Die Geschichte von Louise und Emilie geht weiter. Die Handlung macht einen Sprung, und wir befinden uns im Jahr 1892 in Bremen. Louise ist allein, ohne ihren Ehemann Felix, aus Australien in die Hansestadt zurückgekehrt. In Australien ist etwas Schreckliches passiert, das sie zu der Rückreise bewogen hat was genau, bleibt zunächst unerwähnt.
Felix und Emilie können ihre Gefühle füreinander nicht länger verbergen. Da die Heirat zwischen Louise und Felix eine Zweckheirat war, gönnt Louise ihrer Freundin und ihrem Mann das gemeinsame Glück. In Bremen trifft sie außerdem wieder auf Alexander, ihre ehemalige Affäre und den jetzigen Ehemann ihrer Cousine. Dadurch ist der Familienfrieden bedroht. Hinzu kommen die schwierige wirtschaftliche Lage sowie der sich verschlechternde Gesundheitszustand ihres Onkels.
Die Personenkonstellationen sind, wie bereits angedeutet, sehr diffizil. Hier musste ich einige Male das Personenregister zur Hand nehmen. Die Geschichte wird größtenteils aus der Sicht von Louise und Emilie erzählt, sodass wir hier eine rein weibliche Perspektive auf die Geschehnisse erhalten.
Für meinen Geschmack wurde etwas zu sehr mit Klischees gespielt sei es das Korsett, das in Australien abgelegt wurde und nun in Bremen wieder einengt, oder die Darstellung der Männer, die allesamt machtbesessen wirken, dem Geschäft alles unterordnen oder gewalttätig sind. Die Männer, die eine Ausnahme bilden, bleiben dagegen sehr blass und treten nur im Hintergrund auf.
Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und authentisch. Der Bremer Dialekt verleiht dem Roman zusätzliche Authentizität. Auch die Mentalität der Menschen in Bremen hat die Autorin gut eingefangen und vermittelt einen überzeugenden Eindruck von der Stadt zur damaligen Zeit. Hintergrund des Romans ist die Australien-Ausstellung, die es tatsächlich gegeben hat. Hier hat die Autorin gute Recherchearbeit geleistet und vermittelt den Leserinnen und Lesern ein anschauliches Bild der Expeditionen jener Zeit