Oasen der Ruhe in Berlin, das klingt fast wie ein Oxymoron, aber ich weiß, daß es solche Oasen gibt und war äußerst neugierig darauf, weitere kennenzulernen. Aus dem Buch Idyllisches Berlin derselben Reihe weiß ich bereits, daß der BeBra-Verlag, dessen Bücher ich immer gerne lese, seine Titelversprechen hält und man ungewöhnliche Orte kennenlernt.
Und auch dieses Buch hat meine Erwartungen erfüllt, eigentlich sogar übertroffen. Der Umschlag und die innere Gestaltung bieten die vertrauten Ansichten der Berlin-Brandenburg-Bücher des BeBra-Verlags und schaffen gleich ein Gefühl von Vertrautheit. Erfreulich finde ich es, daß die praktischen Informationen jetzt in einem hübsch farblich abgesetzten Kästchen direkt unter dem Text stehen, nicht mehr wie früher mit viel weißer Fläche und einem kleinen Foto auf einer Extraseite. So wird der Platz besser genutzt und die Einträge erscheinen mir nicht mehr so knapp.
41 Orte werden uns vorgestellt, aufgeteilt in sechs vielfältige Kategorien. Die Nummer jedes Ortes findet sich hinten auf einer Übersichtskarte in einem kleinen Kreis. Wie immer bei BeBra leider komplett ungeordnet, was aber hier angesichts der unterschiedlichen Kategorien nachvollziehbar ist.
Die Orte sind teils erwartet Parks, Friedhöfe, Kirchen, Natur , teils für mich komplett überraschend. Ein Ruheraum im Brandenburger Tor? Da habe ich schon beim ersten Eintrag verblüfft geschaut. Eine Seilbahn, ein Antiquariat, ein Gedenkort für Mauertote, ein Krematorium langweilig wird es wirklich nicht! Ich war wieder mal baff, was Berlin an Orten zu bieten hat, die man dort nicht vermuten würde. Und auch die bekannten Orte können überraschen so wußte ich nicht, daß ich die von mir äußerst geschätzte Prinzessinnengruppe Schadows in einer Kirche ansehen kann. Dieses kleine Buch enthält eine Fülle von Informationen, von denen mir die meisten völlig neu waren, und am liebsten würde ich gleich nach Berlin reisen, so viele Anregungen habe ich bekommen.
Wie immer in dieser Reihe sind die Einträge reich bebildert und dies sehr ansprechend. Noch begeisterter war ich diesmal von den Texten. Christoph Kaufmann schreibt gekonnt, manchmal sogar poetisch. Er vermittelt Informationen farbig und interessant, die Sprache erfreut (mal abgesehen von den nervigen Doppelnennungen, welche Sätze in lauter Berlinern, Künstlern etc. ertrinken lassen, aber das ist ja leider kein spezifisches Problem eines Buches). Ich hatte große Freude daran, die Einträge zu lesen und ich habe es wieder einmal genossen, wie viel ich hier lernen konnte.
Das Buch hat also alles, was mir gefällt: ansprechende Illustrationen, zahlreiche Informationen, interessante Texte, Tipps für ruhige, nicht überlaufene Orte, viele historische Informationen, und ist somit ein erfreuliche gelungenes Rundum-Paket.