Ein faszinierender Roman darüber, wie Angst die eigene Wahrnehmung verändert und wie man den Weg zurück zu sich selbst findet.
Der Roman hat mich zutiefst bewegt. Angst ist etwas, das wir alle kennen. Aber was passiert, wenn sie nicht nur kurz da ist, sondern sich langsam ins ganze Leben schiebt, bis man irgendwann der eigenen Wahrnehmung nicht mehr richtig traut? Darum geht es in diesem fesselnden Roman. Im Mittelpunkt steht Anne, die nach einer schmerzhaften Trennung aus dem Gleichgewicht gerät. Erst ist es nur Traurigkeit und Unsicherheit, doch nach und nach wird daraus etwas Größeres - Angst, die sich ausbreitet und alles irgendwie verändert. Auch neue Begegnungen in ihrem Umfeld tragen dazu bei, dass sie immer mehr ins Zweifeln gerät. Besonders eindrücklich fand ich, wie sich diese Veränderung anfühlt - nicht plötzlich, sondern schleichend. Man merkt beim Lesen, wie sich Gedanken verschieben und Realität und Unsicherheit ineinander übergehen. Der Roman lebt stark von dieser inneren Perspektive. Viel passiert im Kopf der Protagonistin, in ihren Gedanken, in ihrem inneren Kampf. Erst durch therapeutische Gespräche beginnt sich langsam etwas zu sortieren. Stück für Stück kommt wieder mehr Klarheit dazu, ohne dass alles sofort gut wird oder einfach verschwindet. Am Ende bleibt vor allem dieser Gedanke hängen, wie schnell die eigene Wahrnehmung ins Wanken geraten kann und wie schwer es ist, wieder Vertrauen in sich selbst zu finden. Ein absolut wichtiges Thema, dem die Autorin mit ihrem unverwechselbaren Schreibstil genau die richtige Balance aus psychologischer Tiefe und großem Einfühlungsvermögen verleiht. Wer ihre feine Sprache schon aus anderen Büchern kennt, wird auch von diesem Werk restlos begeistert sein. Niemand versteht es so gut Wie sie, die Abgründe von manipulativen Gaslighting in einen so fesselnden Spannungsroman zu verwandeln. Sie besitzt die außergewöhnliche Gabe, das unsichtbare spürbar zu machen. Für mich ist dieser Roman ein weiteres Highlight aus ihrer Feder.