Rau, emotional und nachdenklich, besonders sind auch die Illustrationen.
Wasser, Felsen, Wut von Sara Pütter ist ein eindrucksvoller Roman über Identitat, Selbstbestimmung und die Frage, wie man seinen eigenen Weg findet, wenn die Vergangenheit schwer auf einem lastet. Die Geschichte von Sara wird von ihr erzählt. Eine Geschichte geprägt von familiären Verletzungen, Verlust und dem Versuch endlich für sich selbst zu leben.Besonders präsent ist ihre schwierige Beziehung zu den Eltern, vor allem zu ihrem Vater, der die Familie für eine andere Frau verlassen hat.Gleichzeitig überschattet der Unfalltod ihrer großen Schwester ihr gesamtes Leben. Sara hat lange das Gefühl, nicht nur für sich selbst, sondern auch für das ungelebte Leben ihrer Schwester leben zu müssen. Ein bewegender Gedanke des Buches ist dabei, wie viel Raum Tote im Leben der Hinterbliebenen einnehmen können.Ohne festen Plan bricht Sara schließlich auf und beginnt, ihr eigenes Leben zu suchen. Auf ihrer Reise begegnet sie vielen unterschiedlichen Menschen. Unter anderem lernt sie zwei Jäger kennen, durch die sich für sie die Möglichkeit eröffnet, in die raue Wildnis aufzubrechen. Minimalistisch, ohne Komfort, ganz nah an der Natur. Diese Passagen über das einfache, harte Leben in und mit der Natur haben mir besonders gefallen.Vor allem Jack bleibt als Figur in Erinnerung. Ein widersprüchlicher Mann, jähzornig, unberechenbar, machtorientiert und verletzend. Gleichzeitig aber auch jemand, der anderen Erfahrungen ermöglicht, die sie ohne ihn nie gemacht hätten. Gerade das macht ihn interessant, auch wenn sein Verhalten oft schwer auszuhalten ist.Besonders beeindruckt haben mich außerdem die wundervollen Illustrationen, die dem Buch eine ganz eigene Atmosphäre verleihen und die Geschichte auf besondere Weise ergänzen.Teilweise hatte ich Schwierigkeiten Saras Verhalten, vor allem im Umgang mit Männern und speziell mit Jack, nachzuvollziehen. Dadurch konnte mich das Buch nicht durchgehend begeistern.Insgesamt ist Wasser, Felsen, Wut ein intensiver Roman mit starken Themen, atmosphärischer Naturbeschreibung und einer berührenden Suche nach Selbstbestimmung. Nicht alles war für mich überzeugend, dennoch bleibt das Buch im Gedächtnis.