NSA - Andreas EschbachAndreas Eschbachs Roman NSA basiert auf einer ebenso faszinierenden wie beunruhigenden Grundidee: Was wäre geschehen, wenn dem nationalsozialistischen Deutschland bereits die technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zur Verfügung gestanden hätten? Konkret entwirft Eschbach eine Welt, in der Computer, soziale Netzwerke und allgegenwärtige elektronische Überwachung schon während des Dritten Reiches existieren. Diese Prämisse macht NSA zunächst zu einem äußerst spannenden und beklemmenden Werk der Alternative History.Besonders zu Beginn überzeugt der Roman durch seine konsequente Ausarbeitung des Szenarios. Eschbach gelingt es eindrucksvoll, die Mechanismen moderner digitaler Überwachung mit den totalitären Strukturen des NS-Staates zu verknüpfen. Die Vorstellung, dass Gestapo und SS nicht mehr mühsam Akten durchsuchen müssten, sondern per Mausklick auf umfassende Datensätze zugreifen könnten, entfaltet eine enorme Wirkung. Gerade weil viele der geschilderten Technologien heutigen Lesern vertraut sind, wirkt die dargestellte Dystopie erschreckend plausibel.Auch die Figurenzeichnung ist zunächst gelungen. Die Protagonistin Helene Bodenkamp, eine talentierte Programmiererin, steht exemplarisch für Menschen, die sich in autoritären Systemen arrangieren, ohne deren Konsequenzen vollständig zu überblicken. Ihre Entwicklung verdeutlicht, wie technische Expertise und politische Verantwortung miteinander verknüpft sind - oder eben nicht. Eschbach stellt damit wichtige Fragen nach der moralischen Verantwortung von Informatikern und Technikern, die auch für die Gegenwart hochaktuell bleiben.Dennoch weist der Roman gerade aus Sicht der Alternative History für mich erhebliche Schwächen auf. Zwar ist die Ausgangsidee originell, doch erscheint die technische Entwicklung häufig zu wenig historisch eingebettet. Die digitale Revolution wird nahezu vollständig in die 1930er- und 1940er-Jahre transplantiert, ohne dass die tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Voraussetzungen ausreichend berücksichtigt werden. Dadurch entsteht stellenweise der Eindruck, dass weniger eine alternative historische Entwicklung beschrieben wird als vielmehr die heutige Gegenwart mit NS-Symbolik überzogen wird. Das eigentliche Potenzial alternativer Geschichtsschreibung - nämlich nachvollziehbar zu zeigen, wie sich historische Prozesse unter veränderten Bedingungen entwickeln könnten - wird nur teilweise ausgeschöpft.Hinzu kommt, dass der Roman im letzten Drittel zunehmend an Plausibilität verliert. Während die Handlung anfangs noch von ihrer beklemmenden Realitätsnähe lebt, steigert sich die Geschichte gegen Ende immer stärker in spektakuläre und teilweise abstrus wirkende Wendungen. Die Ereignisse überschlagen sich, Zufälle häufen sich, und einige Entwicklungen erscheinen eher konstruiert als organisch aus dem zuvor etablierten Szenario hervorgegangen. Dadurch büßt die Geschichte einen Teil jener Glaubwürdigkeit ein, die ihre größte Stärke ausmacht.Daher mein Fazit:trotz des anfänglichen spannenden Buchs, habe ich die letzten Seiten möglichst schnell hinter mich gebracht - 3 Sterne