Im Jahr 1923 kehrt die junge Krankenschwester Eliza zurück in ihre Heimat auf den Äußeren Hebriden Schottlands. Die Inselbewohner begegnen ihr mit gemischten Gefühlen, schwören sie doch auf Hausmittel und Aberglauben und nicht auf die moderne Schulmedizin. Während ihre Tante ihr liebevoll entgegentritt, ist das Verhältnis zu ihrer Schwester Máiri weiterhin kühl. Eliza trägt immer noch schwer an ihren Erinnerungen und den tragischen Verlust, den sie als Kind erlitten hat. Ihre Berufung ist es zu helfen und zu heilen, besonders den einsam lebenden Leuchtturmfamilien. Als sie dem Leuchtturmwärter Aidan begegnet, der nach einem Kriegstrauma dem Arztberuf den Rücken gekehrt hat, beginnt sie sich der Vergangenheit zu stellen und ihr Herz zu öffnen.
Lori Kilian hat es geschafft, mich geistig an die raue und sturmgepeitschte Küste Schottlands zu versetzen. So aufgewühlt, wie das Meer empfand ich auch Eliza, eine gequälte Seele auf der Suche nach Heilung. Ihre jüngere Schwester Máiri ist das genaue Gegenteil. Sie nimmt das Leben wie es ist und findet darin Glück und Erfüllung. Der Beruf der Gemeindeschwester verlangt viel Mut und Stärke, ich hatte jede Menge Respekt für das, was Eliza auf sich nahm, um Menschen in Not zu helfen. Sie hat immer das Wohl anderer über ihr eigenes gestellt. Auch Aidan konnte ich gleich anmerken, welche innere Zerrissenheit in ihm brodelte. Er bestrafte sich selbst mit dem Verbot, nicht mehr als Arzt zu praktizieren, was ihn zu zerstören droht. Erst das Zusammentreffen der beiden, bewegt diese sich mit der Vergangenheit und einer auferlegten Schuld auseinanderzusetzen. Dabei entdecken Sie auch ihre Gefühle füreinander.
Ich habe mich in der Atmosphäre des Buches sehr wohl gefühlt. Eine eher ruhige Handlung mit starken Empfindungen. Voller Schwermut, Angst und Hoffnung. Die Charaktere und das Setting waren für mich greifbar und gut ausgearbeitet. Gut gefallen hat mir die lebensfrohe Christina als Dorflehrerin. Die perfekte Freundin für Eliza.
Vor dem Ende des Buches hatte ich ein wenig Angst, ob nicht nach so viel Dramatik ein kitschiges Happy End folgt. Lori Kilian hat mich eines Besseren belehrt und ein perfektes Ende mit etwas Raum für eigene Vorstellungen gefunden.
Viele Dank für diesen spannenden und stürmischen Leseausflug auf die Äußeren Hebriden.
Mein Fazit:
Die Leuchtturmschwester ist ein atmosphärischer und spannender Ausflug in die Anfänge des 20. Jahrhunderts. Starke Charaktere, die trotz erschwerter Lebensbedingungen und Entbehrungen nie den Mut verlieren und sich dem Leben stellen. Eine Geschichte voller Hoffnung und Zuversicht, die gelesen werden sollte.