Hier wartet eine Geschichte zwischen Nordseewind, Herzschmerz und neuen Wegen gelesen zu werden.
Mit Neuanfang auf Sylt erzählt Nadine Feger eine gefühlvolle Geschichte über Verlust, vorsichtige Hoffnung und den Mut, sich nach einem Bruch neu zu orientieren. Die raue Schönheit Sylts und das stetige Meeresrauschen bilden dabei eine atmosphärische Kulisse. Diese passt für mich perfekt zur inneren Zerrissenheit der Figuren.
Svea steht nach dem Verrat ihres Ehemanns plötzlich vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens. Und das beruflich wie privat. Ihre Unsicherheit und die Angst vor einem Neuanfang sind absolut nachvollziehbar.
In Lucas begegnet sie einem Mann, der selbst kaum Halt findet. Er ist in Sorge um seine Tochter Lilly. Denn der Unfall bestimmt sein gesamtes Leben. Aus gemeinsamen Gesprächen, leisen Momenten und ehrlicher Nähe entwickelt sich hier eine sehr angenehme und authentische Verbindung.
Besonders gelungen ist der sensible Umgang mit den Themen Patchwork-Familie, Verantwortung und emotionaler Überforderung. Auch das Love Triangle wirkt nicht konstruiert, sondern entspringt Sveas innerem Konflikt zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Allerdings konnte mich das Ende nicht vollständig überzeugen. Die finale Entscheidung, insbesondere aus Lucas Sicht, wirkte für mich zu schnell getroffen. Nach all den Zweifeln, Ängsten und der Verantwortung, die er trägt, hätte ich mir hier mehr innere Auseinandersetzung und Entwicklung gewünscht. Das kam für mich sehr plötzlich und wirkte nicht vollends authentisch und stimmig.
Definitiv ist dieses Buch ein ruhiger und gefühlvoller Second-Chance-Roman mit viel Herz, starker Atmosphäre und sensiblen Themen. Trotz kleiner Schwächen im Schluss hab ich es gern gelesen.