Alain-Fourniers Der große Meaulnes entfaltet die Geschichte des Schülers François Seurel und seines charismatischen Freundes Augustin Meaulnes, der nach einer geheimnisvollen Irrfahrt auf ein verwunschenes Fest und die unerreichbare Yvonne de Galais stößt. Der Roman verbindet Bildungsroman, Erinnerungsprosa und symbolistische Traumlogik zu einer elegischen Meditation über Jugend, Sehnsucht und den unwiederbringlichen Augenblick. In der französischen Literatur der Vorkriegszeit steht er zwischen realistischer Provinzschilderung und moderner Innerlichkeit. Alain-Fournier, eigentlich Henri-Alban Fournier, veröffentlichte diesen einzigen Roman 1913, kurz vor seinem Tod im Ersten Weltkrieg. Seine Herkunft aus dem ländlichen Berry, seine Tätigkeit im literarischen Paris und die biographisch vielfach beschworene Begegnung mit Yvonne de Quiévrecourt nähren die Atmosphäre des Buches: persönliche Erinnerung wird in poetische Fiktion verwandelt, Erfahrung in Mythos, Verlust in Form. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die nicht nur eine Handlung, sondern eine fragile geistige Landschaft betreten wollen. Der große Meaulnes ist ein Schlüsselwerk über das Ende der Kindheit, die Macht des Imaginären und die schmerzliche Würde unerfüllter Wünsche.