Drei Jahre sind vergangen seit den Ereignissen in jenem Farmhaus, und das Leben der Familie Hill hat sich normalisiert. Alice fängt mit dem College an, Maren ist eine typische knap 3-Jährige. Nora hat noch immer ihren Job als Lehrerin und Daniels Praxis boomt.
Dann aber beschließt Daniels Bruder Adam das alte Farmhaus zu kaufen, um einen Scam durchzuführen ähnlich zu den Geschehnissen in Amityville. Daniel berichtete ihm in einem Anfall von Trunkenheit die Wahrheit darüber, was in den Wochen damals geschehen ist und er sieht nun die Möglichkeit, schnell an viel Geld zu kommen.
Doch Adam ist noch nicht einmal richtig eingezogen, als das Böse im Brunnen wieder erwacht - und dieses Mal ist es stärker als jemals zuvor ...
Nach dem Ende des Vorgängerbandes war ich schon ein wenig verwirrt als ich las, dass die gleiche Familie auch hier eine Rolle spielt, denn die Hills haben das Haus am Ende von Teil 1 verkauft. Es wird aber rasch klar, was passiert ist. Tatsächlich harrte Adam schon die ganzen drei Jahre darauf, dass die Dame, die das Haus damals kaufte, ausziehen würde. Nun ist es also soweit.
Frei nach dem Mottot: Teil 2 muss blutiger werden, so werden hier sehr viel mehr Opfer gefordert als im ersten Band. Das ganze geht sogar über Staatsgrenzen hinaus, was ja in Band 1 nie der Fall war. Solange die Hills sich außerhalb aufhielten, ging es ihnen gut. Die Machenschaften des Bösen setzten erst ein, wenn sie sich der Farm näherten.
Interessant ist, dass es eine zweite Zeitlinie gibt, in der erzählt wird, wie es dazu kam, dass genau diese Entität im Brunnen steckt. Dieses Mal kommt Merle nicht von den Toten zurück, sondern wir erleben ihn live, wie er seine Tätigkeit als Exorzist aufnimmt und seine errsten Erfolge feiern kann - oder besser Teilerfolge.
Mir persönlich gefiel dieser Band besser als der erste, eben durch diese Zeitlinie in der Vergangenheit, in der man Merle sehr lebendig und sehr entschlossen erlebt. Man begreift, was ihn angetrieben hat und wie er sich seinen Ruf erwarb - nicht als Hinterwäldler-Exorzist, sondern als ein Krieger des Lichts.
Die Entität, mit der die Hills und auch Merle es zu tun haben, ist zudem sehr interessant geschildert und so gar nicht das, was man aus Band 1 kennt. Auf die Frage, warum dieses Wesen nicht schon im ersten Teil für Unruhe sorgte, gibt der Autor eine Erklärung, die sogar Sinn macht.
Die Leichen, die dieses Wesen hinterlässt, häufen sich allerdings und als Leser fragt man sich an der einen oder anderen Stelle (die Postbotin, die Patientin, etc.), ob das wirklich nötig gewesen ist. Sicher, Roberts bringt diese Menschen um, um zu zeigen, wie mächtig diese Entität ist, das ist mir auch klar. Allerdings hätte ich lieber noch ein bisschen mehr Innenleben von ihr gehabt denn lesen zu müssen, wie sie Menschen umbringt, bzw. zum Suizid treibt.
Alles in allem ein spannender Read, den man kaum aus der Hand legen kann. Die Geschichte(n) sind in sich stimmig, wenn das Ende auch trotz allem überraschend kommt. Kein Highlight, aber solider Horror.