ARMUT UND ALKOHOL...Wenn die 10-jährige Ida nach Hause kommt, weiß sie nicht, was sie erwartet: Ihre Mutter ist Alkoholikerin und psychisch krank. An Südpol-Tagen ist sie aufgekratzt und unternehmungslustig; an Nordpol-Tagen depressiv und antriebslos. Doch mit Robert Falcon Scott hat Ida glücklicherweise einen imaginären Freund, der sich bestens mit Polarforschung auskennt. Mit Erfindergeist, Empathie und Intelligenz lernt Ida, ihre schwierige Situation zu meistern. (Verlagsbeschreibung)Dieses Kinder-Theaterstück stand auf der Longlist des Österreichischen Debütpreises und widmet sich einer besonderen Thematik. Ida, zehn Jahre alt, lebt alleine mit ihrer Mutter in einem Mehrparteienhaus und beobachtet und dokumentiert täglich, ob die Mutter einen Südpol-Tag hat oder aber einen Nordpol-Tag. Zur Seite steht ihr dabei Robert Falcon Scott, der berühmte Polarforscher, der Idas unsichtbarer Freund ist.Südpol-Tage sind schön, mit einer energiegeladenen Mutter, dem Duft von gekochtem Essen und frisch gewaschener Wäsche in der Wohnung. Nordpol-Tage dagegen sind grau und stumm, mit einer Mutter, die von leeren Flaschen umringt unter der Decke auf dem Sofa liegt und den ganzen Tag nicht aufsteht, einem leeren Kühlschrank und muffiger, abgestandener Luft in den Zimmern. Ida hat schon früh gelernt, sich um sich selbst zu kümmern und von den Problemen zu Hause niemanden etwas merken zu lassen.Was jetzt bedrückend und düster klingt, ist es auch - aber irgendwie auch nicht. Denn Ida ist ein aufgewecktes, empathisches, humorvolles und starkes Mädchen, das sich kreativ und auch pragmatisch Wege sucht, mit der Situation zu Hause klarzukommen. Leicht ist es für sie dadurch zwar nicht, aber es bleibt für sie dadurch auf einem meist erträglichen Level. Mit Scott tauscht sich Ida regelmäßig aus, und eines Tages trifft sie im Treppenhaus auf einen Jungen, der dort seine Hausaufgaben macht. Er will Sternenforscher werden so wie Ida Polarforscherin werden möchte. Und wie sich herausstellt, hat der Junge ein offenes Ohr für Ida. Vielleicht ist sie nun nicht mehr gar so einsam?Als Theaterinszenierung kann ich mir den Text sehr gut vorstellen, aber auch in der Schriftform finde ich ihn sehr eindringlich und bildhaft. Das Thema betrifft mehr Kinder als man vielleicht gemeinhin annimmt, und für diese kann das Stück eine Möglichkeit sein, Mut zu fassen. Aber auch als Erwachsene erhält man so einen Einblick in eine Lebenswelt, die man (hoffentlich) so nicht kennt und die einen angesichts von Idas positiver Art, mit den ganzen Problemen umzugehen, staunen lässt.Im Anhang finden sich auch Hinweise darauf, mit welchen ergänzenden Fragestellungen und Aufgaben die angerissenen Themen im Klassenverband bearbeitet und vertieft werden können. Das empfinde ich als eine wertvolle Ergänzung.Ernst und doch von Stärke und Humor durchzogen - lesenswert!© Parden