Es hatte seine Stärken, aber auch seine Schwächen.
Ein Cop aus Dänemark wird aus einer eher ländlichen Umgebung in die große Stadt versetzt und gerät gleich am Anfang mit seiner neuen Partnerin aneinander. Weniger von ihm ausgehend, als von seiner Kollegin. Und während sich diese beiden Ermittler aneinander gewöhnen müssen, findet eine der schlimmsten Mordserien Dänemarks statt.Unfassbar grausame Morde und Einblendungen von einem unbekannten Täter.Inmitten dieser Geschichte Marit Rauch Iversen die als Superrecognizerin den Cops hilft und zur Hand geht. Alle Hinweise führen zu einem geheimnisvollen Ableben einer Expedition um 2018 und was im Jahr 2019 geschah, findet man beim Lesen heraus.Alles scheint über längere Zeit hinten und vorne nicht zusammenzupassen.Kein wirklich glaubwürdiger Täter, keine wirklich befriedigende Erklärungen - bis man auf ein Geheimnis auf den Gletschern Grönlands stößt.Hat der Allaq wirklich etwas damit zu tun? Fabelwesen der grönländischen Inuit?Das Grundkonzept der Geschichte ist fantastisch. Das ist absolut nicht zu leugnen. Auch der Schreibstil hat mich überzeugt. Bildlich, einladend, spannend genug und zum Weiterlesen animierend.Bestimmte Szenen waren so klar und deutlich mitzuverfolgen, dass es wirkte, als wäre man direkt hineingeworfen worden in die Szenen. An manchen Stellen ging einem selbst das Unwohlsein durch.Ich wünschte wirklich, ich könnte sagen, dass war einer der coolsten Thriller, die ich je gelesen habe - die Wahrheit ist, dem ist leider nicht so.Der Roman hatte Schwächen. Gravierende Schwächen meiner Meinung nach - die irgendwie die Entscheidung zwischen 3 und 4 Sternen wirklich schwer machte. Für mich 3 1/2 Sterne.Wie bereits erwähnt gerieten Jesper und Kristen, die beiden Hauptermittler? miteinander aneinander. Während Jesper unter Selbstzweifeln litt und Schwierigkeiten hatte, sich in die neue Umgebung einzufügen (was nachvollziehbar erscheint) warf die leitende Ermittlerin erst einmal mit haltlosen Anschuldigungen um sich, bezichtigte den Neuen als Leck gegenüber der Presse. Obwohl der nun wirklich keinen Anlass dazu gegeben hatte, außer eine Minute mit einem alten Bekannten gesprochen zu haben. Daraus erspann sich die sonst so professionell anmutende Ermittlerin ein Komplott von Jesper - aus Angst wohlbemerkt, er könne ihr den Rang ablaufen oder sie sabotieren wollen. Das fand ich einer leitenden Ermittlerin sehr schwach.Dann sollte laut Klappentext ja eigentlich Marit Rauch Iversen eine der leitenden Figuren sein. War sie nicht. An vielen Stellen wirkte Marit wie eine Randfigur und hatte erst gegen Ende überhaupt eine tragende Rolle. Dann als es richtig zur Sache ging.Jetzt könnte ich hier mit der negativen Kritik aufhören, wenn da nicht noch etwas wäre, was die ganze Figurengeschichte um Marit störend wäre. Wer den Roman gelesen hat, wird mir entweder zustimmen oder anderer Meinung sein, aber ich finde diesen speziellen Zusatz, mit dem einen Mord, der nicht ins Bild passte, vollkommen, absolut unnötig.Im ersten Moment war es ein interessanter Punkt gewesen, der sich dann als etwas herausstellte, was mich genervt hat. Weil es einerseits so erzwungen wirkte und gleichzeitig eine Ablenkung von der Ablenkung war.Ein weiterer Punkt mit dem ich unzufrieden war, waren die Verhörmethoden. Es tut mir leid, aber das wirkte für mich eher, wie aus einem Hollywoodstreifen abgekupfert. Das hat mich geärgert, weil der Part der bei Marit und Jesper parallel lief, unglaublich gut und spannend geschrieben war. Selbst die Verfolgungsjagd war spannender und interessanter, als die Verhöre.Das klingt jetzt am Ende schlechter, als es tatsächlich war. Mir hat dieser Nebenaspekt um Jespers Geschichte gefallen, die langsam aufgedröselt wurde - mir gefiel der Teil den Kristen mit Mimi verbracht hat - auch die Geschichte mit dem Leak war durchweg interessant, weil man nicht ausschließen kann, dass der Täter vielleicht auch was damit zu tun hat? Hat er aber? Oder nicht?Auch die Grönlandthematik hat dem Ganzen mehr Schrecken, mehr Grausamkeit verliehen - die Abgründe dahinter, waren super gezeichnet und spannend erzählt. Es hat mich motiviert mich mehr mit Grönländischer Mystik zu beschäftigen. Hochinteressant und super brutal.Selbst der Ermittlungsaspekt war für mich weitgehend gut verteilt und glaubwürdig, wenn auch etwas überspitzt wirkend.Mein Fazit ist also - wenn man ein bisschen Thrill haben will, mit überzeichneten Charakteren besser klar kommt, als ich und wenn man sich eine fesselnde Geschichte verwickeln lassen will, dann kann man durchaus diesen Roman lesen.