Lebens-Ansichten des Katers Murr als Taschenbuch
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Lebens-Ansichten des Katers Murr

Nebst fragmentischer Biographie des Kapellmeisters Johann Kreisler in zufälligen Makulaturblättern. 'Reclam…
Taschenbuch
Mit Anhang und Nachwort
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Lebens-Ansichten des Katers Murr als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Lebens-Ansichten des Katers Murr
Autor/en: Ernst Theodor Amadeus Hoffmann

ISBN: 3150001536
EAN: 9783150001530
Nebst fragmentischer Biographie des Kapellmeisters Johann Kreisler in zufälligen Makulaturblättern.
'Reclam Universal-Bibliothek'.
Herausgegeben von Hartmut Steinecke
Reclam Philipp Jun.

1. Januar 1972 - kartoniert - 517 Seiten

Beschreibung

Mit Anhang und Nachwort

Portrait

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (dritter Taufname eigentl. Wilhelm), 24. 1. 1776 Königsberg - 25. 6. 1822 Berlin.
H. stammte aus einer Advokatenfamilie und studierte von 1792 bis 1795 Jura in Königsberg; daneben zeichnete, malte, schrieb und komponierte er. 1796-1807 führte ihn die juristische Laufbahn von Glogau (1796-98; 1798 Referendar-Examen) über Berlin (1798-1800; 1800 Assessor-Examen), Posen (1800-02) und Plock an der Weichsel (1802-04, Strafversetzung wegen bissiger Karikaturen) nach Warschau (1804-07; Regierungsrat). Nach der Besetzung Warschaus durch napoleonische Truppen verlor H. sein Amt und ging Mitte 1807 nach Berlin, dann nach Bamberg, wo er als Musikdirektor am Theater scheiterte, aber ohne of zielle Anstellung in verschiedenen Funktionen (Kapellmeister, Komponist, Theaterarchitekt und -maler) weiter für das Theater arbeitete. Daneben gab er Musikunterricht, wobei die Leidenschaft für seine Schülerin Julia Mark in seine Dichtungen einging. 1813-14 war er als Kapellmeister in Dresden tätig; 1814 vollendete er seine Oper Undine (UA 1816 Berlin). Als er im Zuge des Neuaufbaus der Verwaltung durch Vermittlung seines Freundes Th. G. v. Hippel 1814 wieder in den preußischen Staatsdienst aufgenommen wurde (1816 Kammergerichtsrat), verband er p ichtbewusste Amtsführung mit intensiver literarischer Produktion. Von 1819 bis 1821 war er Mitglied einer Kommission, die gemäß den Karlsbader Beschlüssen hochverräterische Umtriebe untersuchen sollte. Die Kommissionsmitglieder bewiesen Rückgrat und wandten sich wiederholt gegen polizeiliche Übergriffe. 1821 wurde H. in den Oberappellationssenat des Kammergerichts, die oberste Instanz der preußischen Strafgerichtsbarkeit, versetzt, doch Anfang 1822 wegen seines satirischen Märchens Meister Floh mit einem Verfahren (Verletzung der Amtsverschwiegenheit) überzogen, vor dessen Konsequenzen ihn Krankheit und Tod bewahrten. H.s vielseitige künstlerische Begabung machte ihm selbst die Entscheidung für eine bestimmte Kunstform schwer. Zunächst stellte er sich selbst nur die Frage, ob er wohl zum Mahler oder zum Musiker gebohren sei (1803), und lange schien die Entscheidung zugunsten des Musikers gefallen zu sein, bis dann mit der 1809 entstandenen Novelle Ritter Gluck und den darauf folgenden Rezensionsaufträgen die Literatur allmählich neben bzw. - nach der Vollendung der Undine-Oper - vor die Musik trat. Als Dichter beschränkte sich H. fast ausschließlich auf Prosagattungen, wobei er viele seiner Geschichten, Novellen, Märchen und z. T. auch kritischen Aufsätze unter bestimmten erzählerischen und/oder thematischen Gesichtspunkten zu großen Sammlungen vereinigte. Daneben stehen die beiden großen Romane, die die Tradition des Schauerromans aufnehmenden Elixiere des Teufels und der Doppelroman Kater Murr mit seiner Verbindung von Kater-Autobiographie als Bildungsromanparodie und romantischer Musiker-Biographie. Zu den charakteristischen Eigenschaften seines Werkes zählt ein grundsätzlicher Dualismus, der in verschiedenen Ausprägungen erscheint: als Gegensatz von Kunst und Leben bzw. Künstler- und satirisch geschilderter Spießerwelt, von phantastisch-grotesker bzw. märchenhafter Kunst und bürgerlich-vernünftiger Normalität, von äußerer Wirklichkeit und den (von Gotthilf Heinrich Schubert beschriebenen) 'Nachtseiten' der Innenwelt, von romantischem religiösen und künstlerischen Enthusiasmus und scharfer, grotesker Satire oder bizarrem Humor. Die Aufhebung der Gegensätze, die Harmonie von Innen und Außen ist nur in der Kunst möglich, und die Verkennung der radikalen Trennung von Kunst und Leben bzw. die Unfähigkeit, Innen und Außen zusammenzuschauen, führt letztlich zur Zerstörung des Bewusstseins. Dabei sorgt häüg eine mehrfach perspektivisch gebrochene Erzählweise dafür, dass für den Leser die Grenzen von Schein und Wirklichkeit undeutlich werden. In späten Erzählungen wie Des Vetters Eckfenster (1822) verschiebt sich das Verhältnis von Innen- und Außenwelt zugunsten der äußeren Wirklichkeit und macht eine Annäherung an die realistische Erzählkunst des 19. Jh.s sichtbar.


