Solide
"I Kissed Shara Wheeler" ist eine queere Highschool¿Story, die mit viel Energie startet, sich aber nicht immer treu bleibt. Der Roman beginnt wie eine typische Teenie¿RomCom: laut, bunt und ein wenig zu bemüht witzig. Doch sobald Shara verschwindet und Chloe sich auf die rätselhafte Schnitzeljagd begibt, gewinnt die Handlung spürbar an Fahrt. Die Suche nach der Wahrheit bringt Geheimnisse ans Licht und zwingt Chloe, ihre Sicht auf die Menschen um sich herum zu hinterfragen.Chloe selbst bleibt dabei eine eher schwierige Hauptfigur. Ihre Besessenheit von Shara wirkt stellenweise überzogen, und emotional bin ich nie ganz bei ihr angekommen. Dafür glänzen die Nebenfiguren umso mehr. Besonders Smith sticht heraus - seine Entwicklung ist warmherzig, glaubwürdig und hat mich deutlich stärker berührt als Chloes Weg. Generell sind es die Nebencharaktere, die dem Buch Tiefe und Charme verleihen.Ab der Mitte verliert die Geschichte jedoch etwas an Schwung. Einige Passagen ziehen sich, und das Finale wirkt leicht überspitzt und vorhersehbar. Auch die Figurenentwicklung bleibt hinter dem Potenzial zurück, das die queere Thematik eigentlich bietet. Zwar werden verschiedene Identitäten und Lebensweisen sichtbar gemacht, doch oft bleibt es bei der Oberfläche.Der Schreibstil ist angenehm jugendlich, flüssig und gut strukturiert - man liest sich schnell fest, auch wenn nicht alles emotional zündet.Fazit: Ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman mit starken Nebenfiguren, einer kreativen Grundidee und schöner queerer Repräsentation. Trotz Schwächen in Tiefe und Charakterentwicklung kann die Geschichte viele Leser*innen abholen - besonders jene, die queere Coming¿of¿Age¿Stories lieben. Für mich persönlich war es nicht ganz das Highlight, das ich erwartet hatte, aber definitiv ein solides Leseerlebnis.