Es ist eine einfache aber schöne Erzählung über die Besonderheiten des Alltags
Ein wirklich eindringliches Buch über das Leben, was es ausmacht und wieso wir es nicht immer auf später schieben sollten. Ein kleiner Schnitt am Finger beim Zwiebelschneiden, eine Infektion, die rasch außer Kontrolle gerät und wenige Stunden später liegt der Erzähler auf einer Intensivstation, am Schlauch, mit der Diagnose Sepsis. Ob er das alles überlebt, ist zunächst nicht klar. Dann doch die gute Nachricht von Heilung. Bei all dem drängt sich unweigerlich eine große Frage auf: Wenn sich alles von einem Moment auf den nächsten verändern kann, warum vertagen wir das, was uns wirklich wichtig ist, so beharrlich auf später?Schäfer, Jahrgang 1974, war lange Jahre Journalist, Chefredakteur und Medienvorstand und schreibt über das Alltägliche, das plötzlich fragil wird Das Buch lässt sich nicht ganz eindeutig einordnen: Es ist meiner Meinung nach kein klassischer Roman mit Handlungsbogen und Figurenentwicklung, sondern eher eine Art Sammlung von Beobachtungen und kleinen Geschichten, die der Erzähler nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus zu sammeln beginnt. Momente in Familie, Freundschaft, Natur. Dinge, an denen er früher vorbeigesehen hätte und die er jetzt mit anderen Augen betrachtet.Schäfer beschreibt in diesem Buch irgendwie sehr einfach und doch super direkt was es bedeutet, nach einem Beinahe-Ende wieder im Alltag zu stehen und zu merken, dass der Alltag eigentlich das Wesentliche ist. Und das macht er zum Glück ganz ohne Kitsch. Es ist einfach eine super schöne Beschreibung, die einen immer mal wieder selbst reflektieren lässt, was man so tagtäglich an sich vorbeiziehen lässt, ohne es wirklich zu bemerken. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch bewusst nah am Unspektakulären arbeitet. Es gibt keine großen Wendungen, keine Konflikte, die sich dramatisch auflösen. Insofern braucht es eine gewisse Bereitschaft, sich auf diesen ruhigen Modus einzulassen.Insofern geht hier eine Empfehlung raus für alle, die einfach eine schöne Erzählung suchen, die die Besonderheit der Alltagserlebnisse ins Zentrum rückt und einfach schön ist. Wer dagegen ein erzählerisch dichtes Buch sucht oder eine ausgearbeitete Handlung, greift besser woanders hin. Es ist ein kurzes, ehrliches Buch über das Glück der Gegenwart, das man definitiv nach dem Lesen erleben will!