen Augen die Charaktere. Mir persönlich waren diese zu Stereotyp und wirkten auf mich nicht lebendig. Sie sind mir nicht ans Herz gewachsen und ich habe nicht mit ihnen mitgelitten. Mir persönlich haben leider die Dialoge ebenfalls nicht so gefallen, sie wirkten auf mich stellenweise unnatürlich und zu erzwungen bzw. zu sehr bemüht. Jacob wollte den kirchlichen Werdegang einlegen und musste mit ansehen, wie seine Familie ermordet wurde. Dieser Schicksalsschlag hat ihn sehr mitgenommen und ihm den Lebenssinn geraubt. Doch später akzeptiert er diesen Verlust und möchte diesen Rächen, er möchte Vergeltung. Hadert aber gleichzeitig mit den Mittel, findet dennoch seinen Weg im Glauben. Ein weiterer wichtiger Charakter ist Anna. Anhand ihrer Perspektive bekommt der Leser interessante Einblicke in die Hexenverfolgung und auch hier sind diese eher schonungslos und stellenweise brutal. Sie kämpft ums Überleben und auch Anna musste diverse Schicksalsschläge erleiden. Mir persönlich war Anna der einzige annähernd sympathische Charakter, jedoch bekommt sie relativ wenig Raum. Ein Gegenpart ist Heinrich von Hohenfels. Dieser ist ein oberflächlicher Adliger, welcher nach Macht und Geld strebt dabei ist ihm jedes Mittel recht. Er ist als Unsympathisant angelegt und ist der reinste Stereotyp. Leider waren die Charaktere eher flach und eindimensional gehalten, sodass ich mit ihnen leider über die Gesamtlänge nicht warm geworden bin.
Insgesamt war mein Eindruck von dem historischen Roman Tinte und Schwert Verwandlung aus der Feder von Matthias Soeder recht gemischt. Auf der einen Seite steht die gute Recherchearbeit und ein fundierter historischer Roman, aber auf der anderen Seite sind die eher flachen Charaktere, welche mir zu stark stereotypisch angelegt wurden. Mir hat die Bindung zu ihnen gefehlt und somit wurde meiner Meinung nach der Geschichte nicht genug Leben eingehaucht. Der Reihenauftakt konnte mich nicht vollständig überzeugen, sodass ich diese Reihe wahrscheinlich nicht weiterverfolgen werde. Insgesamt möchte ich 3 Sterne vergeben.