GELESEN: Erich Maria Remarque Im Westen nichts Neues
316 Seiten
Lizenzausgabe für den Bertelsmann Lesering mit Genehmigung des Verlages Kiepenhauer und Witsch
Ausgabe 1958
Eine liebe Freundin hat vor ihrem Umzug ausgeräumt. Neben diesem habe ich noch von Erich Maria Remarque
Drei Kameraden aus 1938, Zeit zu leben und Zeit zu sterben aus 1954 sowie Die Nacht von Lissabon aus 1962 bekommen.
Von E.M.R. hatte ich bislang noch nichts gelesen. Natürlich habe ich von ihm und seinen Romanen gehört und auch, dass es mehrfache Verfilmungen von Im Westen nichts Neues gab.
Wir befinden uns mit diesen Erzählungen im Ersten Weltkrieg an der Westfront in Frankreich und Belgien in den Schützengräben, in Lazaretten, einem Ausbildungslager und einer Kaserne. Auch wenn es sich um keinen einfachen Stoff handelt, so liest sich das Geschriebene rasch.
Es ist unbegreiflich, was Menschen anderen Menschen antun. Was diese meist jungen Leute erleben mussten, hat E.M.R äußerst plastisch in Worte gefasst. Aus diesem und anderen Kriegen hat niemand etwas gelernt.
Hunger und Langweile waren das Wenigste in den Unterständen an Misslichkeiten. Gas, Gestank, Angst, Gewalt, schwerste Verletzungen, Tod, Heimweh, Gedanken an eine Zukunft; welche Zukunft?
Erich Maria Remarque (* 22. Juni1898 in Osnabrück als Erich Paul Remark; 25. September1970 in Locarno, Schweiz) war ein deutscherSchriftsteller. Er wurde mit dem 1928 erstmals erschienenen, zuerst 1930 in Hollywood verfilmten Antikriegsroman Im Westen nichts Neues weltberühmt. 1931 erwarb Remarque die Casa Monte Tabor am Lago Maggiore und verlegte seinen Wohnsitz in die Schweiz. Im NS-Staat wurden seine Bücher verboten und 1933 öffentlich verbrannt. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. 1939 emigrierte er in die USA, wo er Anerkennung als Schriftsteller fand. 1947 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1948 kehrte er in die Schweiz zurück, hielt sich aber weiterhin häufig in den USA auf. Remarque wurde auch durch seine Beziehungen zu prominenten Frauen und als Kunstsammler bekannt. Seine überwiegend als pazifistisch eingestuften Romane, in denen er die Grausamkeit des Krieges thematisiert, finden bis heute weite Verbreitung.
Heute gibt es für ca. 80 Mann doppelte Rationen. Die Bohnen schmecken herrlich mit Fett und Rindfleisch. Man hat große Verluste eingefahren. Endlich können alle zugreifen. Nicht nur Essen, auch Zigaretten und Zigarren gibt es genügend. 40 Zigaretten genügen für einen Tag.
Der Ich-Erzähler Paul Bäumer (Paul ist der frühere zweite Name des Schriftstellers. Bäumer der seiner Großmutter mütterlicherseits) berichtet von sich und seinen Kameraden. Gestern waren sie noch Schüler. Heute sind sie alte Männer mit gerade mal 19 Jahren. Sie haben schon viel zu viel gesehen. Nach dem Essen sitzen er und und zwei seiner Kameraden, die einst seine Mitschüler waren, auf tragbaren Latrinen mitten in einer blühenden Wiese. Warum sie sich früher beim Gang zur Toilette geniert hatten, ist ihnen heute schleierhaft.
Der kleine Albert Kropp, Müller V., Leer, mit dem Vollbart besuchen Franz Kemmerich, welcher im Sterben liegt. Man hat ihm ein Bein abgenommen. Müller möchte unbedingt seine guten Stiefel. Kemmerichs Mutter hat Bäumer gebeten, auf íhren Sohn aufzupassen. Wie wäre das möglich gewesen? Wenn er nur schon den Brief an die Mutter geschrieben hätte.
Die vielen Tage in den Unterständen, die wenigen Nahrungsmittel, welche ihnen, kaum sind sie kurz eingeschlafen, von den Ratten weggefressen werden, die Einschläge, der ständige Lärm, welcher gerade die Rekruten teilweise in den Wahnsinn treibt. Dass man dem einstigen Schleifer, Unteroffizier Himmelstoß, welchem man erfreulicherweise degradiert hatte, trotzdem noch Paroli bieten muss, machen jeden Tag zu einer Herausforderung.
Der langersehnte Heimurlaub ist für Paul Bäumer ganz anders verlaufen, als er sich dies erträumt hatte. Er findet sich nicht mehr zurecht. Er kann sich auf die vielen Fragen nicht erklären. Seiner schwerkranken Mutter kann er doch nicht sagen, wie fürchterlich dieser Krieg ist. Kemmerichs Mutter kann er nicht sagen, wie sehr ihr geliebter Sohn leiden musste. Sein ehemaliges Kinderzimmer kommt ihm absurd vor. Er wünscht sich, wieder Kind zu sein, seinen Kopf in Mutters Schoß vergraben zu können, seinen Tränen freien Lauf zu lassen. Er ist froh, als er wieder abfahren kann. Zuerst geht es in ein Ausbildungslager. Nebenan leben russische Kriegsgefangene. Bäumer hat Mitleid mit den armen Leuten, welche von weggeworfenen Essensresten leben. Ab und zu einen Zigarettenstummel als großes Geschenk annehmen und zu einer Geige traurige Lieder singen.
Bäumer und Albert Kropp werden verletzt. Sie kommen mit dem Lazarettzug Richtung Heimat. Paul achtet darauf, dass er nicht von Albert getrennt wird.
Tatsächlich haben sie das Lazarett überlebt. Zurück an der Front kurz vor Kriegsende lassen sie sinnlos ihr Leben.