In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

Pressestimmen

Bestechend in der komprimierten Fülle sind die beigefügten Dokumente zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte. Sie enthalten nicht nur die wichtigsten Briefstellen, auch eine Reihe wenig bekannter Rezensionen (...). Auch das Nachwort ist bemerkenswert durch eine knappe und doch ausreichende Übersicht über die Geltung des Murr-Romans in der deutschen und europäischen Literaturgeschichte und durch die abschließende, auf der neueren Hoffmann-Forschung fußende Einordnung als Vorläufer des modernen Romans (...).
Mitteilungen der E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft


Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 01.07.1997

1821
E.T.A. Hoffmann "Kater Murr"

Mancher zieht, wenn es um Hoffmann geht, diesem "Kater Murr" schließlich doch die so hinreißenden "Elixiere des Teufels" vor, sie haben so etwas Dämonisch-Schauerliches, und bei allem turbulenten Durcheinander lesen sie sich süffig und leicht weg, und vor allem ist ein von diabolischen Elixieren Getränkter doch immer ein glänzender Held. Ein Kater dagegen kann mißlich sein wie so viele erzählende Tiere, vielleicht muß man einen eignen lebendigen lieben, wie Hoffmann das eben tat (er starb ihm, auch Murr geheißen wie jener, 1821, ganz wie der im Buche im Nachwort des fiktiven Herausgebers; im Jahre darauf starb Hoffmann, und die versprochenen nachgelassenen Lebensansichten Murrs blieben ungeschrieben: so sehr griffen hier alle Tode ineinander, die menschlichen und tierischen). Und dann war Hoffmann auch sonst wunderbar verrückt und durchwirkte die Ansichten Murrs mit der Lebensgeschichte des genialen Musikers Kreisler, und zwar so, daß auf halbbedruckten Wegwerfblättern einer Lebensgeschichte dieses Mannes nun Murr seine Ansichten niederschreibt, und dies wieder so, daß Kreislers Leben, so zufällig verwendet, kaum Ordnung und scheußliche Lücken hat - wir lesen nun also ein bißchen Murr, satirisch-langweilig mitunter, aber natürlich auch witzig und brillant, dann die damit hinten beschriebenen Kreisler-Blätter, und diese nun, zerstückt ohnehin durch Murrs dauerndes Dazwischenschreiben, also auch noch bis zum Zerreißen fragmentarisch und als ob an überhaupt kein zusammenhängendes Leben des Kapellmeisters je zu denken wäre, ganz abgesehen von irgendeinem auch nur entfernten Zusammenhang mit den Ansichten dieses verfluchten Katers: außer man beginnt irgendwann große Lust zu empfinden daran, wie hier ein Roman, den ein willkürlich herbeigedichteter Zufall (der Kater mit diesen Makulaturblättern, in Laurence Sternes "Empfindsamer Reise" gibt es ein ähnliches Motiv) fast sinnlos in Stücke reißt - wie ein so in Stücke zerrissener Roman also das ganze sonst überall doch für natürlich hingenommene ordentliche Erzählen von Ansichten und Lebensgeschichten einmal ganz gewaltig unterläuft, fast als sollten wir nun auch noch überlegen, ob nicht das Unzusammenhängende und Zerrissene wahrer ist als was wir sonst gern über uns und die Welt wüßten. (E. T. A. Hoffmann: "Lebensansichten des Katers Murr, nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern". Insel Verlag, Frankfurt am Main 1976, 506 S., br., 19,80 DM.) R.V.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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