Ein Zimmermädchen, dem es nicht gelingt, unauffällig zu bleiben
Anett Diells Das Zimmermädchen vom Adlon spielt im Berlin der 1920er Jahre, einer Zeit, die von großen Spannungen geprägt war. Wir tauchen ein in das glanzvolle Ambiente des Hotels Adlon mit seinen luxuriösen Suiten, Ballsälen und Restaurants. Seinen vornehmen wie liebenswert zerstreuten Gästen, wie dem Dichter Charles, der bei der Arbeit an einem Gedicht schon einmal Schuhe und Strümpfe vergisst.Irabella Keller, die Heldin des Romans, lernt ihn im Dienst kennen. Sie ist zu Beginn nur eine in einer Heerschar von Zimmermädchen unter der Aufsicht einer strengen Hausdame. Ihr Lebenswunsch ist es unauffällig zu bleiben, als Zimmermädchen, im Hintergrund, dem niemand Beachtung schenkt. Denn sie hat etwas zu verbergen.Dieses Geheimnis enthüllt sich uns unauffällig, nur nach und nach. Anett Diell erzählt es uns wie nebenbei, im Trubel durchtanzter, durchfeierter Nächte. Denn Ira hat Ideen und sie hat Talent. Sie kann nicht anders, sie muss sich mitteilen und fällt dadurch wider Willen den Hotelbesitzern des Adlon auf, die sie weit über ihre Stellung als Zimmermädchen hinaus in existenzielle Entscheidungen einbinden. Ira fällt auch Maxim auf, dem Erben einer Restaurantkette, der sie in eine Tanzkarriere drängt und auch privat immer mehr vereinnahmt. Bis Ira schließlich nicht mehr ein und aus weiß.Es macht die Qualität des Romans aus, dass die Autorin Iras Schicksal in den geschichtlichen Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und des Erstarkens des Nationalsozialismus einblendet. Wir, die wir wissen, wie die Sache ausging, empfinden im weiteren Fortgang der Handlung wachsendes Unbehagen. Wir hoffen, dass die Heldin die richtige Entscheidung trifft und befürchten den großen Knall.