Wunderbar fesselndes Buch in der wilden Natur
Eine Frau ist auf dem Weg. In aufgewühlter Stimmung. Erst per Zug, dann zu Fuß querfeldein durch die Berge. Bis sie die Alm der Familie erreicht. Weit ab der Zivilisation lebt hier ihre Cousine Johanna, die sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Normalerweise fährt die Frau immer nach Italien. Dieses Mal nicht. Dieses Mal quartiert sie sich wie selbstverständlich für eine unbestimmte Zeit bei Johanna ein.Dabei treffen zwei Frauen mit gemeinsamer Vergangenheit, die unterschiedlicher nicht sein könnten, aufeinander:Johanna, die schweigsam ist, die nicht studiert hat und im Berg lebt. Und Marie, die "Normale", die in ihrer Kindheit aus der Kusine ein "gutes Mädchen" machen sollte.Auf der Alm tauschen die Rollen der beiden Frauen. Plötzlich ist Johanna die, die weiß, wie das Leben zu leben ist. Und ganz langsam kommen immer mehr Themen und Traumata ans Tageslicht. Aus der nahen Vergangenheit, aber vor allem aus der Kindheit der beiden Mädchen.Dieses Buch ist aus der Sicht von Marie geschrieben und hat einen ganz besonderen, leicht kindlichen Schreibstil. Einen Schreibstil, der vor uns, aber vor allem vor ihrem Selbst, verbirgt, was geschehen ist und dadurch Neugier erzeugt. Der Eindruck des Monologs wird durch das Nicht-Verwenden von Kapiteln verstärkt. Denk-Pausen und Themenwechsel sind durch Absätze angezeigt. Normalerweise ist dies für mich ein No-Go. Hier hat es überraschend gut funktioniert.Wild Wuchern ist ein Buch über den Kontrast zwischen moderner Großstadt und dem ursprünglichen Leben in den Bergen, aber auch eines zwischen dem Festhalten von Vergangenheit und der unaufhaltsam nahenden Zukunft und einer Verbindung, die nicht mehr zu kitten scheint.Wild wuchern ist ein absolut brillantes Buch, das, für mich überraschend, absolut fesselnd war und sich bis zu einem bitterschönen Ende immer weiter zuspitzt!