Traurige Thematik gut erzählt. Leider ein paar banale philosphische Längen dabei und manche Szenen für mich zu wenig beschrieben.
Jules und seine zwei älteren Geschwister Liz und Marty wachsen behütet auf. Doch eines Tages kommen ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben. Sie müssen ins Internat und besonders Jules als Jüngster leidet sehr darunter. Er wird von seinen Geschwistern getrennt. Vor dem Unfall war Jules ein selbstsicherer Junge. Nun entwickelt er sich zu einem zurückgezogenen Außenseiter. Doch er findet eine Freundin - Alva. Sie setzt sich neben den schüchternen Jungen und langsam entwickelt sich ein zartes Band zu ihr. In der Geschichte werden schwierige Themen behandelt wie Verlust, Tod und Einsamkeit. Dabei werden die drei Geschwister begleitet und gezeigt, wie unterschiedlich diese mit ihrem Schicksal umgehen.Da die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Jules geschrieben ist, bekommt man besonders seinen Verlauf mit. Wie sehr er mit sich hadert, wie er auch sich teils die Schuld gibt, weil er kurz vor dem Tod mit dem Vater ein angespanntes Verhältnis hatte und sich auch noch mit ihm gestritten hat.Er wird zu dem ruhigen Jungen, während sein Bruder sich als Einzelgänger entwickelt und ihre Schwester sich ausprobiert und Grenzen austestet. Allen dreien merkt man es an, dass sie nur schwer mit dem Verlust umgehen können und ihre Probleme haben. Der Schreibstil hat mir gut gefallen und hat gut zur Geschichte gepasst. Er sanft und fängt die Momente ein. Dabei werden nicht alle Szenen auserzählt, was allerdings ein Punkt ist, der mich etwas gestört hat. Denn oftmals hatte ich leider das Gefühl, dass vieles angeschnitten wurde, man aber noch mehr dazu sagen können. Vielleicht wollte man die Szene offenlassen, damit der Leser sich dieser in seiner Phantasie selbst zu Ende denkt. Bis zu einem gewissen Punkt kann ich das verstehen. Man muss ja nicht alles auserzählen und gerade bei dieser Art der Geschichte hat sich das angeboten. Allerdings hat es mich an der ein oder anderen Stelle doch gestört, weil es sich für mich angefühlt hat, als würde da ein Teil fehlen. Ich mag es einen tiefen Einblick in die Figuren zu bekommen und an diesen Stellen kam es mir vor, als würde ich an einem gewissen Punkt ausgeschlossen.Mir sind dadurch auch noch ein paar Fragen offengeblieben. Ich weiß, dass man im wahren Leben auch nicht alle beantwortet bekommt, aber das ist immerhin ein Roman. Und ich rede hier nicht von einem offenen Ende, denn das fand ich eigentlich sehr gut und auch nicht offen, sondern Teile in der Geschichte. Zum Beispiel hätte ich gern erfahren, was es mit dem Brief auf sich hat, welcher der Vater kurz vor dem Tod bekommen hat und ihn so aufgewühlt hat. Der wurde auch nochmal angesprochen, aber dennoch erhält man darauf keine Antwort. Das war sehr unbefriedigend. Dadurch, dass man sich nah bei Jules befunden hat, hat man die Geschichte seiner Geschwister nur am Rande mitbekommen und konnte nur aus seinen Erzählungen erahnen, wie es ihnen mit dem erging, was geschehen war. Ich bin da etwas zwiegespalten, weil ich Liz sowie Marty als Figuren ziemlich spannend fand und manchmal hätte ich mir schon gewünscht, deren Sicht zu erfahren oder das zu erleben, was Jules nicht mitbekommen hat. Für mich wäre es spannend gewesen, wenn man hier alle drei Sichten bekomme hätte. Aber vielleicht hätte das den Vibe der Geschichte, die Atmosphäre, etwas zerstört. Denn gerade aus Liz Sicht, war es sicherlich nicht so dauermelancholisch wie bei Jules. Es war stellenweise auch philosophisch, aber für mich war es recht banal. Diese Passagen fand ich auch eher langatmig. Gleichzeitig haben diese philosophischen, nachdenklichen Passagen zu Jules Wesen gepasst, da er sich zu einem nachdenklichen Mann entwickelt hat.Eine Sache, die aber auch an mir liegen kann, stellt sich mir: Das Buch beinhaltet sehr traurige Themen, was auch sanft erzählt wurde. Dennoch hat es bei mir wenig bewegt. Ich bin der Meinung, dass das daran liegt, dass es für mich ab einen gewissen Punkt zu überladen war. Am Anfang fand ich das Buch noch sehr bewegend, aber dann ist das passiert und am Ende musste natürlich noch das passieren,Alva ist gestorbendass mir das am Ende für ein Buch einfach zu viel war und es sich dann wieder für mich so anfühlte, als würde man bei dem Buch sehr auf die Tränendrüse drücken. Fazit:Insgesamt hat mir das Buch ganz gut gefallen. Der Autor hat den richtigen Ton bei der Thematik angeschlagen und die Geschichte wurde auch berührend erzählt. Mir haben die Figuren gefallen, aber am Ende war es mir zu wenig und zu viel zugleich. Manche Szenen hätte ich gern auserzählt gehabt und stattdessen den einen oder anderen Schicksalsschlag, der für meinen Geschmack zu viel war, weggelassen. Weniger philosophische Phrasen wie das "Nullsummenspiel" und dadurch verursachte Längen. Von mir gibt es solide 3,5 Sterne.