Lena hat es geschafft und sich nach endlos-schlaflosen Nächten endlich von ihrem Freund Leo getrennt. Sie ist vorübergehend bei ihrer Mutter untergekommen und erfährt zum ersten Mal in ihrem Leben was es bedeutet, keinen Mann an ihrer Seite zu haben. Bis zum Fotoworkshop in Portugal hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, pausiert den Kontakt zu Kate und versucht alles, um ihrem alten Umfeld aus dem Weg zu gehen. Sie lernt ihre eigene Mutter neu kennen und findet ein Stück zurück in ein Leben voller Möglichkeiten. Und dann beginnt endlich der Workshop und mit ihm Lenas bisher größte Veränderung in ihrer Geschichte. Im zweiten Teil der Reihe hat Alicia Zett mal wieder an Nichts gespart: eine wirklich grandiose Charakterentwicklung und ein Schreibstiel, der einen nicht mehr los lässt. Ich war auf angenehme weise in die Geschichte vertieft, aber nicht auf die Art bei der man vergisst aufs Klo zu gehen oder etwas zu essen (you know?¿). Dementsprechend zügig hatte ich das Buch auch durch. Während wir im ersten Teil der Dilogie noch relativ viele Rückblicke auf gemeinsame Kindheitserinnerungen von unseren drei Hauptcharakteren Lena, Kate und Leo bekamen, gab es in dieser Fortsetzung deutlich ausgeglichenere Perspektivwechsel: Wir lernen zwei Wege der Trauerbewältigung kennen (Lena und Leo) und erfahren den Liebeskummer von Kate aus erster Hand. Dabei werden sie von vielen weiteren Menschen begleitet, die wir zum teil schon kannten (AJ, Jannik, Selma, April,...), oder neu kennen lernen dürfen. "Wer, wenn nicht du?" zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich eine Person verändern kann, wenn sie ihren träumen folgt. Alicia hat dabei nichts verschönert: um Ihr Glück zu finden, müssen müssen besonders Lena und Leo durch den Schmerz gehen. Auch macht Alicia es sehr offensichtlich, dass Selbstfindung ein andauernder Prozess ist. Für Lena ist es nicht genug einfach zu erkennen, dass sie in ihrer Beziehung nicht mehr glücklich war und diese dann zu beenden, denn auch nach dem Workshop wird sie sich immer wieder neu finden. Auch Leo braucht erst einen kräftigen (metaphorischen) Schlag vor den Kopf um zu erkennen, dass auch er diese Trennung auf die ein oder andere Weise gebraucht hat. Und Kate, naja, die übt sich in Geduld. Ich muss sagen, es war nicht einfach die Drei, und besonders Leo, auf ihrer jeweiligen Reise zu begleiten und hätte Alicia und kein Happy end versprochen, hätte ich sehr daran gezweifelt, aber mich hat das Buch begeistert und wie schon Teil eins inspiriert zurückgelassen. So gesehen ist dieses Buch perfekt für eine Reflektion der eigenen Geschichte, wenn man denn so will. Sonst ist der zweite Teil der Reihe auch einfach ein sehr schönes Buch voll mit queeren Charakteren, der Bewältigung von Trennung und Schmerz, Freundschaft und Liebe. Also eine absolute Empfehlung!